Peter-Joseph-Lenné-Preis rückt Nachwuchs in der Landschaftsarchitektur in den Fokus
Der Peter-Joseph-Lenné-Preis des Landes Berlin zählt seit 1965 zu den renommierten Wettbewerben für Garten- & Landschaftsbau, Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur. Der international ausgeschriebene Ideenwettbewerb wird in der Akademie der Künste verliehen und richtet sich vor allem an junge Planer, Wissenschaftler, Architekten und Künstler. Mit einer Dotierung von 5.000 Euro je Aufgabe gilt der Preis als wichtige Auszeichnung für den planerischen Nachwuchs.
Namensgeber ist Peter Joseph Lenné, der die preußische Gartenkunst nachhaltig prägte und Landschaft stets im Zusammenhang mit Topographie und Architektur verstand. An diese Tradition knüpft der Wettbewerb an. Unterstützt wird er unter anderem von der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, die sich auch in der Nachwuchsförderung engagiert.
Auszeichnungen gehen nach Freising, München, Berlin und Hannover
In diesem Jahr gingen die Lenné-Preise an Isabel Maier-Harth aus Freising und Dennis Pytlik aus München sowie an Lasse Malzahn und Lucas Rauch aus Berlin. Karl-Foerster-Anerkennungen erhielten Mareen Leek und Fabian Karle aus Berlin sowie Evelyn König und Franziska Schadzek aus Hannover.
Die Jury unter Vorsitz von Gabi Kiefer sah die prämierten Arbeiten deutlich vor dem Feld der mehr als 85 Einsendungen. Zugleich fiel die Gesamtbewertung kritisch aus. Bemängelt wurden unter anderem eine zu schwach ausgeprägte persönliche Haltung zum Stadtraum, Unsicherheiten bei maßstäblichen Bezügen und ein fehlendes Vertrauen in die gestalterische Kraft der Pflanze.
Zwei Aufgaben für Landschaftsraum und Stadtraum
Im Bereich A stand die Planung des Großen Rundwegs im Landschaftspark Hochrhein in der Metropolregion Basel im Mittelpunkt. Die prämierte Arbeit „Rhine Flections“ von Isabel Maier-Harth und Dennis Pytlik griff die vorhandenen Qualitäten des Landschaftsraums auf und interpretierte den Rhein als historisches Element mit trennender und verbindender Wirkung zugleich.
Der Entwurf arbeitete mit Spiegelwänden und Spiegelungen, um Landschaftsbezüge sichtbar zu machen und neue Wahrnehmungen des Raums zu erzeugen. So wurden etwa die Salinentürme bei Möhlin auf der Schweizer Seite auf die deutsche Seite gespiegelt und dort als Aussichtstürme interpretiert. Die Jury würdigte den Ansatz, kritisierte aber auch den teils großmaßstäblichen Charakter der Eingriffe und den begrenzten Bezug zur realen Stadtlandschaft.
„Urban Picturesque“ überzeugt im Berliner Stadtraum
Im Bereich B ging es um die Aufwertung der Straße „An der Urania“ in Berlin, eines innerstädtischen Transitraums. Lasse Malzahn und Lucas Rauch überzeugten mit ihrem Entwurf „Urban Picturesque“, der das Erleben und Erfahren des Stadtraums in den Mittelpunkt stellte. Zum Einsatz kam dabei ein konvex geformter, gefärbter Spiegel, der sogenannte Black Mirror, ergänzt durch einen QR-Code mit Informationen zum Grünzug.
Positiv bewertet wurde die typologische Differenzierung des Entwurfs in Straßenraum, Promenade, Stadtplatz, Quartierplatz und Wasserkanal. Nach Einschätzung der Jury stärkt diese Gliederung die Wahrnehmung und Lesbarkeit der urbanen Qualität. Gleichzeitig wurden auch hier Nachbesserungen mit Blick auf die Umsetzung bei unterschiedlichen Höhenverhältnissen im realen Raum angemahnt.
Kritik an Ausbildungsstand und Entwurfsqualität
Die Jury bewertete das Niveau vieler eingereichter Arbeiten insgesamt zurückhaltend. Vor allem der Umgang mit unterschiedlichen Maßstabsebenen bereitete zahlreichen Teilnehmern erkennbar Schwierigkeiten. In der landschaftsplanerischen Aufgabe wurde keine weitere Arbeit als preiswürdig angesehen, weshalb die Karl-Foerster-Anerkennungen ausschließlich im Bereich B vergeben wurden.
Im Raum steht damit auch eine grundsätzliche Debatte über die Ausbildung des planerischen Nachwuchses. Diskutiert werden soll, ob Kenntnisse zu Landschaftsatmosphäre, abgestuften Planungsmaßstäben und Pflanzenverwendung in Studium und Wettbewerb künftig stärker eingefordert werden müssen. Für die nächste Ausschreibung des Lenné-Preises sollen deshalb strengere Bewertungskriterien und klarere Qualitätsmaßstäbe entwickelt werden.
Symposium begleitet den Wettbewerb
Begleitet wurde die Preisverleihung von einem Lenné-Symposium mit internationalen Referenten. Im dritten „Tiergartendialog“ standen Strategien zur Zukunftsfähigkeit des Großen Tiergartens im Mittelpunkt. Für viele Fachleute aus Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Planung und Hochbau bot die Veranstaltung damit eine zusätzliche Plattform für Austausch und internationales Netzwerken.
Der Peter-Joseph-Lenné-Preis bleibt damit nicht nur ein Wettbewerb, sondern auch ein Seismograf für die aktuelle Qualität in der Freiraum- und Landschaftsplanung. Gerade für den beruflichen Nachwuchs im Garten- & Landschaftsbau behält er seine Bedeutung als wichtige Bühne für Positionen, Entwurfshaltung und fachliche Weiterentwicklung.
