Entlastungsmaßnahmen und ihre Wirkung auf die Teuerung
Die Einführung des 9-Euro-Tickets zum 1. Juni 2022, befristet auf drei Monate, führte zu Preissenkungen im öffentlichen Regional- und Personennahverkehr. Parallel dazu dämpfte die Senkung der Mineralölsteuer, bekannt als Tankrabatt, die Kraftstoffpreise. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass sich die Teuerung im Bereich Verkehr auf +8,3 % abschwächte, nachdem sie im Mai 2022 noch bei +16,3 % gelegen hatte.
Die genaue Auswirkung des Tankrabatts auf die Inflationsrate ist aufgrund schwankender Rohölpreise nicht exakt bezifferbar. Eine rein rechnerische Betrachtung zeigt jedoch, dass der Verbraucherpreisindex im Juni 2022 ohne diese Entlastungsmaßnahmen um 8,6 % gegenüber Juni 2021 gestiegen wäre, wenn die Preise für Kraftstoffe und öffentlichen Personenverkehr gegenüber Mai 2022 unverändert geblieben wären.
Die Inflationsrate wird weiterhin maßgeblich durch den Anstieg der Energiepreise beeinflusst, der eine direkte Folge der Kriegs- und Krisensituation ist. Hinzu kommen Lieferengpässe durch unterbrochene Lieferketten, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, sowie deutliche Preisanstiege auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Diese Faktoren verteuern nicht nur Energieprodukte, sondern auch andere Waren und Dienstleistungen, insbesondere Nahrungsmittel.
Energiepreise und Nahrungsmittel als Haupttreiber der Inflation
Die Preise für Energieprodukte lagen im Juni 2022 um 38,0 % über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach +38,3 % im Mai 2022. Trotz des Inkrafttretens der gesenkten Mineralölsteuer im Juni 2022, die den Preisauftrieb für Kraftstoffe auf +33,2 % (Mai 2022: +41,0 %) abschwächte, stiegen die Preise für Haushaltsenergie erneut an und betrugen +40,7 % (Mai 2022: +36,8 %). Besonders stark verteuerte sich leichtes Heizöl mit +108,5 %. Auch Erdgas (+60,7 %), feste Brennstoffe (+36,5 %) und Strom (+22,0 %) zeigten merkliche Preissteigerungen binnen Jahresfrist. Die Preiserhöhung für Energieprodukte lag somit trotz der Entlastungsmaßnahme deutlich über der Gesamtteuerung, beeinflusst durch internationale Einkaufspreise, CO2-Abgabe und EEG-Umlage.
Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Juni 2022 für private Haushalte um 12,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat, was eine weitere Verstärkung des Preisauftriebs darstellt (Mai: +11,1 %, April 2022: +8,6 %). Preiserhöhungen waren in allen Nahrungsmittelgruppen zu beobachten. Speisefette und Speiseöle verteuerten sich erheblich um +43,1 %. Auch Fleisch und Fleischwaren (+18,9 %), Molkereiprodukte und Eier (+15,3 %) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+12,5 %) wiesen zweistellige Teuerungsraten auf.
Insgesamt erhöhten sich die Preise für Waren, die Energieprodukte und Nahrungsmittel umfassen, im Juni 2022 um +14,0 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei stiegen Verbrauchsgüter um +18,6 % und Gebrauchsgüter um +5,5 %.
Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei +3,2 %
Ohne Berücksichtigung von Energie lag die Inflationsrate im Juni 2022 bei +4,2 %. Die Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel betrug +3,2 %, was die starke Auswirkung der Nahrungsmittelpreise auf die Gesamtteuerung verdeutlicht.
Die Preise für Dienstleistungen lagen im Juni 2022 um 2,1 % über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach +2,9 % im Mai 2022. Der Rückgang der Teuerung ist maßgeblich auf die Einführung des 9-Euro-Tickets zurückzuführen, das zu deutlichen Preisentlastungen im öffentlichen Personenverkehr führte. Bahntickets im Nahverkehr verbilligten sich binnen Jahresfrist um 43,9 %, und der Preisrückgang für kombinierte Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches betrug im Bundesdurchschnitt 62,6 %. Leistungen sozialer Einrichtungen (-2,7 %) und Telekommunikation (-0,9 %) waren ebenfalls günstiger als im Vorjahr. Die Nettokaltmieten verteuerten sich hingegen um 1,7 %. Einige Dienstleistungspreise erhöhten sich deutlich, darunter die Wartung und Reparatur von Wohnungen und Wohnhäusern (+12,4 %) sowie von Fahrzeugen (+6,4 %).
Monatliche Entwicklung: Preisrückgang im Verkehr, Anstieg bei Nahrungsmitteln
Im Vergleich zum Mai 2022 stieg der Verbraucherpreisindex im Juni 2022 nur geringfügig um 0,1 %. Pauschalreisen verteuerten sich um 16,5 %. Nahrungsmittel insgesamt wurden erneut teurer (+1,0 %), wobei es saisonbedingte Preisrückgänge bei Gemüse (-3,8 %) gab. Die Energiepreise stiegen insgesamt um 0,6 %, während die Preise für Kraftstoffe um 3,9 % sanken. Von diesen Preisrückgängen, die im Zusammenhang mit dem Tankrabatt stehen, profitierten private Haushalte mit Benzinfahrzeugen (-5,0 %) stärker als mit Dieselfahrzeugen (-0,9 %). Eine Preisentspannung gegenüber Mai 2022 war vor allem im öffentlichen Personenverkehr zu verzeichnen: Verbundfahrkarten waren deutlich günstiger (-63,3 %), und die Preise für Bahnfahrten im Nahverkehr sanken infolge der temporären Einführung des 9-Euro-Tickets um 45,1 %.
