Einblicke in die Entwicklung der Hochschule und des Landschaftsbaus
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) veranstaltete am 17. Juni 2016 in Freising in Kooperation mit dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) die 13. Landschaftsbautagung. Über 200 Teilnehmer informierten sich über das Schwerpunktthema „Innovative Baustoffe und Bauweisen – Chancen und Risiken im Spiegel des Regelwerks“.
Innovative Baustoffe und Bauweisen gewinnen im Garten- und Landschaftsbau zunehmend an Bedeutung. Neu entwickelte Produkte und deren Eigenschaften werden für die Branche attraktiver. Allerdings entsprechen nicht alle Materialien den aktuellen Normen und Richtlinien. Das Thema der Tagung griff diese Herausforderung auf. Der Studiengang Landschaftsbau und -Management konnte hierfür Referenten gewinnen, die ein breites Spektrum an Vorträgen abdeckten. Die Inhalte reichten von einer grundlegenden Betrachtung von Traditionen und Innovationen im Landschaftsbau über die Bedeutung der Baubotanik bis hin zu neuen Techniken zur Gestaltung von Betonoberflächen und der korrekten Verwendung keramischer Baustoffe.
Die Tagung wurde von Prof. Dr. Cristina Lenz (Lehrstuhlinhaberin für Recht und Betriebswirtschaft, HSWT) und Prof. Dr. Rudolf Haderstorfer (Baubetrieb und Bauprozessmanagement, HSWT) moderiert. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Wolf Dieter Rommel (Vizepräsident der HSWT) und Ulrich Schäfer (Präsident des VGL Bayern).
Prof. Dr. Rommel hob in seiner Rede die aktuelle Entwicklung der HSWT hervor, die mit rund 6.400 Studenten einen Rekordwert seit ihrer Gründung 1971 verzeichnet. Auf die Fakultät Landschaftsarchitektur entfallen derzeit etwa 771 Studierende, aufgeteilt in die Bachelorstudiengänge Landschaftsarchitektur (449) und Landschaftsbau und -Management (260) sowie den Masterstudiengang International Master of Landscape Architecture (62). Für das kommende Semester erwartet die Hochschule rund 1.400 neue Studenten über alle Fakultäten hinweg. Prof. Dr. Rommel betonte zudem die strategische Ausrichtung der HSWT und die Herausarbeitung von Alleinstellungsmerkmalen zur Steigerung der Attraktivität der Studiengänge.
Ulrich Schäfer unterstrich in seinem Grußwort die wachsende Bedeutung des Landschaftsbaus als Zukunftsbranche in Bayern. Er prognostizierte für die kommenden Jahre einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro im bayerischen Landschaftsbau. Diese Entwicklung führte er auch auf die Aktivitäten des Landesverbandes zurück.
In den letzten Jahren hat der VGL Bayern hierzu die Weichen gestellt. Unsere Imagekampagne für den Hausgarten beispielsweise hat den Anteil privater Auftraggeber bis dato auf über 59 Prozent anwachsen lassen. Im Bereich der gewerblichen und öffentlichen Auftraggeber engagieren wir uns intensiv für den Klima- und Umweltschutz. Gemeinsam mit unserem Bundesverband und der Stiftung DIE GRÜNE STADT wurde unter anderem die Charta ‚Zukunft Stadt und Grün‘ entwickelt – mit mittlerweile über 50 Partnern. Außerdem beteiligen wir uns am Umweltpakt Bayern der Bayerischen Staatsregierung.
Zudem leistet der Verband als Gesellschafter der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen einen Beitrag zum Gelingen dieser Veranstaltungen. Schäfer betonte die Notwendigkeit von hochqualifiziertem Personal und kontinuierlicher Weiterbildung im GaLaBau, um die steigende Nachfrage zu bedienen.
Hier ist die Ausbildung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ein wichtiger Baustein unserer Fachkräftesicherung. Vor allem der duale Studiengang wird von unseren Mitgliedern sehr geschätzt.
Abschließend äußerte der Verbandspräsident den Wunsch, dass der Landschaftsbau stärker in die Fakultät Landschaftsarchitektur integriert wird. Eine Fakultät Landschaftsarchitektur und Landschaftsbau würde ein Signal an die Branche senden, dass die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf auch zum Studiengang Landschaftsbau steht.
Rudolf Walter Klingshirn zum Honorarprofessor ernannt
Im Anschluss wurde Rudolf Walter Klingshirn, Verbandsdirektor im VGL Bayern, offiziell zum Honorarprofessor an der HSWT ernannt. Prof. Dr. Rommel würdigte Klingshirns langjährige Dozententätigkeit seit 2003 im Lehrgebiet Bau- und Vergaberecht an der Fakultät Landschaftsarchitektur. Die Hochschule anerkannte damit seine durch Evaluierungsergebnisse belegten Erfolge in der Lehre sowie seine Leistungen beim Brückenschlag zwischen Hochschule und Praxis.
Die Bestellung zum Honorarprofessor dient dazu, praxisnahe Personen für die Lehre zu gewinnen und dauerhaft an die Hochschule zu binden.
Es ist die höchste akademische Würde, die eine Hochschule vergeben kann. Seit Bestehen der HSWT wurde diese Auszeichnung nur zwei Mal vergeben. Das zeigt den Stellenwert, den eine Honorarprofessur an unserer Hochschule einnimmt.
Auszeichnung herausragender Bachelorarbeiten
Ulrich Schäfer prämierte fünf Absolventen für ihre Bachelorarbeiten. Ausgezeichnet wurden Laura Müller für ihre Arbeit über Landschaftsarchitekturbüros im Garten- und Landschaftsbau, Sabine Hochholzer für ihre Untersuchung zur Frauenquote im süddeutschen GaLaBau, Alexander Krieger für seine Ausgleichsberechnung nach § 2 Abs. 3 VOB/B sowie Sebastian Palmer und Maximilian Krikler für ihre Arbeit zur Akzeptanz alternativer Antriebe im Garten- und Landschaftsbau.
Impulsvorträge zu innovativen Baustoffen und Bauweisen
Nach einer Kaffeepause vertieften zahlreiche Vorträge das Schwerpunktthema der Tagung. Prof. Ingrid Schegk (Leitung des International Master of Landscape Architecture, HSWT) sprach über den Landschaftsbau zwischen Tradition und Innovation. Dr. Ferdinand Ludwig (freier Architekt) und Hannes Schwertfeger (Partner im Bureau Baubotanik) referierten über die Bedeutung und Anwendungen der Baubotanik. Während der Mittagspause besichtigten die Teilnehmer die Experimentalfläche des baubotanischen Versuchspavillons mit Prof. Dr. Swantje Duthweiler (Studiendekanin und Laborleitung Experimentierflächen Landschaftsarchitektur, HSWT).
Bernd Schulze zur Verth (Landschaftsarchitekt, Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH) stellte neue Techniken zur Gestaltung von Betonoberflächen vor. Erich Lanicca (Fachberatungsbüro für Pflaster und Natursteinbeläge) präsentierte den Umgang mit kunststoffmodifizierten zementösen Fugenmörteln. Rudolf Walter Klingshirn beleuchtete die rechtliche Beurteilung von Bauweisen außerhalb des Regelwerks. Abschließend verwies Piet Werland (Ingenieurbüro Werland) auf die korrekte Verlegung keramischer Baustoffe (Feinsteinzeug) im GaLaBau.
Im Foyer der Hochschule bot ein „Markt der Möglichkeiten“ Studierenden und Unternehmen Gelegenheit zum Austausch. Die Landschaftsbautagung wurde neben dem VGL Bayern vom Förderverein Landschaftsbau Hochschulen e.V., dem Förderkreis der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf e.V., dem Verband Weihenstephaner Ingenieure e.V. sowie der Akademie Landschaftsbau Weihenstephan GmbH unterstützt.


