Nützlinge für mehr Artenreichtum und Produktivität
Ein neues Projekt in Niedersachsen, Sachsen und Thüringen zielt darauf ab, Nützlinge in der Landwirtschaft zu fördern, um den Artenreichtum und die Produktivität zu steigern. Unter dem Titel „Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft“ ist das Vorhaben im Bundesprogramm Biologische Vielfalt angelaufen. Es verfolgt das Ziel, eine naturverträgliche Landbewirtschaftung durch den Einsatz von Insekten zu etablieren und die Abhängigkeit von Pestiziden zu reduzieren.
Das Projekt konzentriert sich darauf, Nützlingen wie Schlupfwespen und Blumenwanzen mehr Nahrung, Lebensraum und Überwinterungsmöglichkeiten in Agrarlandschaften zu bieten. Dies soll durch die Schaffung spezieller Blühstreifen erreicht werden, die gezielt nützliche Insekten anlocken. Die natürliche Schädlingskontrolle soll langfristig den Einsatz von Pestiziden verringern. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstützt das Projekt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte die Bedeutung von Insekten:
Insekten sind für uns Menschen unverzichtbar: Sie bestäuben unsere Obstpflanzen, sie sind zugleich Müllabfuhr, Kläranlage und Gesundheitsdienst unserer Ökosysteme – nicht zuletzt bei der biologischen Schädlingskontrolle. Sowohl die Gesamtmenge als auch die Artenvielfalt bei den Insekten sind jedoch dramatisch zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Lebensräume gehen verloren, es gibt weniger Vielfalt in der Landschaft und mehr Monokulturen, Pestizide spielen eine wichtige Rolle, ebenso der Eintrag von Schadstoffen in Böden und Gewässer bis hin zur Lichtverschmutzung. Um das Insektensterben aufzuhalten, hat die Bundesregierung 2019 in einem gemeinsamen Beschluss das Aktionsprogramm Insektenschutz auf den Weg gebracht. Das Ziel lautet: den Trend umkehren und die Lebensbedingungen für Insekten insgesamt deutlich verbessern.
Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des BfN, wies auf die Herausforderungen für wildlebende Insektenarten hin:
Viele wildlebende Insektenarten stehen in der Landwirtschaft jedoch stark unter Druck – etwa durch den Einsatz von Insektiziden und durch die Artenarmut monotoner Agrarflächen. Damit lässt auch die natürliche Regulierung von Insekten durch Insekten nach und das führt wiederum zu einer zunehmenden Abhängigkeit von Insektiziden. Wie dieser Kreislauf mithilfe von nützlingsfördernden Blühstreifen durchbrochen werden kann, veranschaulicht das Projekt gemeinsam mit den beteiligten Landwirtschaftsbetrieben.
Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen
Im Rahmen des Verbundprojekts „Gezielte Insektenförderung für die Landwirtschaft – mit Nützlingen Biodiversität und Produktivität verbinden“ entwickeln die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland e.V. und das Institut für Pflanzenschutz im Ackerbau und Grünland des Julius Kühn-Instituts (JKI) spezielle Pflanzenmischungen. Diese Mischungen sind darauf ausgelegt, Nützlinge gezielt zu fördern. Die Projektpartner sammeln hierfür Erkenntnisse und Erfahrungen aus Wissenschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Politik.
Die entwickelten Mischungen werden auf mindestens 20 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen, Sachsen und Thüringen in mehrjährigen Blühstreifen eingesetzt. Begleitende wissenschaftliche Untersuchungen analysieren die ökologischen Leistungen dieser Blühstreifen. Dabei werden kurz- und langfristige Effekte auf das Schädlings- und Nützlingsaufkommen sowie die Biodiversität in Fruchtfolgen wie Winterweizen, Kartoffel und Zuckerrübe evaluiert. Zudem werden die Auswirkungen der Maßnahmen auf Erträge und die betriebswirtschaftliche Situation untersucht. Ziel ist es, Blühstreifen als erweiterte Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) für nützliche Insekten zu etablieren.
Das Verbundvorhaben erhält zusätzliche finanzielle Unterstützung vom Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, der Nordzucker AG und Biobest.
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Es fördert Vorhaben, die eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung im Rahmen der NBS haben oder diese Strategie beispielhaft umsetzen.
Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und langfristig umzukehren. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über gesetzliche Standards hinaus. Begleitende Informations- und Kommunikationsmaßnahmen sollen das gesellschaftliche Bewusstsein für biologische Vielfalt stärken.