InsHabNet: Schutz von Waldinsekten in fragmentierten Lebensräumen
Die Landesforstanstalt Mecklenburg-Vorpommern hat erste Auswertungen des Modellprojekts InsHabNet vorgelegt. Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderte Projekt, das im Herbst 2018 startete, widmet sich dem Schutz von Waldinsekten, deren Populationen durch fragmentierte Lebensräume gefährdet sind.
Ziel der Untersuchungen war es, Rückschlüsse auf das Artensterben durch die Zurückdrängung und Verinselung von Wäldern zu ziehen. Fachkundige erfassten an 50 Standorten Käfer, Schmetterlinge und Stechimmen. Die Standorte verteilten sich je zur Hälfte auf einen zusammenhängenden Laubmischwald und eine angrenzende Offenlandschaft mit Waldfragmenten, Gehölzen und Einzelbäumen. Dokumentiert wurden die Artenvielfalt, die Häufigkeit einzelner Arten sowie das Vorkommen von Spezialisten, seltenen und gefährdeten Arten. Diese Daten dienen dem späteren Vergleich der Populationen in beiden Landschaftsstrukturen.
Die entomologischen Untersuchungen brachten überraschende Neufunde für die Fauna Mecklenburg-Vorpommerns. Es wurden fünf neue Käfer- und sechs neue Stechimmen-Arten entdeckt. Eine kleine Käferart aus der Familie der Kurzflügler wurde erstmals für den mitteleuropäischen Raum dokumentiert. Zudem konnten Arten wiedergefunden werden, die in Mecklenburg-Vorpommern seit 20, teilweise sogar seit 80 Jahren als verschollen galten.
Urwaldrelikt-Arten als Indikatoren für intakte Waldstrukturen
Ein Großteil der gefundenen Arten steht in Mecklenburg-Vorpommern oder bundesweit auf der Roten Liste. Dazu zählen Wildbienen, Wespen sowie Alt- und Totholzkäfer. Besonders hervorzuheben ist der Nachweis von sechs Urwaldrelikt-Arten aus der Gruppe der Alt- und Totholzkäfer. Dr. Ingo Brunk vom Fachgebiet Forstliches Versuchswesen der Landesforstanstalt MV erläutert, dass diese Arten nicht als Relikte eines Urwaldes zu verstehen sind, sondern als Zeiger für ein ununterbrochenes Vorhandensein von Wald mit alten Bäumen, hohem Totholzanteil und wertvollen Waldstrukturen.
Auf zwei Untersuchungsflächen wurde zudem der Panzers Wespenbock nachgewiesen, eine seltene Urwaldrelikt-Art, die in Mecklenburg-Vorpommern 100 Jahre lang als verschollen galt und erst 2006 auf Usedom wiederentdeckt wurde. Auch seltene Tagfalter und Nachtschmetterlinge wurden gefunden, darunter das in der Roten Liste als ausgestorben geführte Grasmotteneulchen. In den Wäldern Güstrows beobachteten die Entomologen mehrfach seltene Tagfalter wie den Kleinen Eisvogel sowie den Großen und den Kleinen Schillerfalter.
Insgesamt wurden über 940 Käferarten, 335 Spinner-, Spanner- und Eulenfalter sowie 233 Stechimmen-Arten erfasst. Letztere umfassen 107 verschiedene Wildbienen- und 126 Wespen-Arten. Stechimmen gelten als hochspezialisierte Arten hinsichtlich Pollenquelle und Nistmaterial, wobei sie unter anderem in Totholz oder offenen Bodenstellen nisten.
Das auf drei Jahre angelegte Projekt InsHabNet zielt darauf ab, Schutzstrategien für Waldinsekten in fragmentierten Lebensräumen zu erarbeiten und zu optimieren. Es soll ein landschaftsübergreifender forstlicher Biotopverbund entstehen, der Insektenpopulationen in Wäldern, Waldinseln und offener Landschaft durch Hecken, Baum- und Blühstreifen miteinander verbindet. Die im Rahmen des Modellvorhabens gewonnenen Erkenntnisse werden nach Projektende bundesweit Behörden, Waldbesitzenden und Bildungseinrichtungen zugänglich gemacht.
