Praxiseinblicke als Grundlage für die Berufswahl
Mathilde Bätz, Bildungsberaterin für Gartenbau am AELF Fürth, hob die Bedeutung praktischer Einblicke hervor:
Viele Asylsuchende wissen gar nicht, welche Möglichkeiten der Berufsausbildung bei uns im Gartenbau existieren. In der Praxis ist alles doch ein wenig anders, als in der Theorie. Umso wichtiger ist es daher für die Schülerinnen und Schüler, neben den Berufsinformationen an der Berufsschule, auch durch Betriebs- und Baustellenbesuche Materialien, Maschinen und Arbeitsabläufe im Gartenbau kennenzulernen.
Ziel ist es, durch die Vorstellung der gärtnerischen Berufe das Interesse an einer Ausbildung in der Grünen Branche zu wecken.
Landschaftsgärtnerische Arbeiten auf der Baustelle
Andreas Nutz, Vorarbeiter und Ausbilder der Garten- und Landschaftsbaufirma Kolb, führte die Gruppe über eine Baustelle in der Fürther Südstadt. Er erläuterte landschaftsgärtnerische Arbeiten auf einem Tiefgaragendach. Dabei stellte er spezielle Materialien wie geschäumtes Glas und Substrate mit Backstein-Shredder vor, die für die Anlage einer Grünfläche auf dem Dach verwendet werden.
Nutz betonte, dass zahlreiche Maschinen und Geräte zum Einsatz kommen und drei Ausbildungsjahre kaum ausreichen, um die breit gefächerten Fachkenntnisse zu erwerben. Er verwies auf einen afghanischen Mitarbeiter, der seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner bei der Firma Kolb abgeschlossen hat.
Wir sind sehr zufrieden mit Hamayon und wollen ihn gerne behalten.
Nutz lud die Schülerinnen und Schüler zu einem Schülerpraktikum ein, um den Beruf des Landschaftsgärtners näher kennenzulernen.
Zukunftsperspektiven in der Friedhofsgärtnerei
Dieter Radloff erklärte während der Besichtigung seiner Friedhofsgärtnerei die Anforderungen an gut ausgebildete Mitarbeiter. Er zeigte, welche Pflanzen für die 1500 von ihm gepflegten Grabstellen produziert werden und wie abwechslungsreich der Arbeitsalltag ist. Neben der Pflanzenarbeit seien technisches Verständnis im Umgang mit Geräten und die Fähigkeit zur Problemlösung gefragt.
Eine fundierte Ausbildung ist wichtig und die Grüne Branche bietet gerade für praktisch-technisch begabte Asylsuchende einen optimalen Start ins Berufsleben.
Besonderes Interesse weckte der Fuhrpark mit Traktoren und Pflanzwägen sowie die floristischen Arbeiten an weihnachtlichen Trockengestecken.
Integration durch Ausbildung im Gemüsebau
Im Gemüsebaubetrieb von Peter und Stefan Link traf die Gruppe auf einen jungen Afghanen, der dort seit Herbst eine Ausbildung absolviert. Hassan berichtete von seiner Zufriedenheit mit der Ausbildung. Stefan Link führte die Schülerinnen und Schüler durch die Betriebshallen und erläuterte den Anspruch eines modernen Gemüsebaubetriebs:
Frisches Gemüse, morgens geerntet und abends auf dem Tisch: Das ist der Anspruch, den ein moderner Gemüsebaubetrieb heute erfüllen muss.
Neben gärtnerischem Wissen über Anbau und Ernte sei eine gut organisierte Vermarktung, vom Großmarkt bis zum Hofladen, eine Stärke des Betriebs. Link wünschte sich einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung seines afghanischen Auszubildenden und betonte:
Integration passiert nicht von alleine: Neben dem Willen zur Integration beim Asylsuchenden selbst kommt es vor allem auch auf das ´echte´ Integrationsangebot des Umfeldes an. Neben dem privaten Umfeld am Wohnort oder im Freundeskreis bietet gerade eine Ausbildung die ideale Integrationsmöglichkeit.
Kreativität im Zierpflanzenbau
Mario Witte, Gartenbauingenieur bei Gartenwelt Dauchenbeck, führte die Gruppe durch die Gewächshäuser. Er erklärte die Kultivierung von Weihnachtssternen.
Ohne fundiertes Wissen rund um die Pflanze und die eingesetzte Technik ist eine qualitativ hochwertige Pflanzenanzucht nicht möglich. Deshalb sind wir immer auf der Suche nach interessierten jungen Menschen, die eine Ausbildung zum Gärtner/in der Fachsparte Zierpflanzenbau absolvieren wollen.
Witte lud die jungen Geflüchteten zu einem Praktikum im Zierpflanzenbau ein. Er hob hervor, dass neben gärtnerischen Arbeiten auch Kreativität im Verkauf und bei der Warenpräsentation gefragt sei.
Ausbildungsmöglichkeiten in den Grünen Berufen
Der Beruf des Gärtners bietet sieben Fachrichtungen:
- Baumschulwesen
- Friedhofsgärtnerei
- Garten- und Landschaftsbau
- Gemüsebau
- Obstbau
- Staudengärtnerei
- Zierpflanzenbau
Die Ausbildung dauert jeweils drei Jahre und erfolgt im dualen System. Die Informationskampagne des Bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, zielt darauf ab, Asylsuchende mit Bleibeperspektive für die Grünen Berufe wie Landwirt oder Gärtner zu gewinnen. Dabei wird direkt in Integrationsklassen geworben und durch Praktika Einblicke in die Berufspraxis ermöglicht. Zur sprachlichen Unterstützung werden Informationsbroschüren zu Agrarberufen in wichtige Herkunftssprachen übersetzt.


