Fachtagung zu invasiven Arten: Prävention und Früherkennung im Fokus
Die 2. Fachtagung zur Umsetzung der EU-Verordnung zu invasiven Arten, die im Bundesamt für Naturschutz in Bonn stattfand, konzentrierte sich auf die Prävention und Früherkennung invasiver Arten. Der vorsorgende Umgang mit diesen Arten wird als effektiver, ökologisch verträglicher und kostengünstiger als nachträgliche Maßnahmen bewertet.
Der Austausch zwischen Behörden, Interessengruppen, Wissenschaft und Öffentlichkeit ist für den Umgang mit invasiven Arten von Bedeutung. Informationen zur Früherkennung, zum Management und zu den Regelungen der EU-Verordnung bilden eine Grundlage für Diskussionen.
Rund 130 Teilnehmer aus Behörden, Verbänden, Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit nahmen an der Tagung teil. Themenschwerpunkte waren unter anderem erste Erfolge bei der Umsetzung der EU-Verordnung. Seit 2016 wurden europaweit 40 Früherkennungsfälle gemeldet, davon 10 aus Deutschland. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) war mit 12 Meldungen die am häufigsten registrierte Art. Zudem wurden bestehende Systeme und neue Technologien zur Unterstützung von Früherkennung und Management vorgestellt.
Neue Technologien und sektorübergreifende Ansätze
Zu den neueren Ansätzen zählen moderne DNA-Sequenzierungsverfahren und hochauflösende Fernerkundungsdaten. Hierbei werden multi- oder hyperspektrale Daten von Satelliten, Flugzeugen oder Drohnen in Kombination mit Felddaten zur Kartierung invasiver Pflanzenvorkommen genutzt. Im Themenbereich „Management invasiver Arten“ wurde ein Forschungsprojekt zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Nationalparks präsentiert. Es wurden Vorkommen invasiver Arten in Nationalparks erfasst und diskutiert, in welchen Fällen ein Management weit verbreiteter invasiver Arten in Kernzonen von Nationalparks erfolgen sollte.
Die Ausbreitung invasiver Arten ist sehr eng mit den globalen Handelsströmen und Transportwegen verknüpft. Deshalb ist ein grenz- und sektorenübergreifendes Vorgehen erforderlich.
Dies betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Relevante Sektoren umfassen neben dem Naturschutz auch Verkehr, Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie Handel. Die Einbindung der Öffentlichkeit ist zudem bei der Verwendung gebietsfremder und potenziell invasiver Arten im Hobbybereich wichtig.
Zukünftig ist aufgrund der generellen Entwicklungen – Anstieg des Tourismus und des globalen Handels – mit einem Anstieg der Zahl der eingebrachten neuen Arten zu rechnen.
So Prof. Jessel weiter. Während viele invasive Arten in der Vergangenheit bewusst eingeführt wurden, etwa als Zierpflanzen oder zur Holzproduktion, gelangten andere Arten unabsichtlich, beispielsweise als blinde Passagiere in Verkehrsmitteln, über Landesgrenzen. Das BfN-Skript 490 untersucht erstmals systematisch die Hauptpfade, auf denen solche Arten nach Deutschland gelangen.
Hintergrund der EU-Verordnung
Die „Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ trat am 1. Januar 2015 in Kraft und gilt unmittelbar in den Mitgliedsstaaten. Die erste Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung (Unionsliste) mit 37 Tier- und Pflanzenarten wurde am 3. August 2016 wirksam.
Für die Aufnahme in die Unionsliste muss eine gebietsfremde Art bestimmte EU-Kriterien erfüllen. Dazu gehört der Nachweis, dass die Art nach wissenschaftlichen Erkenntnissen erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Biodiversität oder damit verbundene Ökosystemleistungen, wie die Trinkwasserqualität, hat. Auch negative Auswirkungen auf Gesundheit oder Wirtschaft werden berücksichtigt. Eine erste Ergänzung der EU-Unionsliste um zwölf Arten erfolgte am 2. August 2017.
Von den derzeit 49 Arten der Unionsliste sind 23 Gefäßpflanzen und sieben wirbellose Tierarten. Unter den 19 Wirbeltierarten befinden sich Nilgans, Bisam und Marderhund, wobei die Listung des Marderhundes erst ab dem 2. Februar 2019 gilt. Mindestens 32 der gelisteten 49 Arten kommen in Deutschland wild lebend vor.
