Erkundung der britischen Gartenlandschaft
Über 60 Teilnehmer aus 13 Mitgliedsländern der Internationalen Stauden-Union (ISU) reisten vom 6. bis 11. August durch den Süden und Norden Londons. Im Rahmen der ISU-Summer Days 2016 besuchten sie bedeutende Gartenanlagen wie Great Dixter, Bressingham und Beth Chatto.
Weitere Stationen der Reise waren das Gartencenter Coolings in Sevenoaks sowie Betriebe wie Howard Nurseries in Norfolk und Palmstead Nurseries in Ashford. Auch das Naturreservat in Rye stand auf dem Programm. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert von der üppigen und inspirierenden Pflanzenauswahl, oft vor historischen Kulissen, den besonderen Sortimenten und den zahlreichen Fachgesprächen.
Brexit-Debatte und Marktentwicklungen
Die britischen Produzenten und Gartencentervertreter äußerten unterschiedliche Ansichten zur Zukunft des britischen Gartenbaus. Robert Chapman, Mitglied der Geschäftsleitung von Palmstead Nurseries, einem der größten englischen Stauden- und Gehölzproduzenten, erwartet durch den Brexit einen besseren Schutz vor Pflanzenimporten und eine Stärkung der heimischen Produktion.
Mitreisende englische Produzenten sahen im Brexit eher die Gefahr einer wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Abschottung sowie eine Verteuerung wichtiger Betriebsmittel. Chapman berichtete, dass die gute Konjunktur und die steigende Bautätigkeit aktuell für einen wachsenden Absatz von Stauden und Gehölzen sorgen. Auch Christine Howard, Inhaberin der gleichnamigen Staudengärtnerei, bestätigte eine gute Nachfrage. Beide Betriebe bieten ein Sortiment speziell für den Landschaftsgartenbau an und legen Wert auf die Gartentauglichkeit der Sorten.
Paul Coolings, Inhaber des Coolings Garden Centre, beurteilt die künftige Nachfrage kritischer. Sein Gartencenter erzielt mittlerweile 20 Prozent des Umsatzes mit seinem Café. Er scherzte, dass sie glücklich seien, wenn sie es schaffen, Kunden nach dem Cafébesuch noch vereinzelt Pflanzen zu verkaufen. Sein Gartencenter ist umfassend ausgestattet, bietet ein breites Sortiment und viele Pflanzbeispiele. Zudem organisiert er Veranstaltungen wie Kino- und Theateraufführungen.
Früher kamen die Kunden mit Pflanzlisten, heute haben sie keine Ahnung mehr vom Gärtnern.
Coolings hat daher keinen Zehn-Jahres-Plan mehr für sein Unternehmen, sondern versucht, flexibel auf die Verhaltensänderungen der Verbraucher zu reagieren. Um Besucher und Kunden anzuziehen, bieten auch Inhaber kleinerer Gärtnereien wie Merchants Hardy Plants in Laughton und Sussex Prairie Gardens in West Sussex mindestens einen ausgefallenen Schaugarten an, oft ergänzt durch ein Café. In den Gärten der Royal Horticultural Society, wie Hyde Hall in Chelmsford oder den Gärten von West Dean, North Chester, sind solche Angebote selbstverständlich.
Zusammenarbeit und Verbandsentwicklung
Der ISU-Vorstand vereinbarte in einem Gespräch mit dem Züchter und Gartengestalter Adrian Bloom von Bressingham Gardens eine engere Zusammenarbeit zwischen der Internationalen Stauden-Union und Vertretern des englischen Gartenbaus.
Im Rahmen der Summer Days fand eine Delegiertenversammlung statt, bei der Änderungen an den Satzungen beschlossen wurden. Zukünftig wird nicht mehr die Delegiertenversammlung, sondern eine allen Mitgliedern zugängliche Mitgliederversammlung das oberste Organ der ISU sein. Festliche Abende in Great Dixter und The Bressingham Gardens rundeten das Programm ab, das von den Teilnehmern als gelungen bezeichnet wurde.


