Jugendliche für kommunalen Klimaschutz gewinnen

Naturschutz

Ein länderübergreifendes Modellprojekt fördert die aktive Einbindung Jugendlicher in kommunale Klimakonzepte. Schulen, Bildungs- und Verwaltungsexperten aus drei Bundesländern vernetzen sich, um junge Menschen für Beteiligungsprozesse zu qualifizieren und Politikverdrossenheit entgegenzuwirken.

Modellprojekt zur Jugendbeteiligung im Klimaschutz

Ein länderübergreifendes Modellprojekt zielt darauf ab, Jugendliche aktiv in die Entwicklung und Fortschreibung kommunaler Klimakonzepte einzubinden. Das Projekt, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), vernetzt Schulen, Bildungs- und Verwaltungsexperten aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern.

Das Energie- und Umweltzentrum am Deister in Springe plant, bis zu 700 Schüler, Lehrer, Umweltbildungs- und Verwaltungsfachleute zu mobilisieren. Ziel ist es, sie für Beteiligungsprozesse zwischen Schulen und Kommunalverwaltungen zu qualifizieren. Dies umfasst Themen wie Mobilität, Raumplanung, Hochwasser- und Naturschutz, über den Bereich Energie hinaus.

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (Frankfurt/M.) ist als Fach- und Dachverband der Deutschen Umweltbildungszentren beteiligt. Die DBU unterstützt das Vorhaben fachlich und mit rund 203.000 Euro.

Dirk Schröder-Brandi, zweiter Vorsitzender des Energie- und Umweltzentrums, betonte die Bedeutung der Einbindung von Zielgruppen für die Akzeptanz von Konzepten und Maßnahmen auf lokaler Ebene.

Gerade außerschulische Umweltbildungszentren und Schulen weisen mit ihren Kooperationsstrukturen auf lokaler Ebene ein besonderes Potenzial für das Einbinden Jugendlicher auf.

Das Projekt konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Schulen, außerschulischen Fachleuten, Bildungszentren und Kommunen. Schulische Klimaschutzinitiativen und Unterrichtsaktivitäten in den Sekundarstufen I und II sollen mit außerschulischen Bildungsaktionen und Prozessen zur Formulierung kommunaler Klimaschutzkonzepte verknüpft werden. Die Kommune wird dabei als Klimaschutz-Lernort verstanden und genutzt.

Dr. Matthias Miersch, MdB, hob hervor, dass Jugendliche an der Erstellung kommunaler Klimaschutzkonzepte beteiligt werden und ein vertieftes Verständnis für kommunales Klimaschutz-Management, Handlungsoptionen und Beteiligungsformen entwickeln sollen. Dies soll unter anderem durch die Mitwirkung bei der Datenerhebung, -analyse und -aufbereitung im Kontext klimarelevanter Planungsprozesse erfolgen.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel ergänzte:

Jugendliche lernen hier, ihre Welt zu gestalten und selbst Einfluss zu nehmen. Das ist das beste Mittel gegen Politikverdrossenheit.

In einem ersten Schritt wird in jeweils 20 Kommunen in den drei Bundesländern analysiert, wie kommunale Klimaschutz- und Bildungsangebote inner- und außerhalb der Schule miteinander verknüpft sind. Aus den Ergebnissen sollen Erfolgsfaktoren abgeleitet werden, die in weiteren Kommunen getestet werden.

Themenfelder umfassen:

  • Mobilitätskonzepte und Einsparpotenziale für und an Schulen
  • Aktivitäten von Schülern an kommunalen Klimaschutzagenturen
  • Kommunale Öffentlichkeitsarbeit zum Klimaschutz
  • Ausschussarbeit (Umwelt-Datenerhebung/-analyse)

Auch neue Formen der Jugendbeteiligung, wie beispielsweise ein Klimaschutz-Jugendparlament, sollen erprobt werden. Bildungs- und Verwaltungsexperten werden in Klimaschutzwerkstätten in den drei Bundesländern Beteiligungsmöglichkeiten Jugendlicher konkretisieren. Diese könnten sich unter anderem mit der Analyse von Gebäudeflächen und Liegenschaften für Photovoltaik (Solarkataster), klimasensitiven Arten, natürlichen Flächen zum potenziellen Hochwasserschutz, Biomasseanbau für energetische Nutzung oder der Mobilitätssituation von Schülern (z. B. Fahrradwegeplanung) befassen.

Ein Leitfaden mit Praxisempfehlungen soll über kommunale Spitzenverbände, das Service- und Kompetenzzentrum kommunaler Klimaschutz beim Deutschen Institut für Urbanistik, das Klima-Bündnis und Umweltverbände verbreitet werden.

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