Blutbuche auf dem Babelsberg ersetzt: Pücklers Erbe lebt weiter

Park- und Aussenanlagen

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat die Blutbuche auf dem Babelsberg ersetzt. Der neue Baum stammt aus einer Vermehrung der großen Blutbuche vor dem Bad Muskauer Schloss und setzt Pücklers Erbe fort.

Ein Erbe in den Genen: Die Herkunft des Jungbaums

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hat am 18. April 2018 die Blutbuche auf dem Bowlinggreen vor dem Potsdamer Schloss Babelsberg ersetzt. Der ursprüngliche Baum, der im vergangenen Jahr wegen akuter Bruchgefährdung weiträumig abgesperrt und im Februar 2018 gefällt werden musste, wurde durch einen jungen Baum aus einer Vermehrung der großen Blutbuche vor dem Bad Muskauer Schloss ersetzt. Diese Maßnahme setzt die von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) geprägte Geschichte des Parks Babelsberg fort.

Der Jungbaum trägt die gartenhistorische Prägung Pücklers in seinen Genen. Der Mutterbaum in Bad Muskau wurde 1826 von Pückler als Großbaum aus dem Park des Herrenhauses in Groß Schacksdorf verpflanzt. Er stand als Solitär an der Rampe des Bad Muskauer Schlosses, bis er vor etwa zehn Jahren seine Altersgrenze erreichte. Die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau beauftragte rechtzeitig vor dem Absterben des Altbaumes Vermehrungen des originalen Baumes. Die daraus gewonnenen jungen Blutbuchen wurden bereits in verschiedenen Pücklerschen Parkanlagen gepflanzt, und nun wird einer dieser Jungbäume auch auf dem Babelsberg gedeihen.

Reise einer jungen Blutbuche

Die Nachzucht hat bereits eine Reise im Sinne der Pücklerschen Gartenkunst hinter sich. Ähnlich dem Gartenfürsten selbst, hat auch die junge Blutbuche weite Wege zurückgelegt. Im Jahr 2016 wurde sie für vier Monate auf dem Dach der Bonner Bundeskunsthalle präsentiert. Dort erblühte im Rahmen der Pückler-Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler in Muskau, Babelsberg und Branitz“ ein Pücklerscher Beispielgarten. Seitdem befand sich der Baum in der Babelsberger Parkgärtnerei.

Schließung einer Lücke im Parkgefüge

Die Neupflanzung schließt eine Lücke im künstlerischen Raumgefüge des Babelsberger Landschaftsgartens, die der alte Originalbaum nach seinem Absterben hinterließ. Die Blutbuche besetzt als Solitärbaum mit ihrer besonderen Laubfarbe einen exponierten Standort auf dem Bowlinggreen, einem zur Havel abfallenden Rasenhang unmittelbar vor dem Schloss Babelsberg. Für die Aussichten aus dem Schloss und von den Schlossterrassen in die Havellandschaft bildet sie den Mittelgrund des künstlerisch komponierten Parkgefüges und verleiht dem Bild räumliche Tiefe.

Die dendrochronologische Auswertung der Jahresringe ergab, dass die abgängige Babelsberger Blutbuche ein Alter von 166 Jahren hatte. Dies deutet auf eine Pflanzung im Jahr 1851 hin, eine Phase, in der Pückler die Parkgestaltung in Babelsberg maßgeblich beeinflusste. Pückler schätzte die ganzjährig dunkel belaubten Blutbuchen und pflanzte sie bevorzugt an besonderen Stellen in seinen Parks. Eduard Petzold (1815-1891), Muskauer Garteninspektor und späterer Gartendirektor, lobte den Baum ebenfalls:

Ein prächtiger Baum, der jetzt sehr bekannt und durch die Gärten von ganz Deutschland, England, Frankreich etc. verbreitet ist […] Die Belaubung dieser Buche ist von prächtig dunkel-purpurrother, fast schwarzrrother Färbung und bildet daher neben fast allen anderen, namentlich helllaubigen Gehölzen, einen auffälligen Contrast.

Kooperation im Pücklerschen Gartenerbe

Von 1961 bis 1989/90 stand die Babelsberger Blutbuche im innerdeutschen Grenzgebiet, zwischen den Grenzzäunen am Havelufer und vor dem Schloss Babelsberg. Eine fest installierte Hunde-Laufanlage führte unmittelbar am Baum vorbei. Nach dem Rückbau der Grenzanlagen und der Rekonstruktion zerstörter Hangpartien rückte der Park Babelsberg ins Zentrum des UNESCO-Welterbes Potsdam-Berliner Kulturlandschaft. Die Blutbuche konnte noch fast 30 Jahre lang bewundert werden.

In den letzten Jahren zeigte der Altbaum jedoch erhebliche Schadsymptome, trieb zuletzt nur noch einseitig aus und musste wiederholt massiv eingekürzt werden. Der Baum hatte schließlich seine Altersgrenze erreicht. Die Neupflanzung einer originalen Nachzucht des Pücklerschen Schwesterbaumes ist ein Zeichen für die Kontinuität und den Fortbestand des Babelsberger Gartendenkmals. Gleichzeitig bestätigt die Pflanzung die enge Kooperation und den Austausch zwischen den Institutionen, die das Pücklersche Gartenerbe bewahren.

Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz unterstützte 2017 die Ausstellung „Pückler. Babelsberg“ mit Leihgaben, darunter der Nachbau eines Pücklerschen Großbaumverpflanzwagens, der den Vorplatz des Schlosses Babelsberg zierte. Weitere Exponate, wie der originale Aufruf Pücklers „An die Muskauer Bürger“, steuerte die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau bei. Eine Fachtagung brachte Pückler-Experten in Branitz und Potsdam zusammen, und eine gemeinsam erarbeitete Wanderausstellung über die Pückler-Parks reiste bis nach London. Mit der neuen Blutbuche schlägt nun ein praktisches Ergebnis dieser Zusammenarbeit in aussichtsreicher Lage Wurzeln.

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