Branchenverbände, Naturschutz

Kleingärten als wichtige Naturräume für die biologische Vielfalt

Rund 80 Fachleute diskutierten in Berlin über die Förderung der biologischen Vielfalt in deutschen Kleingärten. Das Projekt „Kleingärten für Biologische Vielfalt“ startet, um Multiplikatoren zu erreichen und konkrete Anregungen für die Gartenpraxis zu liefern.

Impulse für mehr Artenvielfalt in deutschen Kleingärten

In Berlin kamen kürzlich rund 80 Fachleute aus dem Kleingartenwesen und dem Naturschutz zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, Impulse für die Förderung der biologischen Vielfalt in den rund 900.000 deutschen Kleingärten zu geben. Die Zusammenkunft wurde vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. (BKD), dem Deutschen Schreberjugend Bundesverband e. V. (DSJ) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) organisiert.

Die Veranstaltung markierte den Auftakt des Projekts „Kleingärten für Biologische Vielfalt“, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert wird. Der BKD und der DSJ werden dieses bundesweite Bildungs- und Vernetzungsprojekt über die nächsten drei Jahre umsetzen. Der BUND präsentierte zudem Ergebnisse seines Projekts „Pestizidfreier Biotopverbund“.

Beim Thema Artensterben ist es nicht fünf vor zwölf und auch nicht fünf nach zwölf, sondern eher schon halb eins.

Dies betonte Bundesfachberater Thomas Kleinworth in seinem Grußwort. Er hob hervor, dass Kleingärten mit einer Gesamtfläche von etwa 44.000 Hektar bundesweit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten können.

Matthias Herbert vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) unterstrich die Bedeutung der Kommunikations- und Vermittlungsfunktion des Projekts. Aus Sicht des BfN können dadurch zahlreiche Multiplikatoren im Kleingartenwesen erreicht und in den Austausch über biologische Vielfalt gebracht werden. Projektkoordinatorin Eva Foos erläuterte den Hintergrund des Vorhabens:

Wir können Räume schaffen, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann, und die auch dank der kleingärtnerischen Nutzung ein diverses Nahrungsangebot für verschiedenste Bestäuberinsekten bieten. Als Trittsteinbiotope sind Kleingartenanlagen zudem wichtige Bausteine von Biotopverbünden.

Corinna Hölzel, Pestizidexpertin des BUND, hob die Notwendigkeit des Verzichts auf chemisch-synthetische Mittel hervor. Sie erklärte, dass Pestizide eine Gefahr für Mensch und Artenvielfalt darstellen. Stattdessen empfahl sie das Jäten statt Spritzen und die Vertreibung von Schadinsekten durch Nützlinge und Pflanzendüfte. Der Anbau resistenter Sorten am passenden Standort, gestärkt durch Pflanzenjauchen, trage bereits wesentlich zum Erfolg bei.

Einen positiven Ausblick gaben weitere Referenten. Dazu gehörten Vertreter des Kleingartenvereins NW 18 in München, des Umweltamtes Dresden, der Stiftung Mensch und Umwelt sowie der Plantfluencer „Robinga Schnögelrögel“, der Einblicke in seinen Berliner Kleingarten gewährte.

Bereits am Vortag hatten sich die 20 Landesgartenfachberater des BKD zu einem Erfahrungsaustausch getroffen. Die Gartenfachberatung bietet auf Bundes-, Landes- und Bezirksebene sowie in den Vereinen kompetente Ansprechpersonen für Gartenfragen, insbesondere für Gartenneulinge. Diese dienen auch als Anlaufstellen für Kleingärtner zum Thema biologische Vielfalt. Aktuelle Diskussionen umfassen die Fachberaterausbildung, die Digitalisierung der Aus- und Weiterbildung sowie zukünftige Angebote des neuen BKD-Bundeszentrums.

Die Initiatoren des Projekts „Kleingärten für Biologische Vielfalt“ planen, den Austausch und die Kooperationen fortzuführen und zu erweitern. Eine Online-Bildungs- und Vernetzungsreihe für Multiplikatoren, digitale Starterpakete und Workshops zum Bau von Kleinstbiotopen sollen Kleingärtner, erfahrene Fachberater, Gartenneulinge und weitere Interessierte ansprechen. Diese Angebote sollen konkrete Anregungen für die Gartenpraxis und Bildungsarbeit liefern. Eine Lernplattform dient als Wissensfundus und dokumentiert die Projektergebnisse.

04.05.2024

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