Globale Herausforderungen und systemische Ansätze in der Landwirtschaft
Vom 1. bis 4. April fand in Berlin das 11. internationale Landwirtschaftssymposium der International Farming Systems Association (IFSA Europe) statt. Rund 280 Wissenschaftler aus 35 Ländern diskutierten Anpassungsmöglichkeiten und Strategien für Agrarbetriebssysteme. Im Mittelpunkt standen globale Herausforderungen, insbesondere Klimaveränderungen, sowie urbane Nahrungsmittelversorgung und verändertes Konsumentenverhalten.
Die zentralen Fragen der 21 Workshops befassten sich mit Strategien, Instrumenten und Methoden, um eine nachhaltige Landnutzung unter den Bedingungen des Klimawandels und einer wachsenden Bevölkerung zu gewährleisten. Dabei wurde eine systemische Herangehensweise betont, die die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen im landwirtschaftlichen Betrieb berücksichtigt. Ziel ist die Förderung technologischer und sozialer Innovationen aus Wissenschaft und Praxis, wobei die Zusammenarbeit landwirtschaftlicher Akteure in Regionen und entlang der Wertschöpfungskette im Vordergrund steht.
„Business as usual“ ist keine Option
Dr. Thomas Aenis vom Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin hob die zunehmenden Herausforderungen des Klimawandels für die Landwirtschaft hervor.
„Business as usual ist keine Option - im Gegenteil, eine dritte agrikulturelle Revolution ist nötig“
zitierte Dr. Aenis die Sozialwissenschaftler Prof. Janice Jiggings und Prof. Andrew Campbell. Die Wissenschaftler des Symposiums bekräftigten die Notwendigkeit, Nachhaltigkeitsstrategien zu intensivieren und ein Dashboard-Monitoring anhand von Schlüsselindikatoren für betriebliche und regionale landwirtschaftliche Systeme zu entwickeln.
„Zudem muss der Umgang mit Unsicherheiten im Bereich von Nahrungsmittelerzeugung, Wasserverfügbarkeit, Energieressourcen und dem Klima aufeinander abgestimmt werden. Dazu ist systemische Forschung dringend notwendig“
erklärte Thomas Aenis.
„Der Entwicklung geeigneter Institutionen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, aber auch das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher ist entscheidend“
Bauern und Konsumenten rücken näher zusammen
Thomas Aenis betonte die wachsende Bedeutung des Wertschöpfungskreislaufs zwischen Erzeuger und Konsument, auch durch alternative, kürzere Wege. Dieses Thema wurde teilweise in Feld-Exkursionen aufgegriffen. Touren zu den Bauerngärten Berlin, dem Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld oder dem Ökodorf Brodowin veranschaulichten Möglichkeiten einer urbanen Lebensmittelversorgung der Zukunft.
Der enge Praxisbezug, der sich in solchen Feld-Exkursionen zeigte, ist ein Merkmal der europäischen IFSA. Für das nächste IFSA Symposium 2016 in Großbritannien wird empfohlen, diese Ansätze zu vertiefen und die Rolle mediterraner Länder sowie deren Erfahrungen im Umgang mit dem Klimawandel einzubeziehen. Eine Besonderheit der IFSA-Tagung war das „Global Forum“, bei dem Wissenschaftler der IFSA Community mit Vertretern internationaler Agrarforschungseinrichtungen (CGIAR) über die Stärkung systemischer Forschungsansätze in der Nord-Süd-Kooperation berieten. Aufbauend auf diesem Austausch sollen gemeinsame Forschungsprogramme entwickelt werden.
Gastgeber des IFSA-Symposiums waren die Humboldt-Universität zu Berlin und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die im Forschungsvorhaben INKA BB (Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin) zusammenarbeiten. Prof. Dr. Andrea Knierim vom ZALF hob hervor:
„Für INKA BB war die IFSA ein großartiges Forum, unsere konkreten Forschungsergebnisse zusammen mit Praxispartnern in Berlin und Brandenburg vorzustellen und mit den Fachkollegen zu diskutieren. Umgekehrt hoffen wir, dass unser Aktionsforschungsansatz andere Regionen zur Anpassung an den Klimawandel inspiriert und zu weiteren innovativen Wissenschafts-Praxispartnerschaften führen kann.“
Das Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg Berlin (INKA BB)
INKA BB hat zum Ziel, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu untersuchen und innovative Lösungen aufzuzeigen. Schwerpunkte sind die Sicherung einer nachhaltigen Land- und Wassernutzung in der Region sowie die Förderung eines angepassten Gesundheitsmanagements. Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt umfasst 24 Teilprojekte und wird mit 18 Millionen Euro finanziert, wovon 15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung stammen.
Netzwerkpartner von INKA BB sind Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg, zahlreiche Interessenverbände, Wirtschaftsunternehmen sowie kommunale Verwaltungen und Landesbehörden aus Berlin und Brandenburg. Die Koordination des Projekts liegt beim ZALF, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.
