Naturschutz

Agroforstsysteme als Erosionsschutz und Bioenergiequelle

Wissenschaftler der BTU Cottbus untersuchen Agroforstsysteme wie Alley-Cropping als Methode zur Eindämmung von Erosion und zur Gewinnung von Bioenergie. Diese Systeme bieten Windschutz, verbessern die Bodenqualität und fördern die Biodiversität, während sie gleichzeitig neue Einkommensmöglichkeiten für Landwirte schaffen.

Agroforstsysteme gegen Erosion und für Bioenergie

Längere Trockenperioden können in Deutschland zu Erosion und Sandstürmen führen. Ein Beispiel hierfür war eine Massenkarambolage auf der A19 bei Rostock im Jahr 2011, die durch aufgewirbelten Sand verursacht wurde.

Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus untersuchen derzeit die Anpflanzung von Gehölzstreifen auf Ackerflächen als Methode zur Eindämmung der Erosion. Dieses Verfahren, bekannt als Alley-Cropping, ist eine Form von Agroforstsystemen. Die Gehölzstreifen können gleichzeitig zur Gewinnung von Bioenergie genutzt werden. Diese Untersuchung ist Teil des Innovationsnetzwerks Klimaanpassung Brandenburg Berlin (INKA BB), das sich mit Anpassungsstrategien an die Folgen des Klimawandels befasst.

EU fördert Agroforstsysteme

Die Europäische Union hat Ende Juni eine Einigung in der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik erzielt, die Agroforstsysteme erstmals als Methode zur Ökologisierung in die Reformvorschläge aufnimmt. Bei Beschlussfassung können diese Systeme ab 2014 gefördert werden.

Wir bewerten dies als wichtigen Schritt hin zur Anerkennung und Verbreitung von Agroforstsystemen. Dies ist ein relevanter Baustein zur Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft als Träger ökologischer Dienstleistungen.

So äußerte sich Projektleiter Prof. Dr. Dirk Freese. Alley-Cropping ist eine agroforstliche Landnutzungsform, bei der Gehölzstreifen in Kombination mit Feldfrüchten auf einer Fläche angebaut werden. Der Landwirt kann die Gehölzstreifen energetisch oder stofflich nutzen, was einen Mehrwert schafft. Dies ist besonders relevant in Ackerlandschaften mit großen Flächen ohne Hecken, Bäume oder Strauchstreifen, die oft schutzlos Verwehungen ausgesetzt sind. Agroforstsysteme können hier Abhilfe schaffen.

Erosionsschutz mit Zweitnutzen

Charakteristisch für Alley-Cropping ist der Wechsel von Baum- und Ackerstreifen auf der Fläche. Für die energetische Nutzung eignen sich Baumarten wie Pappel, Weide oder Robinie. Diese werden über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren als Kurzumtriebsplantagen bewirtschaftet. Die Gehölze werden alle drei bis sechs Jahre geerntet und können zu Hackschnitzeln für die Bioenergieerzeugung verarbeitet werden.

Windschutz und verbesserte Bodenqualität

Die Vorteile dieser Agroforstmethode umfassen primär den Windschutz, da die Gehölzstreifen quer zur Hauptwindrichtung angelegt werden. Dies wirkt sich positiv auf das Mikroklima des Gesamtbestandes aus, indem es ein gemäßigtes Temperaturregime und einen günstigen Wasserhaushalt für die Ackerfrucht schafft. Die neu entstehenden Nährstoffkreisläufe durch Streuanfall können sich ebenfalls positiv auf die Ackerkultur auswirken. Zudem führt die Humusanreicherung zu einer langfristigen Bodenverbesserung. Bei einer Rotation der Gehölzstreifen profitiert die gesamte Ackerfläche.

Alley-Cropping hat auch positive Auswirkungen auf die Biodiversität, da der Bewuchs günstige Bedingungen für die Artenvielfalt schafft und Rückzugsräume für Nützlinge bietet. Allerdings sind hohe Investitionskosten zu Beginn der Kultur und eine Reduzierung der Ackerfläche zu berücksichtigen. Die Baumstreifen müssen umfahren werden, und Schäden an Drainagesystemen durch Baumwurzeln sind möglich. Langfristig überwiegen jedoch die Vorteile des Alley-Croppings.

Aus unserer Sicht führt kein Weg an dieser Methode vorbei. Die Anlage von Alley-Cropping-Systemen ist nicht nur eine Anpassungsstrategie der Landwirtschaft an geänderte Klimabedingungen. Sie ist auch als eine lohnenswerte Möglichkeit zur Produktion von Bioenergie und schafft so neue wirtschaftliche Einnahmemöglichkeiten für die Landwirtschaft.

Prof. Dr. Dirk Freese betont die Bedeutung dieser Methode. Das Teilprojekt erarbeitet neben einer ökologisch-ökonomischen Gesamtbilanz für Alley-Cropping-Systeme auch praxisrelevante Bewirtschaftungsempfehlungen, die Praxispartnern und weiteren Interessengruppen zur Verfügung gestellt werden.

Über INKA BB

INKA BB, das Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Berlin Brandenburg, hat das Ziel, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu erforschen und innovative Lösungen aufzuzeigen. Der Fokus liegt auf der Sicherung einer nachhaltigen Land- und Wassernutzung in der Region sowie der Förderung eines angepassten Gesundheitsmanagements. Das Forschungsprojekt umfasst 24 Teilprojekte, ist auf fünf Jahre angelegt und wird mit 18 Millionen Euro finanziert, wovon 15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung stammen.

Zu den Netzwerkpartnern von INKA BB gehören Forschungseinrichtungen aus Berlin und Brandenburg, zahlreiche Interessenverbände, Wirtschaftsunternehmen sowie kommunale Verwaltungen und Landesbehörden aus Berlin und Brandenburg. Die Koordination des Projektes obliegt dem ZALF, dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg.

13.09.2013

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