Anpassungen für nachhaltige Waldbewirtschaftung und Klimaschutz
Der Deutsche Forst-Zertifizierungsrat hat die neuen PEFC-Standards einstimmig verabschiedet. Damit ist ein zwölfmonatiger Revisionsprozess abgeschlossen, der durch eine breite Beteiligung verschiedener Interessengruppen gekennzeichnet war. In vier Arbeitsgruppensitzungen und zehn Treffen von Unterarbeitsgruppen wurden die PEFC-Waldstandards ergänzt und präzisiert. Die neuen Standards treten zum 1. Januar 2021 in Kraft.
Eine Erweiterung betrifft den Erholungswaldstandard, der es Waldbesitzern ermöglicht, explizit PEFC-zertifizierte Kur- und Heilwälder auszuweisen.
Herausforderungen durch den Klimawandel
Angesichts des Klimawandels betonen die neuen PEFC-Standards die Bedeutung von Mischbeständen aus standortgerechten Baumarten. Insbesondere Verjüngungsmaßnahmen sollen genutzt werden, um den Anteil von Mischbeständen zu erhöhen. Klimatolerante Herkünfte heimischer Baumarten erhalten dabei besondere Beachtung. Der Leitfaden wurde zudem präzisiert, um Waldbesitzern in verpachteten Jagdbezirken effektivere Maßnahmen zur Anpassung der Wildbestände zu ermöglichen.
Neu ist die Forderung, dass auch die Verjüngung von Nebenbaumarten mit vertretbarem Aufwand gesichert werden kann.
Die neuen PEFC-Waldstandards werden dem Anspruch gerecht, Waldbesitzern eine Orientierung auf dem Weg hin zu mehr Stabilität ihrer Wälder zu geben – nie war das wichtiger als in der jetzigen Zeit, in der die Klimaveränderungen unseren Wäldern bereits so stark zugesetzt haben. Auch wird dem zukunftsweisenden Thema der Ökosystemleistungen gebührend Beachtung geschenkt.
Dies erklärte Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Standards und Vorsitzender von PEFC Deutschland. Er ergänzte, dass die Standards in den letzten zwölf Monaten einer grundlegenden Prüfung unterzogen, aktualisiert und präziser sowie praxisnäher formuliert wurden.
Weitere Änderungen umfassen die Förderung struktur- und artenreicher Waldränder sowie die Vermeidung von Plastikrückständen im Wald. Der Einsatz von Wuchshüllen, Fege-/Verbiss-/Schälschutz sowie Markierungsbändern aus erdölbasiertem Material soll vermieden werden. Stattdessen sollen Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen verwendet und nicht mehr funktionsfähige Wuchshüllen fachgerecht entsorgt werden.
Ablauf des Revisionsprozesses
Bereits vor Beginn der Standardrevision wurden Anregungen aller Stakeholder gesammelt. Im September und Oktober 2020 konnten die ersten Entwürfe der Arbeitsgruppe auf einer Online-Plattform kommentiert werden. Über 70 Personen nutzten diese Möglichkeit und übermittelten 196 Kommentare und Vorschläge.
Die Arbeitsgruppe befasste sich am 27. und 28. Oktober 2020 in Göttingen mit diesen Rückmeldungen. Die Veranstaltung wurde als Hybridformat durchgeführt, bei dem ein Teil der Mitglieder vor Ort diskutierte und ein anderer Teil online zugeschaltet war, um Abstandsregeln einzuhalten.
Trotz der Corona-Krise konnte die PEFC-Standardrevision im vorgegebenen Zeitplan abgeschlossen werden. Ein Tagungskonzept, das flexibel auf die Vorgaben zum Infektionsschutz reagierte und je nach Lage auf Präsenz- oder Online-Veranstaltungen setzte, trug dazu bei. Die meisten AG-Treffen, die Hälfte der Unterarbeitsgruppensitzungen sowie die PEFC-Konferenz zur Vorstellung der ersten Standardentwürfe konnten als Präsenzveranstaltungen stattfinden.
Über PEFC
PEFC ist eine Institution zur Sicherstellung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem. Holz und Holzprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen nachweislich aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft.
PEFC Deutschland e.V. wurde 1999 gegründet und entwickelt die Standards und Verfahren der Zertifizierung, stellt Informationen bereit und vergibt die Rechte am PEFC-Logo in Deutschland. Mit 7,7 Millionen Hektar zertifizierter Waldfläche sind rund zwei Drittel der deutschen Wälder PEFC-zertifiziert, was es zum bedeutendsten Waldzertifizierungssystem in Deutschland macht.
