Handwerksforderungen an die Politik: Ein Appell für mehr Unterstützung
Beim ZDH-Forum in Berlin appellierte Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), an die Politik, die Bedürfnisse der lohnintensiven und standortgebundenen Handwerksbetriebe stärker zu berücksichtigen.
Das Handwerk ist eine bedeutende Wirtschaftsmacht in Deutschland. Mit einem Umsatz von 766 Milliarden Euro im Jahr 2023 übertrifft es sogar die deutsche Automobilindustrie bei weitem. Mit rund 5,6 Millionen Beschäftigten und deren Angehörigen ist das Handwerk aber eben nicht nur eine immense Wirtschaftsmacht, sondern zugleich auch eine gesellschaftliche Macht. Ein starkes Handwerk ist die Voraussetzung für eine starke Gesamtwirtschaft und ein starkes Land.
Dittrich betonte, dass politische Maßnahmen konsequent auf die Überwindung der Wachstumsschwäche ausgerichtet sein müssen. Es fehle an Anreizen für Leistung und Investitionen. Die Betriebe benötigten Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Das Handwerk sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Herausforderungen gemeinsam mit der Politik anzugehen.
Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen: Bürokratie und Kosten
Roberto Kühne äußerte die Befürchtung weiterer Belastungen für die Branche, die viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) überfordern könnten. Dr. Michael Oelck ergänzte, dass das Lieferkettengesetz und die steigenden Anforderungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entschärft werden müssten und KMU davon befreit werden sollten. Andernfalls nehme die Bürokratie zu, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu verbessern. Hinzu kämen stark steigende Lohnzusatzkosten, die Mitarbeiter und Betriebe mit fast 20 Milliarden Euro zusätzlich belasten würden.
ZDH-Präsident Dittrich führte weiter aus, dass die Selbstständigkeit attraktiv bleiben müsse, um ein „leises Sterben“ der kleinen und mittleren Betriebe im beschäftigungsintensiven Handwerk zu verhindern. Das Handwerk erwarte von der Politik mehr Wertschätzung und Respekt. Insbesondere für energieintensive Bereiche fordere das Handwerk, dass die Senkung der Kosten nicht nur Industrieunternehmen einzelner Branchen zugutekommt.
Impulse zur Wirtschaftswende: Lindners Vision für Deutschland
Gastredner des ZDH-Forums war Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), der seine Vorstellungen für eine Wirtschaftswende präsentierte. Lindner hob die Bedeutung der Verbesserung der Standortbedingungen für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands hervor.
Unserem Land stellt sich eine Richtungsentscheidung: Wollen wir weiter einen Lebensstandard haben auf einem Spitzenniveau weltweit, ist es unsere Absicht Weltspitze zu sein bei den ökonomischen Standards? Dann geht kein Weg daran vorbei, dass jede und jeder Einzelne und unser Land insgesamt auch die Bereitschaft zu Spitzenleistung entwickeln. Die große Aufgabe ist ein Umsteuern weg von einem Sozialstaat, der seine Treffsicherheit eingebüßt hat, hin zu einem Klima der Investitionen und Erwirtschaften des Wohlstands statt der Umverteilung. Wir müssen eine Image-Kampagne für den Wert der Arbeit einleiten: Anstrengung und die Bereitschaft für Arbeit sind die Voraussetzungen für Wohlstand und diese Richtungsentscheidung muss unser Land wieder treffen.
Roberto Kühne kommentierte abschließend, dass das Vertrauen für langfristige Investitionen bei Kunden in der Land- und Bauwirtschaft derzeit nicht ausreichend vorhanden sei. Dies führe zu Zurückhaltung bei den Kunden und vollen Höfen bei den Händlern.
Das ZDH-Forum fand im Hotel Melia Berlin statt und beleuchtete die Ziele und Schwerpunkte der Bundesregierung in der verbleibenden Legislaturperiode. Zuvor hatte die ZDH-Vollversammlung am selben Ort getagt.

