Naturschutz

Lebensnetz Börde: Insektenschutz in der Jülich-Zülpicher Börde

Das Projekt „Lebensnetz Börde“ schafft hochwertige Insektenlebensräume in der Jülich-Zülpicher Börde. Rund 600 Hektar Fläche werden durch Blütenpflanzen und angepasste Landschaftspflege optimiert. Das Bundesumweltministerium fördert das Vorhaben mit 3,34 Millionen Euro.

Insektenschutz in der Agrarregion: Das Projekt „Lebensnetz Börde“

Die Jülich-Zülpicher Börde, eine intensiv bewirtschaftete Agrarregion, weist einen Mangel an artenreichen Biotopen auf. Um dem entgegenzuwirken, haben die Biologischen Stationen Bonn/Rhein-Erft, Düren und Euskirchen das Projekt „Lebensnetz Börde“ initiiert. Ziel ist die Schaffung hochwertiger Insektenlebensräume in dieser Region.

Das Projekt sieht vor, in Kooperation mit kommunalen und privaten Flächeneigentümern rund 600 Hektar Fläche für Insekten zu optimieren. Dies geschieht durch die Einsaat von Blütenpflanzen mit gebietsheimischem Saatgut sowie durch eine angepasste Landschaftspflege und -nutzung. Das Bundesumweltministerium (BMUV) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördern das Vorhaben im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit rund 3,34 Millionen Euro.

Dr. Annette Doerpinghaus, Leiterin der Abteilung Biotop- und Gebietsschutz im BfN, überreichte den Förderbescheid bei der Auftaktveranstaltung in Zülpich. Bundesumweltministerin Steffi Lemke betonte die Bedeutung von Insekten für gesunde Lebensnetze:

Gesunde und starke Lebensnetze brauchen Insekten. Sie dienen als Nahrungsgrundlage für Vögel und sind zugleich Teil einer natürlichen Schädlingsbekämpfung. Auch die Landwirtschaft ist ohne Insekten undenkbar, da sie viele wildlebende Pflanzen und Kulturpflanzen bestäuben. Mit dem geplanten Biotopverbund stärkt das Projekt das Lebensnetz Börde, die heimischen Vögel und Insekten und damit auch wichtige Ökosystemleistungen.

BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm hob die Fragilität der Lebensnetze hervor und die Auswirkungen des Insektenrückgangs auf Feldvogelarten:

In der Börde zeigt sich wie in vielen anderen Regionen, wie fragil die Lebensnetze mittlerweile geworden sind: Verschwinden einzelne Arten oder ganze Artengruppen, ist das Überleben vieler anderer Arten in Gefahr. So trifft der Insektenrückgang in der Agrarlandschaft ganz besonders unsere Feldvogelarten wie Grauammer, Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen. Das neue Projekt hilft Insekten und Feldvögeln. Denn es verbessert ihre Lebensgrundlagen und stabilisiert damit das Lebensnetz der Arten in der Börde.

Projektumsetzung und Maßnahmen

„Lebensnetz Börde“ ist ein interkommunales Verbundprojekt, an dem die Landkreise Euskirchen, Düren und Rhein-Erft beteiligt sind und das 20 Kommunen umfasst. Die Biologischen Stationen der Region führen das Projekt gemeinsam durch.

Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von floristisch und faunistisch reichen Strukturen, die von den Ortsrändern bis in die freie Landschaft reichen. Ziel ist ein Biotopverbundsystem, das fast 600 Hektar für Insekten und Vögel optimiert. Hierfür werden sowohl lineare Strukturen wie Wegraine, Säume und Uferrandstreifen als auch flächenhafte Vernetzungselemente wie Wiesen, Weiden oder Firmengelände aufgewertet.

Zum Einsatz kommen gebietsheimisches Saatgut oder Mahdgutübertragung mit Blütenpflanzen. Zudem werden Hecken und heimische Hochstamm-Obstbäume gepflanzt. Um bestehende Insekten-Kernlebensräume und Schutzgebiete werden Pufferzonen geschaffen. Diese sollen zusammen mit den neu geschaffenen Blühstreifen und -flächen ein Biotopverbundsystem bilden, das die Ausbreitung von Insekten von den Kernflächen in die bislang intensiv ackerbaulich genutzten Flächen ermöglicht.

Begleitende Maßnahmen und Finanzierung

Die Naturschutzmaßnahmen werden von einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Fachveranstaltungen wie Workshops und Tagungen sowie ein Kunstwettbewerb sollen das Projekt regional und überregional bekannt machen. Die Projektergebnisse und -erfahrungen der sechsjährigen Laufzeit werden in einem Praxisleitfaden zusammengefasst, um Erkenntnisse für Folgeprojekte in vergleichbaren Agrarlandschaften nutzbar zu machen.

Neben der Förderung im Bundesprogramm Biologische Vielfalt erhält das Projekt Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Kreise Rhein-Erft, Düren und Euskirchen.

29.04.2023

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