Klimawandel setzt marine Ökosysteme unter Druck
Der Klimawandel verändert die Weltmeere spürbar und wirkt sich auf zahlreiche marine Ökosysteme aus. Steigende Wassertemperaturen, der Anstieg des Meeresspiegels und die zunehmende Versauerung der Ozeane zählen zu den wichtigsten Entwicklungen. Fachleute sehen darin eine erhebliche Herausforderung für die Stabilität mariner Lebensräume und die Artenvielfalt.
An der Messstation Helgoland Reede stieg die Wassertemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1962 um 1,5 Grad Celsius. Gleichzeitig erhöhte sich der mittlere globale Meeresspiegel zwischen 1993 und 2003 um durchschnittlich 3,1 Millimeter pro Jahr. Die Veränderungen wirken sich auf komplexe ökologische Zusammenhänge aus und können Nahrungsketten nachhaltig beeinträchtigen.
Intakte Ökosysteme als wichtige Voraussetzung
Nur widerstandsfähige und intakte Meeresökosysteme können den Folgen des Klimawandels wirksam begegnen. Deshalb gewinnt der Schutz mariner Lebensräume zunehmend an Bedeutung.
"In der Folge des weltweiten Temperaturanstiegs werden die Nahrungsketten im Meer empfindlich gestört oder sogar geschädigt. Nur intakte Meeresökosysteme besitzen die nötige Widerstandskraft, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Der Schutz unserer Meere ist deshalb besonders wichtig"
Eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes beleuchtet die Auswirkungen des Klimawandels auf den Zustand der Meere, die dort lebenden Arten sowie die vielfältigen Nutzungen mariner Räume.
Ozeane speichern Wärme und Kohlendioxid
Die Weltmeere nehmen mehr als 80 Prozent der zusätzlichen Wärme auf, die dem Klimasystem zugeführt wird. Inzwischen ist ein Temperaturanstieg der Ozeane bis in Tiefen von rund 3.000 Metern messbar. Die Erwärmung führt gemeinsam mit verstärkten Niederschlägen und Schmelzwassereinträgen zu Veränderungen des Meeresspiegels und kann Meeresströmungen beeinflussen.
Gleichzeitig fungieren die Ozeane als bedeutende Kohlendioxidsenke. Jährlich absorbieren sie etwa 30 Prozent des vom Menschen verursachten Kohlendioxids und speichern langfristig rund das 50-Fache der in der Atmosphäre vorhandenen Menge. Diese Aufnahmefähigkeit hat jedoch Folgen: Bereits seit mehreren Jahrzehnten steigt die Kohlendioxid-Konzentration in den oberen Meeresschichten, was zu einer Versauerung der Meere um etwa 0,11 pH-Einheiten geführt hat.
Korallen und kalkbildende Organismen besonders betroffen
Die zunehmende Versauerung erschwert vielen Organismen die Bildung von Kalkschalen und Kalkskeletten. Davon betroffen sind unter anderem Algen und Korallen. Gleichzeitig leiden Korallenriffe unter steigenden Wassertemperaturen. Unter Wärmestress verlieren Korallen ihre symbiotischen Algen, wodurch es zur Korallenbleiche kommt.
Steigt der Meeresspiegel schneller als Korallen vertikal wachsen können, gelangt zudem weniger Licht zu den Algen. Die Lebensgemeinschaft aus Korallen und Algen wird dadurch zusätzlich geschwächt.
Arktis erwärmt sich besonders schnell
Besonders deutlich zeigen sich die Folgen des Klimawandels in der Arktis. Dort stiegen die Temperaturen in den vergangenen Jahren nahezu doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Seit 1978 schrumpft die Ausdehnung des arktischen Meereises um durchschnittlich 2,7 Prozent pro Jahrzehnt.
Im September 2007 erreichte die Eisfläche mit 4,28 Millionen Quadratkilometern einen historischen Tiefstand. Erstmals war die Nordwestpassage zwischen Atlantik und Pazifik vollständig eisfrei. Die Randzonen des arktischen Meereises stellen jedoch einen zentralen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar.
Zu den betroffenen Arten zählt die Ostseeringelrobbe. Die Tiere sind auf Eisflächen und Schneehöhlen zur Aufzucht ihrer Jungen angewiesen. Der Winter 2008/09 war der eisärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Ein Großteil der Jungtiere überlebte diese Bedingungen nicht. Mit nur noch rund 7.000 bis 10.000 Individuen steht die Art bereits auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion (IUCN).
Zusätzlicher Stress für bereits belastete Meere
Die Weltmeere sind bereits durch zahlreiche menschliche Einflüsse belastet. Dazu zählen Überfischung, Schadstoffeinträge, übermäßige Nährstoffbelastungen, die Zerstörung von Küsten- und Meereslebensräumen sowie die Ausbreitung nicht heimischer Arten. Der Klimawandel verstärkt diese Belastungen zusätzlich.
Reduzierte Fischbestände gelten als besonders anfällig gegenüber klimatischen Veränderungen. Artenreiche Ökosysteme und genetisch vielfältige Populationen besitzen dagegen bessere Voraussetzungen, um sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.
In vielen Meeresregionen führt die Überfischung wichtiger Räuber wie des Thunfischs zu einer starken Vermehrung von Quallen. Diese konkurrieren mit Fischen um Nahrung und können zugleich Fischlarven und Jungfische dezimieren. Dadurch werden Nahrungsnetze verändert und die biologische Vielfalt beeinträchtigt.
Auch für den Menschen können die Veränderungen Folgen haben. Giftige Quallenplagen und verstärkte Algenblüten entwickeln sich zunehmend zu Gesundheitsrisiken und können den Tourismus negativ beeinflussen.
Klimaschutz dient auch dem Schutz der Meere
"Wir alle sind gefordert, den Klimawandel aufzuhalten und geeignete Maßnahmen zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen zu ergreifen"
Zu den genannten Maßnahmen gehören die Nutzung erneuerbarer Energien, die Wärmedämmung von Gebäuden sowie der Einsatz emissionsärmerer Fahrzeuge. Die Verringerung von Treibhausgasemissionen trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern unterstützt zugleich den langfristigen Schutz der Meere und ihrer Ökosysteme.
