Hintergrund und Bedeutung der Ackerwildkräuter
Ackerwildkräuter tragen zur biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften bei. Sie bieten Lebensraum und Nahrung für Insekten, unterstützen den Erosionsschutz und werten das Landschaftsbild auf. Zudem können viele Ackerwildkräuter als Zier-, Heil- und Nahrungspflanzen dienen.
Die einst vielfältige Ackerbegleitflora ist heute kaum noch vorhanden. Nutzungsänderungen und die Intensivierung der Landwirtschaft haben dazu geführt, dass viele konkurrenzschwache Pflanzenarten mittlerweile in ihrem Bestand gefährdet sind – deutschlandweit trifft das auf mehr als 90 von 323 Ackerwildkrautarten zu. Einige Arten wie die Saat-Schuppenmiere oder die Saat-Acker-Trespe sind bereits ausgestorben. Daher ist es wichtig, dass sich Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam für das Projekt „Lebensfelder“ und damit für die Erhaltung dieser einzigartigen Flora einsetzen.
Diese Aussage von BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm unterstreicht die Dringlichkeit des Projekts. Bundesumweltministerin Steffi Lemke hebt hervor, dass die artenreiche Flora Agrarökosysteme widerstandsfähiger macht.
Projektziele und konkrete Umsetzung
Die Ackerbegleitflora, auch Segetalflora genannt, ist in ihrem Bestand stark gefährdet. Bisherige Schutzbemühungen konnten den Rückgang nicht aufhalten. Renaturierungsmaßnahmen auf Ackerflächen durch die Wiederansiedlung gefährdeter Ackerwildkrautarten werden bislang selten umgesetzt. Das Projekt „Lebensfelder“ soll hier Abhilfe schaffen, indem bundeseinheitliche Praxisstandards entwickelt werden.
Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit Landwirtschafts- und Gartenbaubetrieben in vier Modellregionen in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Dort werden ausgewählte Zielarten auf geeigneten Empfängerflächen ausgebracht, um sogenannte „Lebensfelder“ zu schaffen. Diese Felder sollen dem Erhalt vielfältiger Ackerlebensgemeinschaften dienen.
Die Effekte der Maßnahmen auf die Segetalflora werden in jedem Modellgebiet erfasst. Begleitend findet eine Öffentlichkeitsarbeit statt, um die Akzeptanz der Maßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben zu fördern. Eine Evaluation anhand sozio-ökonomischer Kriterien begleitet das Projekt. Die entwickelten Praxisstandards und die Ergebnisse der modellhaften Umsetzung werden in einem Praxishandbuch sowie auf Tagungen und Feldtagen veröffentlicht. Das Handbuch soll die Grundlage für die Anerkennung neuer Maßnahmen zum Schutz der Segetalflora in Förderprogrammen und Kompensationsmaßnahmen bilden.
