Warum eine Ausbildung im Gartenbau nach dem Abitur?
Für Abiturienten, die eine Alternative zum Hochschulstudium suchen, bietet der Gartenbau vielfältige Möglichkeiten. Eine Ausbildung in diesem Bereich zeichnet sich durch einen hohen Praxisanteil, direkte Erfolgserlebnisse und gute Karriereperspektiven aus.
Andrea Rödel, angehende Zierpflanzengärtnerin, entschied sich nach dem Abitur bewusst für eine Ausbildung. Sie begann ihre Lehre im September 2020 bei der Gärtnerei und Baumschule Tröltzsch in Oelsnitz. Der Betrieb verfügt auch über einen angeschlossenen Landschaftsbaubetrieb.
Praxisorientierung und abwechslungsreicher Arbeitsalltag
Ich gehörte schon immer zu den Menschen, die gerne etwas mit ihren eigenen Händen erschaffen. Deshalb stand für mich fest, dass ich nach dem Abi eine Ausbildung machen will.
Im Gegensatz zu einem Studium überwiegt in der Ausbildung die praktische Arbeit, ergänzt durch theoretische Inhalte. Der Arbeitsalltag beginnt meist um sieben oder acht Uhr und ist durch wechselnde Aufgaben geprägt. Dazu gehören das Eintopfen von Pflanzen, Arbeiten auf dem Friedhof oder das Pikieren von Salat.
Langweilig wird es nie, denn einen Alltag mit den immer gleichen Abläufen gibt es selbst für ausgelernte Gärtnerinnen und Gärtner nicht.
Die Möglichkeit, Arbeitsergebnisse direkt zu sehen und täglich im Freien zu arbeiten, ist für viele Auszubildende ein wichtiger Aspekt.
Ich mag es, das Ergebnis meiner Arbeit direkt zu sehen und bin gerne jeden Tag draußen. Ein Bürojob, bei dem ich den Großteil meiner Arbeitszeit am Schreibtisch verbringe, wäre nichts für mich.
Ein weiterer Vorteil der Ausbildung ist die finanzielle Unabhängigkeit. Andrea Rödel schätzt es, eigenes Geld zu verdienen und konnte so in ihre erste eigene Wohnung ziehen.
Umfassende Ausbildungsinhalte
Als angehende Zierpflanzengärtnerin lernt Andrea Rödel alles über die Züchtung und Vermehrung von Zimmerpflanzen, Schnittblumen sowie Beet- und Balkonpflanzen. Durch die angeschlossene Baumschule beschäftigt sie sich auch mit verschiedenen Gehölzen wie Apfel- und Birnbäumen oder der Anzucht von Rosen. Erfahrungen sammelte sie zudem im Gemüseanbau sowie bei der Pflege und Bepflanzung von Gräbern und Parkanlagen.
Am liebsten arbeite ich mit Jungpflanzen oder kümmere mich um die Aussaat. Es ist einfach toll zu sehen, wie etwas wächst, das man selbst gesät hat.
Die dreijährige duale Ausbildung wird in sieben verschiedenen Fachrichtungen angeboten. Abiturienten oder Fachabiturienten können die Ausbildungsdauer um ein Jahr verkürzen.
Im Betrieb und in der Berufsschule werden hunderte Pflanzenarten sowie deren optimale Wachstumsbedingungen vermittelt. Dazu gehören Kenntnisse über Licht-, Wasser- und Nährstoffbedarf. Der Lehrplan umfasst Themen wie Düngerlehre, Pflanzenschutz (mit Fokus auf vorbeugende und biologische Verfahren) sowie den Umgang mit Maschinen.
Anforderungen und Zukunftsperspektiven
Für eine Ausbildung im Gartenbau sind Ausdauer und körperliche Fitness wichtig, da auch körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten anfallen. Ein hoher Lernwille ist ebenfalls erforderlich, da die Themen anspruchsvoll sind und ein umfangreiches Lernpensum bewältigt werden muss. Der Umgang mit moderner Technik, wie Klimasteuerung mittels EDV oder der Einsatz von Traktoren, spielt eine zunehmend wichtige Rolle.
Kreativität ist gefragt, beispielsweise beim Bepflanzen von Schalen oder Gräbern. Für den Verkauf und die Beratung ist Kundenkontakt und die Fähigkeit, Fachwissen verständlich zu vermitteln, von Bedeutung. Je nach Fachrichtung ist zudem Wetterfestigkeit notwendig, da häufig im Freien gearbeitet wird.
Nach der Ausbildung plant Andrea Rödel, zunächst Berufserfahrung zu sammeln und anschließend die Weiterbildung zur Gärtnermeisterin anzustreben. Der Meistertitel eröffnet gute Aufstiegschancen und die Möglichkeit, selbst auszubilden. Auch ein anschließendes Studium zur Vertiefung der Kenntnisse in Biologie und Chemie ist für sie denkbar.