Wissenschaftliche Ansätze für den Bienenschutz
Anlässlich des Weltbienentages besuchte Bundesministerin Julia Klöckner das Institut für Bienenschutz am Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig. Das JKI ist das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen und gehört zum Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Die Ministerin betonte die Bedeutung von Bienen und anderen Bestäubern für das Ökosystem und die biologische Vielfalt. Rund 80 Prozent aller Pflanzen sind auf Fremdbestäubung angewiesen, wovon wiederum 80 Prozent durch Wild- und Honigbienen bestäubt werden. Die Bienengesundheit ist somit entscheidend für die Nahrungsmittelproduktion.
Julia Klöckner: „Deshalb haben wir das Institut für Bienenschutz gegründet und investieren in die Forschung, um Bienen bestmöglich zu verstehen und zu schützen. Wir schließen Wissenslücken und sorgen damit für wissenschaftsbasierten und nachhaltigen Insekten- und Bienenschutz.“
Während der Bestand der Honigbienen in Deutschland zugenommen hat, nimmt die Vielfalt und Zahl der Wildbienen ab. Die Ursachen hierfür sind vielfältig.
Förderung und aktuelle Projekte
In Braunschweig übergab die Bundesministerin einen Förderbescheid für das Projekt „NutriBee“. Dieses Verbundvorhaben wird vom BMEL mit über einer Million Euro unterstützt. Es erforscht, wie sich Jungvölker im Vergleich zu Wirtschaftsvölkern unter Stressfaktoren wie Nahrungsmangel, Pflanzenschutzmitteln und deren Kombination entwickeln und welche Faktoren die Bienengesundheit beeinflussen.
Zudem informierte sich die Ministerin über weitere Forschungsprojekte des Bieneninstituts zum Schutz von Bienen und Bestäuberinsekten in der Agrarlandschaft:
- ABO-Projekt (Apis, Bombus, Osmien): Dieses Projekt vergleicht Honigbienen, Hummeln und Wildbienen. Es untersucht Verhalten und Entwicklung der verschiedenen Bienenarten in Labor- und Freilandversuchen. Ziel ist es, zu klären, ob und inwieweit andere Bienenarten auf dem Feld stärker gefährdet sind als Honigbienen. Honigbienen sind gut erforschte Modellorganismen, doch soziale Hummeln und solitär lebende Wildbienen unterscheiden sich grundlegend in Biologie und Verhalten.
- Beecheck & VIBEE-Verbundprojekt: Der „BeeCheck“ ist ein elektronisches Messsystem zur Erfassung der Flugaktivität eines Bienenvolks. Es zählt präzise die ein- und ausfliegenden Bienen und dokumentiert deren Flugaktivitätsmuster. Das digitale Bienenvolk steht im Zentrum des VIBee-Verbundprojekts. Hier sollen über Einflussfaktoren wie Wetter, Volksgewicht und Flugaktivität Rückschlüsse auf die Bienengesundheit gezogen werden. Eine präzise Landschaftsanalyse mittels Drohnentechnik soll Verknüpfungen zum Blühangebot im Flugradius herstellen. Alle Daten fließen in ein virtuelles Bienenvolk-Modell, das eine realistische Volksentwicklung unter verschiedenen Einflüssen darstellen und Ereignisse vorhersagen kann. Dies dient der Abschätzung von Folgen, beispielsweise bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.
- Projekte Wildbienenhauptstadt Braunschweig, MonVIA: Das Institut für Bienenschutz erforscht Status, Entwicklung und Verbreitung von Honigbienenpopulationen und die Vielfalt an Wildbienen unter dem Einfluss landwirtschaftlicher Produktion, Landnutzungs- und Agrarstrukturwandel. Wissenschaftler entwickeln ein nationales Honigbienen-Trendmonitoring, das historische und aktuelle Daten von Imkern mit modernen Messtechniken kombiniert. Diese Daten werden durch Informationen zu Rückständen, Nahrungsangebot oder Krankheiten ergänzt. Eine App zur Bienenerkennung auf Basis Künstlicher Intelligenz erfasst Daten zum Wildbienenvorkommen parallel zu den Honigbienen. Im Projekt Bienenstadt werden in Kooperation mit der Stadt Braunschweig Blühflächen für Bienen geschaffen, deren Wirksamkeit evaluiert und optimiert.
Das BMEL unterstützt Initiativen, die Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Bienen und anderen Insekten zusammenfassen.
