Die Rolle naturbasierter Lösungen im European Green Deal
Im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft wurde auf einem hochrangigen Event das Potenzial naturbasierter Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise hervorgehoben. Bundesumweltministerin Svenja Schulze und weitere internationale Vertreter setzten ein Zeichen für die Notwendigkeit, den Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme als zentralen Bestandteil des European Green Deals und der internationalen EU-Politik zu etablieren.
Ohne diese sogenannten naturbasierten Lösungen (NbS) sind weder die Ziele für Klimaschutz und Klimaanpassung noch die Ziele zum Erhalt der Biodiversität erreichbar. Die Veranstaltung „Der europäische "Grüne Deal" und naturbasierte Lösungen (NbS)“ wurde unter deutscher Ratspräsidentschaft vom Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ausgerichtet.
Die Natur ist unser wichtigster Partner. Sie schafft Lösungen für den Kampf gegen die Klimakrise und hilft bei der Anpassung an den Klimawandel. In Städten zum Beispiel durch Grünflächen oder Dach- und Fassadenbegrünung. „Mehr Raum für die Natur in unserem Leben“ ist deshalb die Kernforderung der EU-Strategie zur biologischen Vielfalt, die wir im letzten Umweltministerrat ausdrücklich begrüßt haben. Jetzt muss es an die Umsetzung gehen.
Geeignete Maßnahmen, die gleichzeitig dem Klimawandel und dem Artensterben begegnen, sind bekannt. Diese Lösungen sind sozial gerecht und kosteneffizient. Stabile und anpassungsfähige Ökosysteme sind als Lebensgrundlage essenziell und müssen geschützt sowie wiederhergestellt werden.
Definition und Anwendungsbereiche naturbasierter Lösungen
Naturbasierte Lösungen nutzen die positiven Eigenschaften intakter Ökosysteme. Dazu gehören der Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern, Mooren und Böden, die Etablierung entwaldungsfreier Lieferketten sowie die Ausweitung von Schutzgebieten für bedrohte Tierarten. Jede dieser Maßnahmen trägt zu weiteren Nachhaltigkeitszielen bei. Ohne sie würden sich die bestehenden Herausforderungen verschärfen. Eine zukunftsorientierte EU-Politik wie der Green Deal muss daher naturbasierte Lösungen integrieren. Das Bundesumweltministerium fördert naturbasierte Lösungen über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI).
Internationale Projekte und nationale Strategien
Im Rahmen der IKI werden internationale Projekte im Bereich NbS gefördert. Ein Beispiel ist ein Projekt in Ecuador zur Wiederherstellung von zwei Flussläufen und eines Mangrovenwaldes. Ziel ist eine verbesserte Agrobiodiversität, nachhaltiges Wassermanagement und Viehwirtschaft sowie die Schaffung von Einkommensmöglichkeiten durch Ökotourismus.
Ein weiteres Projekt unterstützt die Philippinen unter anderem durch ein Stipendienprogramm. Hierbei werden für die wichtigsten privaten Wirtschaftssektoren des Landes betriebswirtschaftliche Konzepte erarbeitet, um ökosystembasierte Anpassung (EbA) oder naturbasierte Lösungen für Meeresressourcen zu entwickeln. Diese sollen grüne Arbeitsplätze und nachhaltige Lebensgrundlagen fördern. Die Moorschutzstrategie der Bundesregierung, für die das Bundesumweltministerium ein Diskussionspapier erarbeitet hat, ist ein nationales Beispiel für die Implementierung naturbasierter Lösungen.
Diskussion und Implementierung
Die Veranstaltung, an der neben Bundesumweltministerin Schulze auch die schwedische Europaabgeordnete Jytte Guteland, der IUCN-Generaldirektor Bruno Oberle, die UNEP-Exekutivdirektorin Inger Andersen sowie die Umweltminister Großbritanniens, Italiens und Portugals teilnahmen, zielte darauf ab, konkrete Wege für die Implementierung naturbasierter Lösungen aufzuzeigen, auch durch internationale Zusammenarbeit. Ein vielfältiger Kreis diskutierte in drei Sessions über das Thema NbS. In der High-Level-Session widmeten sich die Teilnehmenden den NbS in Europa und im globalen Rahmen.
In den anschließenden Experten-Panels wurden die Herausforderungen und Chancen bei der Implementierung von NbS beleuchtet. Das erste Panel konzentrierte sich auf die Integration von NbS in den Europäischen Green Deal und seine neun Politikbereiche. Dabei wurden auch die Chancen betrachtet, die sich aus der Nutzung des IUCN Global Standard für Politik und Umsetzung ergeben können. Das zweite Experten-Panel befasste sich mit der externen Dimension des Green Deal, den Möglichkeiten für NbS bei den internationalen Verhandlungen im Jahr 2021, insbesondere den Vertragsstaatenkonferenzen der Rio-Konventionen, und der internationalen Umsetzung des Konzepts.
