Standortbestimmung der Landwirtschaft im Spannungsfeld von Markt und Gesellschaft
Landwirtschaft steht zunehmend im Fokus öffentlicher Diskussionen. Fragen zu Umweltwirkungen, Ressourceneinsatz und Tierwohl prägen die Debatte. Gleichzeitig geraten Entwicklungen und Innovationen für einen effizienteren Mitteleinsatz auf dem Feld oder neue Haltungsbedingungen im Stall häufig in den Hintergrund. Dabei ist kaum ein anderer Wirtschaftszweig so stark auf natürliche Ressourcen angewiesen und seit Generationen zu deren nachhaltiger Nutzung verpflichtet.
Vor diesem Hintergrund widmet sich die große Vortragsveranstaltung der DLG-Wintertagung am 13. Januar 2016 im Internationalen Congress Center München (ICM) einer grundlegenden Standortbestimmung. Im Zentrum stehen die aktuellen Produktionsverfahren, ihre Stärken und Schwächen sowie strategische Ansätze für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung zwischen marktwirtschaftlichen Anforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen.
Meinungsbildung und gesellschaftliche Wahrnehmung
Ein Schwerpunkt liegt auf der öffentlichen Wahrnehmung moderner Landwirtschaft. Jens Lönneker, Geschäftsführer der Strategie- und Kommunikationsberatung „Rheingold Salon“, analysiert die Einstellungen von Bürgern und Verbrauchern gegenüber landwirtschaftlicher Produktion. Dabei beleuchtet er insbesondere die Diskrepanz zwischen Haltung und tatsächlichem Verhalten in der gesellschaftlichen Diskussion.
Aus dieser Analyse leitet er Konsequenzen für die Branche ab. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Landwirte und Unternehmen eine aktivere Rolle in der öffentlichen Meinungsbildung einnehmen können. Für Betriebe, die zunehmend unter Rechtfertigungsdruck stehen, gewinnt eine strategisch ausgerichtete Kommunikation an Bedeutung.
Umwelt- und Klimawirkungen im Fokus
Die Kritik an moderner Landwirtschaft konzentriert sich häufig auf Umwelt- und Klimawirkungen. Prof. Friedhelm Taube von der Universität Kiel stellt die relevanten Effekte dar und zeigt Perspektiven für eine „ökoeffizientere“ Produktion auf. Gemeint ist eine hohe Produktivität bei gleichzeitig reduzierten Umweltwirkungen.
Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Leistungsfähigkeit und Ressourcenschutz miteinander verbinden lassen. Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet dies, Produktionssysteme kontinuierlich weiterzuentwickeln und Effizienzpotenziale konsequent zu nutzen.
Betriebsmanagement zwischen Anspruch und Realität
Wie sich widersprüchliche Anforderungen in der Praxis bewältigen lassen, zeigt Martin Wimmer, Schweinehalter aus Essenbach in Bayern. Er erläutert, wie gesellschaftliche Erwartungen und ökonomische Notwendigkeiten in ein strategisches Betriebsmanagement integriert werden können.
Professionelle Tierhaltung ist in der Lage, zwischen gesellschaftlichen und ökonomischen Ansprüchen auszugleichen.
Ergänzend dazu beleuchtet Karl Heinz Mann von der Ländlichen Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft die Zukunftsfähigkeit des langjährigen Rationalisierungsmodells. Er diskutiert, ob die konsequente Effizienzsteigerung weiterhin tragfähig ist oder strukturell an Grenzen stößt. Gleichzeitig zeigt er Handlungsmöglichkeiten auf, mit denen Betriebe gesellschaftliche Akzeptanz sichern und wirtschaftlich erfolgreich bleiben können.
Eine Podiumsdiskussion mit Referenten und Publikum schließt die Veranstaltung ab. Sie bietet Raum für vertiefende Fragen und den direkten Austausch.
Rahmenprogramm und Teilnahme
Bereits am 11. und 12. Januar 2016 finden weitere öffentliche Veranstaltungen zu aktuellen Themen aus Acker- und Pflanzenbau, Tierhaltung, Landtechnik, Öko-Landbau, Waldbewirtschaftung und Betriebsführung statt. Die Teilnahme an allen Veranstaltungen der DLG-Wintertagung 2016 ist kostenfrei.
Aus organisatorischen Gründen ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Das vollständige Veranstaltungsprogramm sowie die Online-Anmeldung stehen über den entsprechenden Veranstaltungslink zur Verfügung.
