Präzise Positionsbestimmung unter schwierigen Bedingungen mit GNSS
Eine exakte Positionsangabe ist entscheidend für das Baum-Management. Nachdem Baumkontrolleure Maßnahmen für einen Baum festgelegt haben, wie beispielsweise das Entfernen morscher Äste, müssen die beauftragten Baumpfleger das betreffende Gehölz im Gelände zuverlässig wiederfinden können. Die Positionsbestimmung mittels GNSS stellt jedoch besonders unter Bäumen eine Herausforderung dar, da Laub und Äste die Satellitensignale beeinträchtigen können – ein Phänomen, das als „Abschattung“ bezeichnet wird.
Der ppm 10xx GNSS Sensor ist so konzipiert, dass dieser Effekt minimiert wird. Das Gerät verarbeitet Signale mehrerer globaler Satellitennavigationssysteme, darunter GPS (USA), GALILEO (Europa), BEIDOU (China) und GLONASS (Russland). Dadurch stehen stets ausreichend Satelliten zur Verfügung, um eine exakte Position zu bestimmen. Eine flexible Schwanenhalsantenne verbessert den Empfang zusätzlich durch individuelle Ausrichtungsmöglichkeiten.
„Sogar unter belaubten Bäumen liefert der ppm 10xx GNSS Sensor Positionsdaten mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich“, so Michael Degle, Landschaftsarchitekt bei der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Darüber hinaus ist das System so einfach in der Handhabung, dass auch weniger computeraffine Gärtnerkollegen alle Arbeiten selbst ausführen können. Das spart Zeit und Geld und gibt uns die notwendige Flexibilität bei der Arbeit.“
Im Vergleich zur Ersterfassung des Baumkatasters zwischen 2008 und 2017, bei der die Positionsbestimmung über das integrierte GPS von Tablets erfolgte und teilweise Ungenauigkeiten von bis zu 20 Metern auftraten, stellt der ppm 10xx GNSS Sensor eine wesentliche Verbesserung dar.
Nahtlose Integration und flexible Handhabung im Feld
Für die Arbeit im Gelände befestigen die Baumkontrolleure den ppm 10xx GNSS Sensor mittels eines Klemmsystems an der Rückseite ihres Tablets und verbinden ihn über USB. Die Tablets verfügen über einen großen, benutzerfreundlichen Bildschirm, der auch bei Außenlicht ein komfortables Arbeiten ermöglicht. Sobald die Satelliten die Position eines Baumes erfasst haben, kann der Kontrolleur diesen Punkt über die Touch-Funktion in der RIWA Baumkontroll-App festschreiben und erforderliche Pflegemaßnahmen hinterlegen.
Der Sensor ermöglicht auch eine exzentrische Vermessung, bei der die Mitte des Baumes bestimmt werden kann, selbst wenn der Kontrolleur danebensteht. Alle erfassten Daten werden im RIWA-GIS-Zentrum zentral gespeichert. Der PPM Commander dient als Bindeglied und sorgt für die nahtlose Integration der GNSS-Daten in verschiedene Anwendungsprogramme. Baumpfleger können die Baumpositionen und die auszuführenden Maßnahmen über Tablets aus der Cloud abrufen.
Mit Außenmaßen von 10x5x3 Zentimetern und einem Gewicht von 130 Gramm stellt der ppm 10xx GNSS-Sensor auch bei langen Arbeitstagen im Gelände keine Belastung dar. Je nach Einsatzzweck lässt sich der Sensor mit einem Antennenstab-Kit kombinieren, bestehend aus einem steckbaren, zwei Meter langen Karbonstab mit einer präzisen GNSS Helix-Antenne. Dieses Vermessungssystem wiegt weniger als ein Kilogramm (805 g).
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten und Bedeutung des Baum-Managements
Die Verantwortung für das Baum-Management der Bayerischen Schlösserverwaltung ist auf drei regionale Kompetenzstützpunkte in München, Garmisch und Bamberg verteilt. Ein Team von neun Baumkontrolleuren, bestehend aus Arboristen und Fachagrarwirten für Baumpflege, koordiniert die Aufgaben. Neben der Überarbeitung des bestehenden Baumkatasters müssen derzeit rund 14.000 verkehrssicherungspflichtige Einzelbäume an den Ufern der bayerischen Seen erfasst werden. Jeder Kompetenzstützpunkt ist mit einem ppm 10xx GNSS Sensor ausgestattet.
Der Satellitenempfänger findet auch Anwendung in der Denkmalpflege, beispielsweise bei der Vermessung von Wegen und Beeten. Michael Degle berichtet, dass er mit dem ppm 10xx GNSS Sensor innerhalb von drei Stunden 700 Punkte vermessen konnte, wofür früher Tage benötigt wurden. Dies zeigt sich unter anderem bei der Planung zur Ausstattung des Platzes vor der Amalienburg im Nymphenburger Schlosspark mit Nachbauten historischer Bänke, um das ursprüngliche Aussehen wiederherzustellen.
Der Klimawandel mit Extremwetterlagen, langen Trockenperioden und Schädlingen stellt die heimischen Bäume und damit auch die Bayerische Schlösserverwaltung vor große Herausforderungen. Die Pflege und Kontrolle der Bäume ist sicherheitsrelevant, da der Baumbesitzer, in diesem Fall der Freistaat Bayern, bei Schäden durch Bäume haftet.
Für Landschaftsarchitekt Degle bedeutet Baum-Management jedoch mehr: „Manager kommen in der Arbeitswelt überall dort zum Einsatz, wo großes Kapital verwaltet wird. Das Kapital unserer historischen Gartenanlagen sind die alten und wertvollen Bäume, die es zu erhalten gilt.“
