„MOOSzucht“: Nachhaltige Alternative zu Torf
Im Gartenbau wird Torf häufig zur Bodenverbesserung eingesetzt. Der Abbau dieses Substrats, das in Mooren entsteht, schädigt jedoch Ökosysteme und trägt durch erhöhte Kohlenstoffdioxid-Emissionen zur Klimaerwärmung bei.
Ein Forschungsprojekt namens „MOOSzucht“ zielt darauf ab, Torfmoose als schnell nachwachsende und nachhaltige Alternative zu entwickeln. Federführend ist die Universität Greifswald, beteiligt sind zudem das Karlsruher Institut für Technologie, eine Firma aus Niedersachsen sowie Prof. Dr. Ralf Reski und Privatdozentin Dr. Eva Decker von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Vorhaben über drei Jahre mit rund 1,1 Millionen Euro.
Hochmoore sind für die Klimaregulierung von Bedeutung, da sie die Biodiversität fördern und große Mengen Wasser sowie Kohlenstoffdioxid speichern. Die Fähigkeit zur Wasserspeicherung beruht auf abgestorbenen Torfmoosen, die als Torf im Gartenbau Verwendung finden.
Weltweit werden jährlich 30 Millionen Kubikmeter Torf verbraucht, davon neun Millionen Kubikmeter in Deutschland. Torfabbau und Entwässerungen für die Landwirtschaft haben dazu geführt, dass hierzulande nur noch knapp fünf Prozent der Moorlandschaften intakt sind. Frühere Projekte der Greifswalder Ökobiologen zeigten bereits, dass abgetorfte Moore eine geeignete Grundlage für das Wachstum neu ausgesäter Sphagnum-Moose bieten. Diese nachwachsenden Torfmoose können nach einigen Jahren geerntet und als Torfersatz im Gartenbau genutzt werden.
Diese Art der Nutzung nasser Moorflächen wird als Paludikultur bezeichnet. Sie reduziert CO2-Emissionen, erhält landwirtschaftliche Flächen, erhöht die Biodiversität, sichert Arbeitsplätze im ländlichen Raum und stärkt die regionale Wirtschaft.
Bisher verhindert aber ein Mangel an „Moossaatgut“ den kommerziellen Einsatz der Paludikultur. Außerdem muss deren Effizienz noch um mindestens 30 Prozent gesteigert werden.
Dies erklärt Professor Reski. Im EU-geförderten Projekt „MossClone“ haben Freiburger Biologen bereits Sphagnum in Bioreaktoren artenrein vermehrt.
Diese Technologie werden wir in MOOSzucht zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen vom Karlsruher KIT weiter verbessern. Außerdem werden wir unser Wissen über die genetische Beschaffenheit der Moose Physcomitrella und Sphagnum anwenden, um über so genanntes smart breeding besonders schnell wachsende Torfmoose zu gewinnen.
Die Gutachter des BMEL bewerteten die Verbindung von Pflanzenbiotechnologie, Bioverfahrenstechnik, Ökobiologie, Gartenbau und Landwirtschaft als innovativ und als Beispiel für die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie.
Die Freiburger Biologen sind auf Moosforschung spezialisiert und haben dazu beigetragen, Moose als Modellorganismen für Biologie und Biotechnologie zu etablieren. Ralf Reski ist Professor für Pflanzenbiotechnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er ist Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies und war Senior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) sowie am USIAS, dem Institute for Advanced Study der Université de Strasbourg.
