Trends im Gartenbau: Nachhaltigkeit, Kulinarik und Individualisierung prägen das kommende Gartenjahr

Messen und Veranstaltungen

Die Weltleitmesse des Gartenbaus präsentiert Innovationen und Trends für das kommende Gartenjahr. Nachhaltigkeit, kulinarische Aspekte und die Möglichkeit zur Individualisierung stehen dabei im Fokus und spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen wider.

Gartenjahr 2018: Innovationen und gesellschaftliche Einflüsse

Vom 23. bis 26. Januar präsentieren rund 1.600 Aussteller aus knapp 50 Ländern auf der Weltleitmesse des Gartenbaus Innovationen aus den Bereichen Pflanzen, Technik, Floristik und Ausstattung. Dabei werden die Trends für das kommende Gartenjahr vorgestellt. Ein Beispiel ist der Floristik-Trend Romance 3.0, der luxuriöse Materialien, volle Formen und intensive Farben in den Vordergrund rückt. Der Gartentrend Family Garden zielt darauf ab, Kinder spielerisch für Umweltthemen zu begeistern.

Lösungen für kleine Gärten oder Balkone sind ebenfalls gefragt. Auf der Messe wird beispielsweise ein Kartoffelturm gezeigt, der den Anbau von Kartoffeln in der Höhe ermöglicht. Neuzüchtungen wie Flower Sprout, eine Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl, sowie Blumen, die im Dunkeln leuchten, und ein versenkbarer Bierkühler für den Garten, die „Hopfenhöhle“, sind ebenfalls zu sehen. Soziale Veränderungen beeinflussen zunehmend, wie Endverbraucher auf Produkte und Dienstleistungen reagieren. Neben Qualität und Funktion gewinnen weitere Faktoren an Bedeutung.

Grünstylist und Trendwatcher Romeo Sommers skizziert auf der hortivation 2018 die aus diesen gesellschaftlichen Entwicklungen hervorgehenden Trends. Die Halle 13 der IPM ESSEN dient vom 23. bis 26. Januar als zentraler Anlaufpunkt für Verkaufsideen. Drei Trends stehen dabei im Fokus: Family Garden, Eat Your Green und The New Gardener. Für Konsumenten rückt die „Bedeutung“ eines Produkts oder einer Dienstleistung immer stärker in den Mittelpunkt: Wofür steht die Pflanze? Welchen Sinn erfüllt sie?

Endverbraucher fordern verstärkt Produkte, die mit ihrem individuellen Lebensstil vereinbar sind und die eigene Identität unterstreichen. Ein Globetrotter, der viel reist, wünscht sich nicht nur eine widerstandsfähige Pflanze, sondern auch eine, die durch exotisches Flair den kosmopolitischen Charakter des Besitzers betont. Aus dieser Entwicklung ergeben sich neue Trends und Absatzmöglichkeiten für Gartencenter.

Family Garden: Nachhaltigkeit als gesellschaftlicher Megatrend

Nachhaltigkeit wird als grüner Lebensstil wahrgenommen. Für viele Menschen, insbesondere Millennials, sind ein geringer CO2-Fußabdruck oder eine gute Ökobilanz identitätsstiftende Eigenschaften, die sie auch der nachfolgenden Generation vermitteln möchten. Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht zwangsläufig Verzicht. Neue Technologien und Produkte ermöglichen ein nachhaltiges und gleichzeitig komfortables Leben. Die Frage nach der Zukunft der Kinder beschäftigt Eltern zunehmend und beeinflusst ihre Lebensweise.

Gartencenter können dieses gestiegene Bewusstsein für Umweltthemen nutzen und Produkte anbieten, die diesen Lebensstil unterstützen. Verbraucher suchen nach Marken, die durch Transparenz und Authentizität überzeugen. Wer sich um das Bienensterben sorgt, bevorzugt bienenfreundliche Pflanzen, sofern diese unter nachhaltigen Bedingungen produziert wurden. Dieses Thema eignet sich, um Kinder spielerisch an das Gärtnern heranzuführen. Auch Zimmerpflanzen erleben aufgrund gesellschaftlicher Trends ein Comeback: In schnelllebigen Zeiten können sie als Quelle der Entspannung inszeniert werden, die gleichzeitig die Luft reinigen, für ein angenehmes Raumklima sorgen und die Geräuschkulisse des Raums verbessern.

Eat Your Greens: Gesundheit und Nachhaltigkeit als kulinarischer Trend

Aufgrund ökologischer Überlegungen, Missständen in der industriellen Tierhaltung oder aus Gesundheitsaspekten orientieren sich immer mehr Verbraucher an Lebensstilen, die eine gesunde, tierfreie Ernährung beinhalten. Für den grünen Einzelhandel bietet sich dies als Gelegenheit, eine größere Vielfalt an Obst und Gemüse anzubieten, das sich für den Anbau auf dem Balkon oder im Garten eignet. Essbare Blüten, die in den vergangenen Jahren in der Gastronomie Einzug gehalten haben, oder das Einkochen von Lebensmitteln nach traditioneller Art sind Beispiele dieser Entwicklung.

Gartencenter können ihren Kunden durch sinnliche Erlebnisse entgegenkommen und durch Geruchs- oder Geschmacksangebote zum Kauf anregen.

The New Gardener: Individualisierungsmöglichkeiten für Kunden

Verbraucher schätzen es zunehmend, durch die Kombination unterschiedlicher Produkte einen eigenen Stil zu kreieren, der ihre Persönlichkeit widerspiegelt. Gärten bieten hierfür eine ideale Möglichkeit, diese Kreativität auszuleben. Gartencenter sollten ihren Besuchern daher die Möglichkeit bieten, Produkte zu individualisieren und den Verbraucher stärker in die Gestaltung einzubeziehen. Ein individuell bepflanzbarer Kübel, in dem Kunden Pflanzen unterschiedlicher Farbe, Textur und Größe bereits vor Ort kombinieren können, ist ein möglicher Ansatz.

Besucher möchten immer wieder überrascht werden. Gartencenter können beispielsweise bewegliche Regale und Möbel nutzen, um Kunden bei jedem Besuch neu zu inspirieren und ein frisches Einkaufserlebnis zu bieten. Eine durchdachte Inszenierung von Flächen kann dazu führen, dass Konsumenten ihr Einkaufserlebnis über Social-Media-Kanäle teilen und so zu Multiplikatoren werden. Hinter dem Trend The New Gardener steckt zudem der Wunsch vieler Menschen, sich trotz wenig Zeit mit Blumen und Pflanzen zu umgeben, um dem stressigen Alltag zu entfliehen.

Die Gartenindustrie muss daher Produkte entwickeln, die das Gärtnern zeiteffizient und ohne großen Aufwand ermöglichen. Beispiele hierfür sind Blumenkübel mit integrierter Bewässerung oder stressresistente und pflegeleichte Pflanzen wie Sukkulenten. Die Trends für das Jahr 2018 zeigen, dass sich der Point of Sale zukünftig verstärkt an den Lebenswelten der Kunden orientieren muss. Verbraucher folgen nicht mehr, sondern geben den Takt vor. Konsumenten kaufen keine einfache Pflanze mehr, sondern suchen eine Pflanze, die zu ihrer Identität passt, ihre Werte bestätigt und ihnen ein gutes Gefühl vermittelt.

Wie sich dies für Gartencenter umsetzen lässt und welche absatzfördernden Verkaufsideen daraus entstehen, präsentiert die hortivation in Halle 13 der IPM ESSEN 2018.

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