Ganzheitlicher Ansatz für Klima und Natur
Die Landwirtschaftsminister der EU-Mitgliedstaaten beraten aktuell über das Thema Carbon Farming. Der Fokus liegt dabei auf der Rolle europäischer Böden im Klimaschutz. Es wird betont, dass neben der Speicherfunktion der Böden auch deren Bedeutung für die biologische Vielfalt berücksichtigt werden muss.
Gesunde Böden sind unerlässlich für den Schutz unseres Klimas und unserer Artenvielfalt. Dass die EU-Agrarministerinnen und -minister den Erhalt der wertvollen Funktionen unserer Böden in den Fokus rücken, ist ein erster wichtiger Schritt.
Die Initiative der EU-Kommission zur Entwicklung eines gesetzlichen Rahmens für die Zertifizierung des CO2-Abbaus wird grundsätzlich positiv bewertet. Kritisch wird angemerkt, dass Carbon Farming, wenn es ausschließlich auf einen Emissionsausgleich durch CO2-Zertifikate abzielt, die ökologischen Krisen verschärfen könnte. Dies könnte beispielsweise geschehen, wenn zur Erhöhung des Kohlenstoffs im Boden verstärkt chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
Für die Entfaltung des vollen Potenzials von Carbon Farming für Klima und Natur ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich. Dieser sollte die Reduktion aller Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft sicherstellen und die Regeneration von Ökosystemen fördern. Der Schutz der Natur sollte dabei im Mittelpunkt der Carbon Farming Initiative stehen. Ein freiwilliger CO2-Zertifikatemarkt allein kann diese Herausforderung nicht bewältigen.
Die EU-Kommission ist gefordert, einen politischen Rahmen zu schaffen, der Landwirten das notwendige Wissen und Anreize zur Förderung der gesamten Bodengesundheit bietet.
Hintergrund: Carbon Farming in der EU
Carbon Farming zielt darauf ab, Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft zu reduzieren und Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden, um der Klimakrise entgegenzuwirken. Bislang fehlt ein politisches Instrument, das Landwirten Anreize für die Kohlenstoffbindung und den Schutz der biologischen Vielfalt bietet. Die EU-Kommission plant, bis Ende 2022 einen EU-Rechtsrahmen für die Zertifizierung des CO2-Abbaus vorzuschlagen. Während der französischen Ratspräsidentschaft soll das Thema Carbon Farming in allen Mitgliedstaaten einen hohen Stellenwert erhalten.
Hintergrund: Leistungen und Zustand unserer Böden
Gesunde Böden sind essenziell für die Ernährungssicherung und die biologische Vielfalt an Land. Sie sind zudem ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Klimakrise. Die Humusschicht speichert und filtert Wasser, liefert Nährstoffe und bindet Kohlenstoff. Eine neu gebildete Tonne Humus entzieht der Atmosphäre etwa 1,8 Tonnen CO2 (Idel 2020).
Die aktuelle Landnutzung zeigt jedoch, dass viele wertvolle Ökosystemdienstleistungen der Böden zerstört werden. Die meisten landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland speichern keinen Kohlenstoff, sondern emittieren im Durchschnitt 0,19 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr (Jacobs et al. 2018). Eine schnelle Trendumkehr in der Bodengesundheit ist notwendig, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen.
