Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel
Angesichts der bewilligten staatlichen Dürre-Nothilfen fordert der NABU einen grundlegenden Umbau der Landwirtschaft. Gezielte Nothilfen seien notwendig, um die diesjährigen Ernteausfälle zu kompensieren, lösten jedoch das zugrunde liegende Problem nicht.
Die deutsche Landwirtschaft ist nicht genug vorbereitet auf die Folgen der Klimakrise. Dieses Jahr zeigt, wie verwundbar unsere Felder sind für Dürren, aber auch Hochwasser. Und Extremwetter-Ereignisse wie diese werden in Zukunft wohl weiter zunehmen.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke appelliert an Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner und Bundesfinanzminister Scholz, Vorsorge für eine zunehmend heißere Zukunft zu treffen. Nur so könne vermieden werden, dass Ernteeinbußen künftig erneut aus Steuergeldern ausgeglichen werden müssen.
Es wäre fatal, jetzt Hunderte Millionen mit der Gießkanne über die Felder zu verteilen. Der Effekt wäre schon nach wenigen Monaten verpufft – und wer sagt, dass wir nächstes Jahr nicht wieder vor demselben Problem stehen? Die Bundesregierung muss jetzt die Wurzel des Problems anpacken: Die Landwirtschaft muss vorbereitet werden auf den Klimawandel. Sie muss widerstandsfähiger werden – und das heißt naturverträglicher und nachhaltiger.
Der aktuelle Sommer habe gezeigt, dass das Förderprinzip einer intensiven und hochspezialisierten Landwirtschaft hohe Risiken birgt. Für Landwirte steige durch den Anbau weniger Sorten die Gefahr von Komplettausfällen. Für Bund und Steuerzahler wachse das Risiko, Milliardenhilfen bereitstellen zu müssen. Der NABU fordert daher, eine bodenschonendere Landwirtschaft sowie den Anbau vielfältigerer Sorten stärker zu fördern.
Kurzfristig könnte die Bundesregierung rund eine halbe Milliarde Euro zusätzlich für den Natur- und Klimaschutz in der Landwirtschaft bereitstellen. Dazu müssten 15 Prozent der jährlich nach Deutschland fließenden 4,5 Milliarden Euro an pauschalen Agrar-Direktzahlungen in die Förderung einer natur- und umweltfreundlicheren Bewirtschaftung umgeschichtet werden. Bislang nutzt Deutschland diesen EU-weit möglichen Rahmen lediglich zu 4,5 Prozent aus. Dadurch stehen den Landwirten nur rund 250 Millionen statt der möglichen 750 Millionen Euro zusätzlich für Klima- und Naturschutz zur Verfügung.
Zudem müsse sich Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner in den laufenden Verhandlungen zur künftigen EU-Agrarpolitik für eine natur- und klimaverträglichere Landwirtschaft einsetzen. Derzeit werden die rund 60 Milliarden Euro an Agrarsubventionen größtenteils nach Flächenbesitz verteilt, unabhängig von der Klimafreundlichkeit oder Intensität der Bewirtschaftung.
Der NABU fordert, Landwirte in der nächsten Förderperiode ab 2021 finanziell stärker dafür zu belohnen, wenn sie natur- und klimaverträglich wirtschaften.
Das enorme EU-Agrarbudget gibt diesen Kurswechsel her, bislang fehlt aber der politische Wille zu einer grundlegenden Änderung. Spätestens dieser Sommer sollte allen Verantwortlichen die Augen öffnen.
