Herausforderungen für europäische Wälder und ihre Bedeutung
Die Wälder stehen zunehmend unter Druck durch Erderhitzung und intensive Bewirtschaftung. In Deutschland sind laut Bundeslandwirtschaftsministerium 180.000 Hektar Wald stark geschädigt. Studien belegen zudem einen Rückgang der Insektenmasse in deutschen Wäldern um 41 Prozent zwischen 2008 und 2017, während die Artenvielfalt um 36 Prozent sank.
Die EU hat jetzt die große Chance, Arten und Klima im Wald gleichermaßen zu schützen. Diese Chance muss sie nutzen.
Es sei entscheidend, dass die EU nicht primär auf plantagenartige Aufforstungen mit schnell wachsenden Baumarten setze, um diese auf Klimaziele anzurechnen. Stattdessen sei der Umbau bestehender Wälder zu klimawandelsicheren Mischwäldern, die Kohlenstoff und Wasser speichern, wichtiger. Ein vermehrter Holzeinschlag unter dem Deckmantel des Klimaschutzes dürfe nicht stattfinden.
Strategische Ausrichtung und globale Verantwortung der EU
Die EU-Waldstrategie soll unter der deutschen Ratspräsidentschaft fertiggestellt werden und für die kommenden zehn Jahre gelten. Eine zentrale Herausforderung ist dabei der Stopp des Raubbaus an den letzten Urwäldern Europas, beispielsweise in Rumänien, Bulgarien und der Ukraine, die teils zum UNESCO-Weltnaturerbe gehören.
Die EU-Waldstrategie muss zudem unseren Fußabdruck in den Wäldern der Welt klar aufzeigen. Schon heute importieren wir über 50 Prozent des Zellstoffes für die Papierherstellung aus dem Ausland. Das geht auch auf Kosten von Urwäldern und Klima.
Des Weiteren müsse die energetische Nutzung von Holz reduziert werden. Aktuell werden in Deutschland über 60 Prozent des geschlagenen Laubholzes verbrannt. Holz werde oft geerntet, bevor die Bäume ihr Potenzial als CO2-Speicher voll ausgeschöpft haben. Daher sollte Holz mehrfach genutzt werden, etwa zuerst in Bauteilen, dann in der Möbelherstellung und schließlich zur Energiegewinnung.
Denn Holz ist – auch mit Blick auf die Klimakrise und den Zustand unserer Wälder – zu wertvoll, um nur verheizt zu werden.
