Naturschutz

Fledermäuse in Not: Nahrungsmangel durch Insektenrückgang

Deutschlands Fledermäuse stehen vor großen Herausforderungen: Der alarmierende Rückgang der Insektenpopulationen bedroht ihre Nahrungsgrundlage und könnte Arten wie das Große Mausohr gefährden. Experten fordern dringend Maßnahmen.

Insektensterben bedroht Fledermauspopulationen

Mit dem Ende des Winterschlafs beginnt für Deutschlands Fledermäuse die Jagd nach Nahrung, um ihre Energiereserven aufzufüllen. Experten des NABU warnen jedoch vor zunehmenden Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche, die einen Rückgang von Arten wie dem Großen Mausohr und der Zwergfledermaus zur Folge haben könnten.

Fledermäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Ein alarmierender Rückgang der Insektenpopulationen, dessen Ausmaß noch nicht vollständig erfasst ist, bedroht nicht nur einzelne Insektenarten, sondern die gesamte Biomasse. Dies hat weitreichende Folgen für die Nahrungskette.

„Fledermäuse sind auf Insekten angewiesen, genauso wie Mauersegler oder Schwalben. Sterben die Insekten, werden Blumen und Bäume nicht mehr bestäubt. Unsere gesamte Nahrungskette steht mit dem Zustand der Insektenwelt auf der Kippe“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Die 25 heimischen Fledermausarten jagen in der Dämmerung vor allem Mücken und Nachtfalter. Eine Fledermaus muss täglich bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts fressen, was in den Sommermonaten etwa einem Kilogramm Insekten entspricht.

Studien zeigen, dass das Grundnahrungsmittel der Fledermäuse in einigen Regionen Deutschlands knapp werden könnte. In Nordrhein-Westfalen ist die Gesamtbiomasse der Insekten in den letzten 15 Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Auch die Rote Liste weist auf eine Gefährdung jeder zweiten Wildbienenart hin.

„Bislang existieren nur einzelne punktuelle Untersuchungen zum Rückgang der Insekten. Das kann nicht die Lösung sein. Wir brauchen endlich ein bundesweites Monitoring, das dauerhaft den Zustand unserer Insektenwelt erfasst“, forderte der NABU-Präsident.

Als Hauptursachen für den Rückgang der Fledermäuse werden der Verlust geeigneter Lebensräume sowie der Einsatz von Insektiziden in der intensiven Landwirtschaft genannt. Pflanzenschutzmittel und andere Pestizide belasten Insekten mehrfach. Werden diese Insekten von Fledermäusen gefressen, reichern sich die Gifte im Körper der Tiere an, was diese oder ihren Nachwuchs schwächen kann.

Der NABU fordert eine Überprüfung aller kritischen Insektizide auf ihre Auswirkungen. Eine Zulassung sollte nur erfolgen, wenn keine schädigenden Folgen für Ökosysteme nachgewiesen werden. Zudem soll die Bundesregierung den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft drastisch reduzieren und sich auf EU-Ebene für ein Verbot bienenschädlicher Neonikotinoide einsetzen.

Auch Kommunen sind gefordert, den Einsatz von Glyphosat und anderen Pestiziden auf ihren öffentlichen Flächen zu verbieten. Die EU-Kommission befragt derzeit Bürger zur zukünftigen Agrarpolitik, wobei Themen wie Pestizideinsatz und Biodiversität im Fokus stehen. Die Ergebnisse sollen in die Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2021 einfließen. EU-Agrarkommissar Phil Hogan plant, Ende des Jahres erste Optionen für die Verteilung der Agrarsubventionen festzulegen.

09.04.2017

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