Ergebnisse der „Stunde der Gartenvögel“ 2021
Mehr als 140.000 Personen nahmen an der Aktion „Stunde der Gartenvögel“ vom 13. bis 16. Mai teil. Die wissenschaftliche Mitmachaktion von NABU und LBV erfasste über 3,1 Millionen Vögel aus mehr als 95.000 Gärten und Parks.
Nach der Rekord-Teilnahme während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr ist die Teilnehmendenzahl auf hohem Niveau geblieben. Das freut uns sehr. Die Corona-Krise hat unsere Sicht auf die Dinge verändert. Für die Natur ist es gut, wenn ein gewachsenes Interesse und die Freude an der Vielfalt vor der Haustür dazugehören.
Dies erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Vogelschutzexperten des NABU analysierten die Rohdaten und führten statistische Korrekturen durch. Im Durchschnitt wurden pro Garten knapp 33 Vögel von 11,4 unterschiedlichen Arten entdeckt. Dieser Wert liegt deutlich über dem Vorjahr, in dem mit rund 30 Vögeln der bisher niedrigste Wert ermittelt wurde. Seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005 zeigt sich der Vogelbestand in deutschen Dörfern und Städten als weitgehend stabil.
Unter den 66 am häufigsten beobachteten Arten überwiegen leicht die Arten mit abnehmenden Beständen: 20 Arten mit sinkenden Zahlen stehen 16 Arten mit zunehmenden und 30 Arten mit stabilen Zahlen gegenüber. Zu den Arten mit den größten Rückgängen zählen viele Fluginsektenjäger wie Mauersegler, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Grauschnäpper. Weitere ausschließlich von Insekten lebende Vogelarten wie Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Zilpzalp, Kuckuck, Nachtigall und Klappergrasmücke sind ebenfalls betroffen.
Im Gegensatz dazu zeigen einige Pflanzenfresser langfristig deutliche Zunahmen, darunter Ringeltauben, Stieglitz, Gimpel und Kernbeißer.
Wer unseren gefiederten Sorgenkindern helfen will, muss seinen Garten so gestalten, dass Insekten sich dort wohlfühlen: Heimische Laubgehölze pflanzen, Ecken mit Wildpflanzen anlegen und selbstverständlich auf Umweltgifte verzichten.
Die Rangliste der häufigsten Gartenvögel wird traditionell vom Haussperling angeführt. Es folgen Amsel, Kohlmeise, Star, Blaumeise, Feldsperling, Elster und Ringeltaube.
Das erstmals öffentlich gewählte Rotkehlchen, der Vogel des Jahres, erreichte mit Platz neun seine bisher beste Platzierung. Die Mehlschwalbe belegt den zehnten Platz.
Bei der Gartenvogelzählung liegt der Fokus auf häufigen Vogelarten. Die diesjährige Meldung von knapp 230 unterschiedlichen Vogelarten ist bemerkenswert und spiegelt die Vielfalt der Wohnlagen in Deutschland wider. So wurde in der Nähe von München eine seltene Kappenammer gesichtet, eine Art, die normalerweise auf dem Balkan lebt und in Deutschland bisher nur einmal gebrütet hat.
Selbst für erfahrene Ornithologen hält die Stunde der Gartenvögel immer wieder Überraschungen bereit.
Die nächste Mitmachaktion des NABU, der „Insektensommer“, findet vom 4. bis 13. Juni statt, bei der Insekten gezählt und gemeldet werden.
