Naturschutz

Schwarzbuch Bioenergie: Auswirkungen des Biomasse-Anbaus auf Lebensräume

Der Anbau von Energiepflanzen bedroht wertvolle Lebensräume weltweit, wie das Schwarzbuch Bioenergie aufzeigt. Es dokumentiert die Zerstörung durch Biomasse-Anbau, auch in Europa, und kritisiert die deutsche Biogasproduktion. Die Studie fordert strengere Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie.

Biomasse-Anbau: Eine globale Bedrohung für die Artenvielfalt

Der Anbau von Energiepflanzen trägt zum Verlust wertvoller Lebensräume für Tiere und Pflanzen bei. Dies betrifft nicht nur tropische Regenwälder, sondern auch europäische Ökosysteme. Das vom NABU-Dachverband BirdLife International und der Umweltorganisation Transport & Environment in Brüssel vorgestellte Schwarzbuch Bioenergie beleuchtet diese Problematik.

Das Schwarzbuch dokumentiert anhand von acht globalen Beispielen, davon sechs aus Europa, das Ausmaß der Zerstörung. Berichte über gerodete Urwälder in Finnland und Kahlschläge in der Slowakei zeigen, dass der Energiepflanzen-Anbau auch vor Schutzgebieten nicht Halt macht. Deutschland wird in diesem Kontext ebenfalls kritisch betrachtet, insbesondere aufgrund des regionalen Anstiegs von Maisanbauflächen für die Biogasproduktion.

Die Entwicklung in Deutschland wird anhand von Beispielen aus Niedersachsen verdeutlicht. Dieses Bundesland ist reich an Mooren, Feuchtwiesen und Grünland. In einigen Regionen Niedersachsens werden mittlerweile auf 60 bis 75 Prozent der Ackerfläche jährlich Mais in Intensivkultur angebaut.

Die besorgniserregende Entwicklung in Niedersachsen zeigt, dass Deutschland keineswegs das Vorzeigeland bei der nachhaltigen Nutzung von Biomasse ist. Die derzeitige Praxis konterkariert die selbstgesteckten Ziele der Bundesregierung beim Klimaschutz. Angesichts des Verlustes von wertvollen Lebensräumen durch den Biomasseanbau ist es absurd von ‚grüner Energie‘ zu sprechen. Klimaschutz paradox trifft es eher.

Der Anbau von Mais auf Moorböden führt zu einer Freisetzung von Treibhausgasen, die die Einsparungen durch den Ersatz fossiler Energieträger übersteigen können. Pro Hektar Mooracker können jährlich über 40 Tonnen Treibhausgase entweichen. Bereits 2011 sprach das Deutsche Biomasseforschungszentrum dieser Form der Biogasproduktion die Nachhaltigkeit ab.

Die negative ökologische Bilanz des Energiepflanzen-Anbaus beschränkt sich nicht nur auf die biologische Vielfalt und den Klimaschutz. Die intensive Nutzung und die damit verbundenen Stickstoffmengen aus Gärresten und Gülle, die auf den Feldern ausgebracht werden, stellen eine Gefahr für Oberflächen- und Grundwasser dar. In vielen Teilen Deutschlands werden bereits die zulässigen Grenzwerte für Nitrat im Grundwasser überschritten.

Die EU-Kommission hat Deutschland daher jüngst vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. NABU und BirdLife International fordern von der EU-Kommission, die Ende November ihr Klima- und Energiepaket 2030 vorlegen wird, die Festlegung strenger Nachhaltigkeitskriterien für den Anbau und die Nutzung von Bioenergie. Dazu gehört die Einführung einer Obergrenze für die energetische Nutzung von Biomasse.

BirdLife hat berechnet, dass maximal 152 Millionen Tonnen nachhaltig produzierte Biomasse für das Jahr 2030 energetisch zur Verfügung stehen. Es muss zudem sichergestellt werden, dass Bioenergie zukünftig ressourcen- und energieeffizient produziert wird. Dies könnte durch das Kaskadenprinzip gewährleistet werden, bei dem die energetische Nutzung von Biomasse erst nach wiederholter stofflicher Nutzung erfolgt.

Des Weiteren müssen klare Effizienzwerte festgelegt werden, um ineffiziente Praktiken wie die Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken zu verhindern.

22.11.2016

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