Naturschutz

Stromtrassen als Lebensräume: Ökologisches Trassenmanagement im Fokus

Ein neuer Praxis-Leitfaden der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe zeigt, wie Stromtrassen zu wertvollen Lebensräumen für Insekten, Vögel und Reptilien werden können. Er beleuchtet naturschonende Methoden der Trassenfreihaltung.

Potenziale für den Naturschutz: Naturschutzgerechte Trassenfreihaltung

Gesetzliche Vorgaben erfordern die Beseitigung hochwachsender Vegetation unter Freileitungen, um die Stromversorgung zu sichern. Bislang wird der Naturschutz bei dieser Trassenfreihaltung oft vernachlässigt, was zu Kahlschlägen und dem Verlust von Lebensräumen für Waldarten führen kann. Der Leitfaden zeigt auf, wie ein ökologisches Trassenmanagement eine naturschonendere Gestaltung dieser Freiflächen ermöglicht.

Stromtrassen werden bislang häufig nur als technische Bauwerke begriffen. Dabei können sie im Zusammenwirken von Netzbetreibern und Eigentümern zu wertvollen Lebensräumen für gefährdete Arten und Biotope entwickelt werden.

Dies betont Christian Unselt, NABU-Vizepräsident und Vorsitzender der NABU-Stiftung Nationales Naturerbe. Die Flächen unter den Leitungen sind in der Regel nicht im Besitz der Netzbetreiber. Eine dauerhaft extensive Trassenfreihaltung kann zur Entstehung seltener Lebensräume wie Zwergstrauchheiden oder stufig aufgebauten Waldrändern beitragen, die in intensiv genutzten Landschaften selten geworden sind.

Förderung der Artenvielfalt unter Stromleitungen

Solche Lebensräume bieten Rückzugsorte für seltene Insektenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, Reptilien wie die Zauneidechse oder Vögel wie die Turteltaube und den Neuntöter. Die NABU-Stiftung, die über 20.000 Hektar Naturschutzfläche besitzt, untersucht seit Anfang 2017 im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, wie Grundstückseigentümer eine naturschonende Trassenfreihaltung fördern können. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind nun im Praxis-Leitfaden zusammengefasst.

Wir hoffen, dass diese Beispiele andere Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Netzbetreiber und Naturschutzbehörden ermutigt, mehr für den Naturschutz zu tun. Bei Waldflächen unter Stromleitungen, die im Besitz der öffentlichen Hand sind, sollte sich ein Ökologisches Trassenmanagement als Standardbewirtschaftung etablieren.

Einige Stromnetzbetreiber haben bereits ein Trassenmanagement etabliert, das Naturschutzbelange berücksichtigt. Der Leitfaden konzentriert sich auf bestehende Freileitungen, doch viele seiner Bestandteile sind auch für die Umsetzung eines ökologischen Managements bei Neubauvorhaben relevant. Das Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

30.10.2019

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