Zu kleine Schutzgebiete und intensive Nutzung gefährden Artenvielfalt
Eine aktuelle Untersuchung im Rahmen des NABU-Forschungsprojekts DINA macht deutlich, dass Schutzgebiete in Deutschland kaum ausreichende Rückzugsräume für Insekten bieten. Trotz ihres Schutzstatus sind viele Flächen stark von angrenzender intensiver Landwirtschaft beeinflusst.
Ein zentrales Problem ist die enge Verzahnung von Schutzgebieten mit Ackerflächen. Über mehr als 11.000 Kilometer grenzen Naturschutzgebiete direkt an landwirtschaftlich genutzte Flächen, bei FFH-Gebieten sind es sogar über 21.000 Kilometer. Dadurch gelangen Dünger und Pflanzenschutzmittel in sensible Ökosysteme.
Kleine und isolierte Schutzgebiete
Die Studie zeigt, dass viele Schutzgebiete zu klein und unzureichend miteinander vernetzt sind. Intensiv bewirtschaftete Agrarflächen wirken als Barrieren und verhindern den genetischen Austausch zwischen Populationen.
Dies betrifft nicht nur Insekten, sondern auch andere Tier- und Pflanzenarten. Die Isolation führt langfristig zu einem Rückgang der Biodiversität, selbst innerhalb geschützter Flächen.
„Die Ergebnisse der Studie zeigen den Handlungsbedarf klar auf: Um die geschädigte Artenvielfalt wiederherzustellen, benötigen wir ausreichend große Schutzgebiete, in denen die Nutzung und Naturschutz aufeinander abgestimmt sind.“
Hoher Nutzungsdruck auch innerhalb der Schutzgebiete
Die Untersuchung belegt zudem, dass landwirtschaftliche Nutzung nicht nur an den Rändern stattfindet. Mehr als 440 Quadratkilometer Ackerfläche liegen innerhalb von Naturschutzgebieten, in FFH-Gebieten sind es sogar rund 1.300 Quadratkilometer.
In einer zwei Kilometer breiten Pufferzone um Schutzgebiete macht die Ackerfläche etwa 32 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Damit stehen viele Schutzgebiete unter direktem Einfluss intensiver Bewirtschaftung.
Maßnahmen für mehr Biodiversität
Um dem Rückgang der Artenvielfalt entgegenzuwirken, werden mehrere Ansätze als notwendig angesehen. Dazu zählen größere und besser vernetzte Schutzgebiete sowie nicht bewirtschaftete Strukturelemente wie Hecken oder Brachen.
Ein weiterer wichtiger Ansatz ist die deutliche Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln. Ergänzend wird der sogenannte Refugialflächenansatz diskutiert, bei dem Rückzugsräume für Insekten verpflichtend mit der landwirtschaftlichen Nutzung kombiniert werden.
„Um eine wirkliche Trendumkehr beim Insektenschwund zu erreichen, brauchen wir eine attraktive Honorierung für landwirtschaftliche Betriebe, die pestizidfreie Rückzugsräume schaffen.“
Forschungsprojekt mit breiter Datenbasis
Die Studie wurde vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und dem Entomologischen Verein Krefeld durchgeführt. Grundlage bildeten umfangreiche Geodaten zur Landnutzung in Deutschland.
Das Projekt DINA wird von mehreren Forschungseinrichtungen getragen und im Rahmen der FONA-Strategie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel ist es, wissenschaftliche Grundlagen für einen wirksamen Naturschutz und den Erhalt der Biodiversität zu schaffen.
