Naturschutz

NABU-Vogelzählung „Stunde der Wintervögel“ verzeichnet Rekordbeteiligung

Die NABU-Aktion „Stunde der Wintervögel“ erreichte eine Rekordbeteiligung mit über 185.000 Teilnehmern. Trotzdem wurden die niedrigsten Vogelzahlen pro Garten seit 2011 registriert. Einige Arten wie Haussperling und Ringeltaube zeigten Rekordergebnisse, während der Grünfink weiterhin rückläufig ist.

Rekordbeteiligung bei der Vogelzählung

Die vom 8. bis 10. Januar durchgeführte Aktion „Stunde der Wintervögel“ des NABU und des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) hat eine Rekordbeteiligung erreicht. Bis zum 13. Januar meldeten über 185.000 Personen ihre Beobachtungen. Insgesamt wurden dabei über 4,4 Millionen Vögel aus knapp 130.000 Gärten erfasst. Die Meldezahlen können noch bis zum folgenden Montag ansteigen.

Das Zwischenergebnis hat damit bereits die bisherige Rekordteilnahme aus dem Vorjahr weit übertroffen. Wir freuen uns sehr über die stetig wachsende Beliebtheit unserer wissenschaftlichen Mitmachaktion. Sicherlich hat auch der derzeitige Corona-Lockdown dazu geführt, dass mehr Menschen ihr Interesse für die Natur vor der eigenen Haustür entdecken.

Die Ergebnisse der Zählung zeigen jedoch einen Rückgang der Vogelpopulationen. Mit durchschnittlich 34,3 Vögeln pro Garten wurde der niedrigste Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 registriert.

Insgesamt ist das Ergebnis fast ein Spiegelbild des Winters 2017. Auch damals fehlten besonders die typischen Futterplatzbesucher, wie Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer – alles Arten deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind. Dieser ist im bis kurz vor der Zählung europaweit sehr milden Winter wohl teilweise ausgeblieben.

Auch die Sichtungen von Blaumeisen waren geringer. Eine Auswertung, ob das Blaumeisensterben aus dem Frühjahr 2020 hier Auswirkungen hatte, steht noch aus.

Einige sesshafte Arten und solche, die kalte Winter meiden, zeigten hingegen gute Bestände. Der Haussperling belegte wie in milden Wintern den ersten Platz der Wintervogelrangliste und erreichte mit 6,83 Vögeln pro Garten voraussichtlich ein neues Rekordergebnis. Auch die Ringeltaube verzeichnete einen neuen Rekord und wurde zum achthäufigsten Wintervogel in deutschen Gärten. Dies wird auf eine Bestandszunahme und eine geringere Zugneigung zurückgeführt. Das Rotkehlchen erreichte ebenfalls sein bestes Ergebnis seit 2011.

Ein besorgniserregendes Ergebnis lieferte der Grünfink, dessen Abwärtstrend sich fortsetzt. Es wurden nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten gemeldet, was einem Viertel des Bestandes von 2011 entspricht. Als Ursachen werden Infektionen mit Trichomonaden an Futterstellen sowie ein knapper werdendes Nahrungsangebot in landwirtschaftlichen Flächen vermutet.

Die fünf am häufigsten gemeldeten Arten waren Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Im Vergleich zum Vorjahr tauschten lediglich Feldsperling und Blaumeise die Plätze.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist die größte wissenschaftliche Mitmachaktion in Deutschland und wurde zum elften Mal durchgeführt. Vogelbeobachtungen können noch bis zum 18. Januar nachgemeldet werden. Ab dem 18. Januar beginnt die Wahl zum Vogel des Jahres, bei der aus zehn zuvor online bestimmten Kandidaten gewählt werden kann.

14.01.2021

Zurück