Zusammenarbeit statt Konkurrenz: Zwei Systeme, ein Ziel
Im Rahmen des Jubiläumsjahres "300 Jahre Nachhaltigkeit" wird verstärkt auf Waldbelange aufmerksam gemacht. Dies bietet eine Grundlage für die beiden international tätigen Waldzertifizierungssysteme PEFC und FSC. Weltweit sind etwa 430 Millionen Hektar Wald zertifiziert. Davon entfallen rund 250 Millionen Hektar auf die Nachhaltigkeitsstandards von PEFC, die ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen. Etwa 180 Millionen Hektar sind nach FSC-Standards zertifiziert. Angesichts einer globalen Waldfläche von vier Milliarden Hektar bleibt für beide Non-Profit-Organisationen weiterhin ein erheblicher Handlungsbedarf.
Kritik an der Position des WWF
PEFC Deutschland e. V. kritisiert die Haltung des WWF, der das Engagement für einen Großteil der weltweit zertifizierten Flächen infrage stellt. Auf einer Veranstaltung der FSC Arbeitsgruppe Deutschland e. V. forderte WWF-Waldreferent Johannes Zahnen von Wirtschaft und Politik eine klare Abgrenzung von PEFC. Er bezeichnete PEFC als einen zu niedrigen Standard und betonte:
... nur FSC ist nachhaltig
Diese Positionierung des WWF wird von PEFC Deutschland e. V. als strategisch motiviert und der Glaubwürdigkeit der Umweltorganisation nicht dienlich angesehen.
Ungenutzte Kooperationsmöglichkeiten
PEFC fördert die Beteiligung aller am Walderhalt interessierten Akteure und lädt den WWF regelmäßig zur aktiven Mitwirkung an der Entwicklung der PEFC-Standards ein. Der WWF nutzt diese Möglichkeit jedoch nicht und konzentriert sich einseitig auf FSC. Dies geschieht, obwohl PEFC in internationalen Studien unabhängiger Stellen, wie beispielsweise der britischen und niederländischen Regierung oder ITS Global, sowie von der EU und Beschaffungsstellen des Bundes und vieler Länder als gleichwertig anerkannt wird.
Der WWF tritt bei Veranstaltungen wie dem "Round-Table 'FSC – Ein Siegel für Wälder mit Zukunft'" mit einem vermeintlich unabhängigen Expertenstatus auf. Dabei bleibt für einige Zuhörer unklar, dass der WWF als Shareholder von FSC agiert. FSC wurde vom WWF gegründet, und der WWF ist in den Vorständen von FSC International sowie in vielen nationalen FSC-Gremien vertreten. Zudem hatten zwei der vier Generalsekretäre von FSC eine berufliche Vergangenheit beim WWF.
Prof. Dr. Ulrich Schraml, Vorsitzender von PEFC Deutschland, äußert sich dazu:
Bei allem Verständnis dafür, dass der WWF zunächst das eigene Baby küsst und die globalen Erfolge von PEFC in der bestehenden Konkurrenzsituation schmerzen mögen, mit der Verunglimpfung eines unmittelbar auf den Beschlüssen der Rio-Nachfolgekonferenzen basierenden Waldzertifizierungssystems wird der globalen Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedankens und damit dem Walderhalt ein Bärendienst geleistet
Fokus auf das Wesentliche
PEFC fordert alle gesellschaftlichen Gruppen, die am Wohlergehen der Wälder interessiert sind, auf, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Eine strategisch motivierte Diskussion über Systemfragen zur Profilierung nahestehender Organisationen bindet Ressourcen, die an anderer Stelle effektiver eingesetzt werden könnten. PEFC begrüßt die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen System, insbesondere im Hinblick auf die laufende Standardrevision. Viele Interessengruppen beteiligen sich aktuell daran, um positive Veränderungen für den Wald zu bewirken.
Die Darstellungen von WWF-Waldreferent Johannes Zahnen werden als irreführend und für die Weiterentwicklung der Waldzertifizierung sowie von PEFC als nicht zielführend betrachtet. PEFC wird weiterhin an der konstruktiven Auseinandersetzung mit dem eigenen System festhalten. Die Debatten sollen so geführt werden, dass sie dem Wald zugutekommen. Der PEFC-Weg der Waldzertifizierung wird in internationalen Studien unabhängiger Stellen, von der EU, den Beschaffungsstellen des Bundes und vieler Länder als zielführend anerkannt.
