Aus- und Weiterbildung, Bodenpflege

Nachhaltigkeit im Pflanzenbau: Ökonomie und Ökologie vereinen

Nachhaltigkeit im Pflanzenbau vereint ökonomische und ökologische Ziele. Landwirte planen die kommende Vegetationsperiode unter Berücksichtigung von Anbau, Boden, Düngung und Arbeitszeit. Dies sichert langfristig Produktion und Ressourcen.

Ökonomie und Ökologie: Eine Ergänzung statt Widerspruch im Pflanzenbau

Oftmals scheint im Pflanzenbau ein Konflikt zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen zu bestehen. Maßnahmen, die wirtschaftlich vorteilhaft erscheinen, wie der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, werden aus ökologischer Sicht kritisiert. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass sich Ökonomie und Ökologie ergänzen können.

Einsparungen bei Betriebsmitteln wie Dünger oder Pflanzenschutzmitteln sowie die Reduzierung von Überfahrten führen nicht nur zu Kostensenkungen, sondern vermindern gleichzeitig potenzielle Umweltbelastungen, beispielsweise durch Nitratauswaschung, Pflanzenschutzmittelrückstände oder CO2-Emissionen. Auch wenn nicht in allen Bereichen eine solche direkte Ergänzung möglich ist, sollte das Ziel darin bestehen, den Input an Energie, Arbeitszeit und Betriebsmitteln pro erzieltem Ertrag zu minimieren, um ein Optimum zwischen Input und Output zu erreichen.

Nachhaltigkeitssysteme als Managementinstrument für Betriebe

Verschiedene Nachhaltigkeitssysteme bieten Landwirten Ansätze, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig wirtschaftliche Erträge zu erzielen. Diese Systeme nutzen Indikatoren, um die Auswirkungen von Produktionssystemen auf Agrarökosysteme sowie die ökonomische und soziale Situation des Betriebs zu beschreiben. Solche Indikatoren vereinfachen, quantifizieren und kommunizieren betriebliche Daten.

Teilaspekte wie der N-Saldo oder die N-Effizienz werden auf Basis verfügbarer Daten messbar gemacht, was Rückschlüsse auf die Produktionsweise zulässt. Anhand dieser Bewertungen wird ein Nachhaltigkeitsprofil des Betriebes erstellt und mit einem Sollzustand verglichen. Dieser Soll-Ist-Vergleich zeigt auf, ob die Anforderungen erfüllt sind oder ob Optimierungen notwendig sind, um als nachhaltig wirtschaftender Betrieb anerkannt zu werden. Optimierungshinweise können zu Verbesserungen im Produktionssystem führen, oft verbunden mit Zeit- und Geldeinsparungen sowie einer Steigerung des Betriebsimages. Gezielte Maßnahmen können dabei Effekte auf mehrere Indikatoren gleichzeitig haben.

Zwischenfruchtanbau als nachhaltige Maßnahme im Ackerbau

In Ackerbaubetrieben zeigen sich häufig Defizite bei Indikatoren wie Biodiversität, N-Saldo und Humusbilanz. Eine enge Fruchtfolge mit humuszehrenden Kulturen wie Zuckerrüben oder Mais bei hohem Düngeraufwand kann diese negative Bewertung begründen. Eine effektive, aber oft unterschätzte Maßnahme zur Verbesserung dieser Aspekte ist die Integration von Zwischenfrüchten in die Fruchtfolge. Der Anbau von Winterzwischenfrüchten vor Mais oder Zuckerrüben hat sich in der Praxis bewährt.

Durch die Stickstoffaufnahme während der Herbstentwicklung reduzieren Zwischenfrüchte die N-Frachten im Boden, was sich positiv auf die N-Bilanz auswirkt. Zudem liefern sie zusätzliche organische Substanz, die als Ausgangsmaterial für Humus dient und eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Mulchsaat ist. Dies minimiert die Bodenerosion und den Austrag wertvollen Bodens und Nährstoffe. Neben diesen bekannten Effekten erhöhen Zwischenfrüchte die pflanzliche Artenvielfalt und die Durchwurzelung des Bodens, was zu einer verbesserten Bodenstruktur und einer Steigerung der biologischen Aktivität führt.

Diese Effekte fördern den Umsatz von Nährstoffen, den Abbau von Pflanzenschutzmittelrückständen, erhöhen das Wasserspeichervermögen und die Tragfähigkeit des Bodens. All diese Faktoren haben unmittelbare ökologische und mittelbare ökonomische Vorteile. Durch den Erhalt und die Verbesserung des Produktionsfaktors Boden kann dieser effizienter genutzt werden. Eine gute Bodenstruktur verbessert die Befahrbarkeit und beeinflusst die Bodenerwärmung, das Keimverhalten, das Wurzelwachstum, den Nährstoffumsatz und die Wasserversorgung. Diese Faktoren tragen zu einer besseren Bestandesentwicklung und einem erfolgreichen Ertrag bei.

Kostenfreie Seminare zur nachhaltigen Landwirtschaft

In Deutschland werden verschiedene Nachhaltigkeitssysteme für die Landwirtschaft angeboten, wobei die Auswahl des passenden Systems dem Landwirt obliegt. Ab Oktober werden kostenfreie Seminare und Workshops angeboten, die Landwirten eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen. Unabhängige Unternehmensberater, Pflanzenbauer und Nachhaltigkeitsspezialisten informieren praxisnah über die Grundlagen der Nachhaltigkeitssysteme, deren praktische Umsetzung und die Einschätzung der Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeit im Ackerbau sowie zu den Seminaren sind bei der DLG erhältlich. Ansprechpartner ist Klaus Erdle, erreichbar unter Tel. 069/24788326 oder per E-Mail: k.erdle@dlg.org.

30.08.2012

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