Naturnahe Außenanlagen stärken Biodiversität und Unternehmensimage
Der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern) hat Mitte Mai in Wiesent bei Wörth an der Donau eine Fachveranstaltung zur naturnahen Gestaltung von Unternehmensarealen durchgeführt. Rund 30 Teilnehmende informierten sich darüber, wie biodiversitätsfördernde Außenanlagen ökologische und wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen schaffen können.
Gastgeber war die Firma IRS Systementwicklung im örtlichen Gewerbepark. Das Unternehmen wurde im März 2024 vom bayerischen Umweltministerium als „Blühender Betrieb“ ausgezeichnet und dient als Praxisbeispiel für naturnahe Firmengelände.
Praxisbeispiel im Gewerbepark
Nach der Begrüßung durch Martin Sandkühler, Regionalvorsitzender des VGL Bayern in der Oberpfalz, führte Geschäftsführer Reinhard Schiegl gemeinsam mit Landschaftsgärtner Anton Robl und Biodiversitätsfachkraft Ines Fermum über das rund 1.200 Quadratmeter große Gelände.
Die Fläche wurde in den vergangenen Jahren grundlegend umgestaltet. Wo zuvor ein Maisacker lag, entstand eine vielfältige Landschaft mit Grün- und Funktionsflächen sowie Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.
Das Planungsbüro Robl ZeitLandschaften – Welt der Gärten übernahm Planung und Vegetationsarbeiten. Dabei kamen zertifizierte Blühwiesensaatmischungen sowie standortgerechte und überwiegend heimische Gehölze, Stauden und Bäume zum Einsatz.
Pflegekonzept für Blühflächen
Die Pflege der Wiesenflächen erfolgt in zeitlich und räumlich gestaffelten Mähintervallen. Diese Arbeiten übernimmt die Belegschaft der IRS Systementwicklung selbst. Das anfallende Schnittgut wird durch einen externen Dienstleister entsorgt, da kommunale Einrichtungen größere Mengen häufig nicht annehmen.
Die Erfahrungen zeigen, dass sich biodiversitätsfördernde Freiflächen im Hinblick auf Herstellung und Pflege kaum von konventionellen Anlagen unterscheiden. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige Vorbereitung bereits in der Planungsphase.
Dazu gehören unter anderem:
- vegetationsgerechte Behandlung und Lagerung des Oberbodens
- rechtzeitige Bestellung zertifizierter Blühwiesensaaten
- Berücksichtigung regionaler Ursprungsgebiete des Saatguts
- Festlegung angepasster Pflegekonzepte
Wirtschaftliche Vorteile naturnaher Außenanlagen
Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus der Freiflächen, können naturnahe Konzepte sogar wirtschaftlicher sein als konventionelle Anlagen. Darauf verweisen Studien unter Leitung von Prof. Holger Beiersdorf von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.
Neben den ökologischen Effekten profitieren Unternehmen auch von positiven Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld. Geschäftsführer Reinhard Schiegl betonte insbesondere den Einfluss auf Mitarbeiterzufriedenheit, Personalbindung und betriebliches Gesundheitsmanagement.
Blühpakt Bayern als zentrale Initiative
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war das Projekt Blühpakt Bayern, das vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz initiiert wurde. Ziel der Allianz aus Verbänden, Organisationen und Institutionen ist die Förderung der Artenvielfalt, insbesondere bei heimischen Insekten.
Die Auszeichnung „Blühender Betrieb“ ist Teil dieser Initiative und steht seit Kurzem auch Unternehmen im Garten- und Landschaftsbau offen.
Bürgermeisterin Elisabeth Kerscher verwies zudem auf die Beteiligung der Gemeinde Wiesent an der Biodiversitätsallianz der Donauvorwaldgemeinden. Vorbildbetriebe wie die IRS Systementwicklung könnten wichtige Impulse für die Entwicklung naturnaher Gewerbegebiete geben.
Austausch soll fortgesetzt werden
Beim abschließenden Rundgang informierten sich die Teilnehmenden auch über weitere Maßnahmen am Standort, darunter begrünte Dachflächen sowie Fassaden mit integrierten Photovoltaikmodulen zur Energiegewinnung.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass naturnah gestaltete Firmengelände sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Der fachliche Austausch zu diesem Thema soll in Zukunft fortgesetzt werden – spätestens bei der Landesgartenschau in Furth im Wald im Jahr 2025.

