Naturschutz

Forschungsprojekt untersucht Auswirkungen von Energiepflanzen auf die Artenvielfalt

Ein Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim untersucht die Auswirkungen von Energiepflanzen auf die Artenvielfalt. Ziel ist es, neue wissenschaftliche Standards zu etablieren, um zukünftige Studien vergleichbarer zu machen. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 288.000 Euro.

Herausforderungen für die Artenvielfalt durch Energiepflanzen

Ein Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim widmet sich der Untersuchung der Auswirkungen von Energiepflanzen auf die biologische Vielfalt. Ziel ist es, neue wissenschaftliche Standards zu etablieren, um zukünftige Studien in diesem Bereich besser vergleichbar zu machen. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt mit 288.000 Euro.

Auf zwölf Versuchsfeldern werden nicht nur Pflanzen und Tiere erfasst, sondern auch Methoden entwickelt, die eine fundiertere Bewertung der ökologischen Auswirkungen von Nutzland ermöglichen. Hintergrund ist die zunehmende Nutzung von Energiepflanzen in Deutschland, die bereits 20 Prozent der rund zwölf Millionen Hektar Ackerland einnehmen. Dabei dominiert Mais als Monokultur, obwohl Naturschützer ursprünglich eine größere Vielfalt in den Fruchtfolgen und einen Zuwachs an Artenreichtum erwarteten.

Artenvielfalt unter Druck

Die intensive Bewirtschaftung der Ackerflächen führt zu einem Rückgang der Artenvielfalt. Prof. Dr. Martin Dieterich, Leiter des Fachgebiets Landschaftsökologie und Vegetationskunde, weist darauf hin, dass die Wildkräuter im Zollernalbkreis von 130 Arten im Jahr 1950 auf heute nur noch 30 Arten zurückgegangen sind.

Besonders Mais steht in der Kritik, da er als schädlichste Energiepflanze für die biologische Vielfalt gilt. Landwirte zeigen jedoch Interesse an alternativen Energiepflanzen, deren Auswirkungen auf die Artenvielfalt bisher weitgehend ungeklärt sind. Das Forschungsprojekt definiert Mais als Pessimum und Wildkräutermischungen als Optimum im Hinblick auf die biologische Vielfalt.

Rangfolge der Energiepflanzen und neue Vergleichsstandards

Das Projekt untersucht die Biodiversitätseffekte von Energiepflanzen wie Raps (Biodiesel), Zuckerrüben (Industriealkohol), Miscanthus (Brennstoff) und unreifem Getreide (Biogasanlagen). Diese Pflanzen werden zwischen dem angenommenen Pessimum Mais und dem Optimum Wildkräutermischungen eingeordnet.

Auf mindestens ein Hektar großen Versuchsfeldern für jede der sechs Energiepflanzen wird die Artenvielfalt erfasst. Prof. Dr. Dieterich und sein Team konzentrieren sich dabei auf Gruppen, die verschiedene Funktionen im Ökosystem abdecken, darunter Wildpflanzen, Vögel, Insekten, Spinnen und Würmer. Die Analyse dieser Artenzusammensetzung soll Aufschluss über den naturschutzfachlichen Wert der jeweiligen Energiepflanze geben und wie gut verschiedene Ökosystemfunktionen repräsentiert sind.

Um die Vergleichbarkeit ökologischer Studien zu verbessern, werden identische Untersuchungen in zwei landschaftlich unterschiedlichen Regionen durchgeführt: im Kreis Sigmaringen und im Kreis Höxter. Es wird erwartet, dass die kleinstrukturierte Landschaft Oberschwabens eine höhere biologische Vielfalt aufweist als die Bördelandschaft in Nordrhein-Westfalen.

Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Entwicklung wissenschaftlicher Standards, da ökologische Studien bisher oft schwer vergleichbar sind. Prof. Dr. Dieterich kritisiert, dass das bloße Zählen von Pflanzen und Tieren keine ausreichende Methode zur naturschutzfachlichen Bewertung einer Landschaft darstellt. Stattdessen sei eine Gewichtung der Arten nach ihrer "Wertigkeit" entscheidend.

Pflanzen und Tiere an einem Ort einfach nur zu zählen, ist nicht die beste Methode, eine Landschaft naturschutzfachlich oder ökologisch zu bewerten.

Dabei wird zwischen Spezialisten und Generalisten unterschieden. Spezialisten gelten aus Naturschutzsicht als wertvoller, da sie stark an ihren Lebensraum angepasst sind und bereits auf geringfügige Änderungen empfindlich reagieren. Generalisten hingegen sind flexibler und können sich an Umweltveränderungen anpassen.

Hintergrund des Forschungsprojekts

Das Forschungsprojekt "Biomassenkulturen der Zukunft aus Naturschutzsicht" hat eine Laufzeit von 1,5 Jahren und ist Teil des Umweltforschungsplans des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Neben der Universität Hohenheim sind das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (Außenstelle Forchheim-Rheinstetten), die Hochschule Ostwestfalen-Lippe und das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) in Singen am Hohentwiel Projektpartner.

12.04.2012

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