Naturschutz

Naturschutz: Waldweideprojekt 1,7 Millionen Euro für das größte Waldweideprojekt in Deutschland

Modellprojekt Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde: Entwicklung einer halboffenen Waldlandschaft mit Beweidung, Artenschutz und Erholung vor den Toren Berlins.

Modellprojekt Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde

Ziel des Projekts ist es, die ehemalige Rieselfeldlandschaft im Naturpark Barnim in die größte beweidete, parkartige Waldlandschaft Deutschlands zu entwickeln. In Zeiten ausgeräumter und monotoner Landschaften soll so eine artenreiche und attraktive Kulturlandschaft entstehen.

Eine besondere Herausforderung stellt die sinnvolle Nachnutzung der ehemaligen Rieselfelder im Norden Berlins dar. Nachdem Aufforstungsversuche zu DDR-Zeiten nur begrenzten Erfolg hatten, eröffnet sich nun die Chance, einen vielfältigen Landschaftsraum für Natur und Erholung zu schaffen.

Von der Abwasserfläche zum multifunktionalen Lebensraum

Aus einem ehemals stark übernutzten Gebiet, das ausschließlich der Abwasserbeseitigung diente, soll sich ein multifunktionaler Lebensraum entwickeln. Auf rund 850 Hektar Waldflächen der Berliner Forsten werden künftig Konik-Wildpferde und robuste Rinderrassen eine halboffene Waldlandschaft pflegen.

„Das Besondere ist, dass erstmals eine großflächige Beweidung von Waldflächen stattfindet, die in der klassischen Waldbewirtschaftung heute nicht vorgesehen ist, früher aber vielerorts das Landschaftsbild geprägt hat“, erklärt Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

Beitrag zum Artenschutz und zur Erholung

Durch die extensive Beweidung sollen sich künftig seltene Arten wie Neuntöter, Heidelerche und Wendehals dauerhaft ansiedeln. Gleichzeitig entsteht vor den Toren Berlins eine arten- und erlebnisreiche Erholungslandschaft mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Der Bund beteiligt sich über einen Zuwendungsbescheid an den Förderverein Naturpark Barnim e. V. mit 1,7 Millionen Euro an dem insgesamt rund 2,9 Millionen Euro umfassenden Modellprojekt.

Förderung und Projektpartnerschaft

Weitere Beiträge leisten unter anderem der Förderverein selbst, die Berliner Forsten, der NaturschutzFonds Brandenburg sowie der Landkreis Barnim. Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

„Das Vorhaben verbindet Naturschutz, forstliche Perspektiven und eine hochwertige Erholungsnutzung im Umfeld der Metropole Berlin“, erläutert Bernd Hoffmann, Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Barnim e. V.

Projektgebiet und landschaftlicher Ansatz

Das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ liegt am nördlichen Stadtrand Berlins auf Berliner und Brandenburger Flächen rund um den denkmalgeschützten Ortsteil Hobrechtsfelde. Es ist Teil des rund 75.000 Hektar großen länderübergreifenden Naturparks Barnim.

Die ausgewählte Beweidungskulisse umfasst zehn Teilflächen mit insgesamt etwa 850 Hektar. Sie setzt sich aus Hochwald, halboffenen Waldflächen, Wiesen, Feuchtgebieten, Hochstaudenfluren und Trockenstandorten zusammen.

Beweidungskonzept und forstliche Zielsetzungen

Eingesetzt werden vor allem robuste Rinderrassen wie Highlands und Galloways sowie Wildpferde. Die Besatzdichte liegt bei etwa 0,2 Großvieheinheiten pro Hektar. Grundsätzlich soll die Walderhaltung gesichert und zugleich die Entwicklung einer halboffenen Waldlandschaft erprobt werden.

Untersucht werden sowohl naturschutzfachliche Ziele wie Lebensraumvielfalt und Übergangszonen zwischen Wald und Offenland als auch forstwirtschaftliche Aspekte, etwa die Förderung von Zielbaumarten und das Zurückdrängen invasiver Pflanzenarten.

Wissenschaftliche Begleitung

Die Maßnahmen werden durch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen evaluiert. Im Fokus stehen die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit der Beweidung sowie ihre Bedeutung für Naturschutz, Waldentwicklung und Erholungsnutzung.

Die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) koordiniert die wissenschaftliche Begleitung im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz.

Neuartigkeit des Vorhabens

Während Beweidungsprojekte in kleinerem Maßstab bereits existieren, ist die großflächige Beweidung von Waldflächen in dieser Form bundesweit neu. Besonderes Merkmal ist die Kombination unterschiedlichster Standortbedingungen innerhalb eines zusammenhängenden Projektraums.

Neu ist auch die enge Verzahnung von extensiver Waldweide und intensiver Erholungsnutzung. Besucherinnen und Besucher sollen künftig auch direkt über Weideflächen geführt werden.

Finanzierung

Das Bundesamt für Naturschutz stellt für das Projekt über vier Jahre rund 1,7 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums bereit. Weitere Fördermittel stammen von der Stadt Berlin, der Stiftung NaturschutzFonds Brandenburg und dem Landkreis Barnim.

Der Förderverein Naturpark Barnim e. V. bringt zusätzlich Eigenmittel in Höhe von 120.000 Euro ein.

Ausblick

Mit dem E+E-Vorhaben soll ein langfristig tragfähiger Ansatz für eine ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogene Nutzung der ehemaligen Rieselfeldlandschaft entwickelt werden. Beweidung und die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts bilden dabei zentrale Instrumente.

Der Landschaftsraum um Hobrechtsfelde soll sich zu einem herausragenden Natur- und Erholungsgebiet an der Peripherie der Metropole Berlin entwickeln und die Vernetzung der Landschaftsräume im Naturpark Barnim stärken.

04.05.2011

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Konstantinstr. 110
53179Bonn
Deutschland

Tel.:+49 228 8491-0
Fax:+49 228 8491-9999

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