Klimaschutzziele und die Rolle der Landwirtschaft
Das Bundeskabinett beabsichtigt, das „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ zu verabschieden, das alle Sektoren, einschließlich der Landwirtschaft, zur Erreichung der Klimaschutzziele verpflichtet. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Beate Jessel, weist darauf hin, dass die intensive Landwirtschaft nicht nur zur Verarmung von Lebensräumen und zum Artenrückgang beiträgt, sondern auch Treibhausgase in erheblichem Umfang emittiert.
Im Jahr 2012 war die deutsche Landwirtschaft für Emissionen von rund 76 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten verantwortlich. Dies entspricht 8,1 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen und den derzeitigen Emissionen Österreichs. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Methan aus Verdauungsprozessen und dem Wirtschaftsdüngermanagement sowie um Lachgasemissionen aus Wirtschaftsdünger, Düngung und landwirtschaftlich genutzten Böden.
Maßnahmen und positive Effekte
Prof. Jessel begrüßt die Verankerung der Reduzierung von Stickstoffüberschüssen durch die Novellierung der Düngeverordnung, die Erhöhung des Flächenanteils des ökologischen Landbaus, den Erhalt von Dauergrünland und den Schutz von Moorböden im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020.
Diese Handlungsfelder haben zudem positive Effekte in den Bereichen Biodiversität, Gewässerschutz und Luftqualität.
Parallel zum „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ hat das BfN eine Studie zu den Synergien von Natur- und Klimaschutz veröffentlicht. Die Realisierung der energiepolitischen Ausbauziele durch verschiedene Biomasse-Nutzungsformen (Strom, Wärme, Treibstoff) führt zu hohen Flächenansprüchen. Gleichzeitig stehen diese Anforderungen in Konkurrenz zur Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Futtermitteln und nachwachsenden Rohstoffen sowie der anhaltenden Versiegelung von Landwirtschaftsflächen, was den Forderungen nach verbesserten Umwelt- und Naturschutzleistungen entgegensteht.
Studienergebnisse und Empfehlungen
Die Studie bewertete die Wirkungen politischer Anreiz- und Steuerungsinstrumente sowie bestimmter Nutzungsformen hinsichtlich des Natur- und Klimaschutzes. Darauf aufbauend wurden Empfehlungen zur Weiterentwicklung des politischen Instrumentariums abgeleitet, um eine bessere Abstimmung einzelner Sektorpolitiken zur Realisierung von Klima- und Naturschutzzielen zu ermöglichen.
Die Untersuchung zeigte, dass eine Verknüpfung von effektiven Natur- und Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft, basierend auf den Kriterien Treibhausgas-(THG)-Vermeidungspotenzial und THG-Vermeidungskosten, Zielkonflikte reduzieren kann. Ein weiterer Flächenbedarf könnte begrenzt werden, wenn Maßnahmen mit einem hohen THG-Vermeidungspotenzial pro Hektar angewendet werden. In den berechneten Szenarien der Studie waren dies beispielsweise Kurzumtriebsplantagen (KUP), die Restaurierung von kohlenstoffreichen Böden (Moorböden) und das Absehen von weiterem Grünlandumbruch.
Energiemais zur Biogasgewinnung wurde als weniger geeignet eingestuft, da hier sowohl das THG-Vermeidungspotenzial pro Hektar geringer als auch die THG-Vermeidungskosten pro Tonne CO2-Äquivalent höher sind als bei anderen Maßnahmen.
Um eine entsprechende Entwicklung in Deutschland zu befördern, müssen gerade auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in der anstehenden neuen Förderperiode wie auch die Novellierung der Düngeverordnung essentielle Beiträge leisten.
Hintergrund der Forschung
Die Auswirkungen der Landbewirtschaftung auf Natur- und Klimaschutzaspekte sind vielfältig und können widersprüchlich sein. Politik versucht, diese Herausforderungen durch fiskal- und ordnungspolitische Instrumente zu mildern oder zu beheben. Das Forschungsprojekt „Instrumente zur Stärkung von Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz im Bereich Landbewirtschaftung“ untersuchte, wie die Instrumente des Klima- und Naturschutzes im Hinblick auf die Landbewirtschaftung besser aufeinander abgestimmt werden können. Die Ergebnisse dieses Projekts wurden kürzlich veröffentlicht.
