Naturschutz

Neobiota im Gewässermanagement: DWA legt Merkblatt-Entwurf vor

Die DWA hat den Entwurf des zweiteiligen Merkblatts DWA-M 626 zum Umgang mit wasserwirtschaftlich bedeutsamen Neobiota veröffentlicht. Dieses Dokument fasst den aktuellen Wissensstand zu gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten zusammen, deren Verbreitung ausschließlich auf menschliches Handeln zurückzuführen ist.

Herausforderungen durch invasive Arten

Die als wasserwirtschaftlich bedeutsam eingestuften Neophyten und Neozoen in Fließgewässern, Seen und deren Uferbereichen beeinflussen verschiedene Bereiche negativ. Dazu gehören die wasserwirtschaftliche Nutzung und Anlagen, die Gewässerunterhaltung, die Bewertung des ökologischen Zustands gemäß Europäischer Wasserrahmenrichtlinie, die Biodiversität sowie die menschliche Gesundheit und die Erholungsnutzung.

Diese negativen Einflüsse können direkte oder indirekte Maßnahmen zur Eindämmung oder Beseitigung der invasiven Arten erforderlich machen.

Inhalte des Merkblatts

Teil 1: Grundlagen

Dieser Teil des Merkblatts bietet einen Überblick über die Thematik Neobiota. Er enthält Definitionen, eine Einführung in die rechtlichen Grundlagen und beschreibt die potenziellen negativen Auswirkungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der detaillierten Beschreibung der Vektoren für die Ersteinbringung und weitere Ausbreitung der als wasserwirtschaftlich bedeutsam identifizierten Neophyten und Neozoen. Das Verständnis dieser Vektoren ist entscheidend für ein effektives Management, da nachhaltige Maßnahmen darauf abzielen sollten, diese Einbringungs- und Ausbreitungspfade zu unterbrechen.

Prävention und Vorsorge zur Verhinderung der Einführung und Etablierung von Neobiota stellen die effektivste Maßnahme dar. Darauf folgen Früherkennung und Sofortmaßnahmen, die bei neu auftretenden oder kleinräumig verbreiteten Arten eine vollständige Beseitigung mit geringem Ressourcenaufwand ermöglichen.

Teil 2: Artensteckbriefe

Der anwendungsorientierte zweite Teil des Merkblatts stellt 44 ausgewählte Neobiota in 25 Steckbriefen vor. Diese Arten gehören zu den rund 80 als "wasserwirtschaftlich bedeutsam" identifizierten Tier- und Pflanzenarten. Die zweiseitigen Steckbriefe umfassen:

  • Artbeschreibungen mit Hinweisen zur Bestimmung und zur Unterscheidung von heimischen Arten.
  • Informationen zu den Standortansprüchen der neobiotischen Arten.
  • Angaben zur Herkunft, zum Zeitpunkt und zur Art der Einbringung nach Deutschland.
  • Beschreibung der Ausbreitungswege.
  • Darstellung der relevanten negativen Auswirkungen jeder Art.
  • Praxiserprobte, artspezifische Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung, einschließlich der Materialbeseitigung.

Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit

Ein wichtiger Aspekt aller Managementmaßnahmen ist die Einbeziehung der Öffentlichkeit. Dies umfasst die Aufklärung über die negativen Folgen des Aussetzens unerwünschter gebietsfremder Haustiere. Zudem sind Meldungen aus der Bevölkerung über Vorkommen neobiotischer Arten und deren Unterstützung bei der Bekämpfung wertvoll.

Zielgruppe und Stellungnahme

Das Merkblatt richtet sich an Fachleute in Ländern, Kommunen und Verbänden, die für die Unterhaltung und Entwicklung von Fließgewässern und Seen zuständig sind, sowie an Mitarbeiter in wasserwirtschaftlichen Dienststellen, Naturschutzbehörden, Ingenieurbüros und Aufsichtsbehörden. Darüber hinaus sollen Studierende, Naturschutzbeauftragte und andere interessierte Bürger angesprochen werden, um ihr Interesse an dieser Thematik zu wecken.

Der Entwurf des Merkblatts DWA-M 626 steht bis zum 31. August 2017 zur öffentlichen Diskussion. Hinweise und Anregungen können schriftlich, vorzugsweise in digitaler Form, an Sylvia Sölter (soelter@dwa.de) bei der DWA gesendet werden. Während des Beteiligungsverfahrens ist der Entwurf kostenfrei im DWA-Entwurfsportal einsehbar, wo auch eine digitale Vorlage zur Stellungnahme bereitsteht. Eine Printversion oder ein E-Book im PDF-Format sind im DWA-Shop erhältlich.

Das Merkblatt wurde von der DWA-Arbeitsgruppe GB-1.8 „Neobiota“ unter der Leitung von Tanja Pottgiesser im DWA-Fachausschuss GB-1 „Ökologie und Management von Flussgebieten“ erstellt.

01.06.2017

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