Alarmierende Zahlen zum Feldvogelsterben
Neue Daten des European Bird Census Council belegen einen erheblichen Rückgang der Feldvogelpopulationen in Europa. Zwischen 1980 und 2016 sind in der EU 56 Prozent aller Feldvögel verschwunden. Dies betrifft Arten wie Feldlerchen, Kiebitze, Feldsperlinge und Stare.
Die Bestände europäischer Feldvögel verharren seit 2012 auf einem niedrigen Niveau. Ein Aufwärtstrend oder eine Stoppung des Rückgangs sind nicht erkennbar.
Diese Zahlen sind alarmierend. Vögel zeigen uns zuverlässig an, wie gesund eine Landschaft ist. Wenn die Bestände von Feldlerche und Co. einbrechen, ist es ein Zeichen dafür, dass unsere Wiesen und Felder veröden. Und auch dafür, wie fatal sich die aktuelle EU-Agrarpolitik auf die Vogelwelt auswirkt.
Viele der ehemals häufigen Arten finden in den heutigen Agrarlandschaften kaum noch Brut- und Lebensräume. Zudem fehlt es an Nahrung wie Insekten und Wildkräutern.
Situation in den neuen EU-Mitgliedstaaten und Deutschland
In den neueren EU-Mitgliedstaaten, darunter Bulgarien, Polen und Lettland, setzen sich die Rückgänge der Feldvogelbestände fort. Die EU-Agrarsubventionen tragen dort zu einer umweltschädlichen Landwirtschaft bei, was die Artenvielfalt beeinträchtigt.
Von dem Ziel der EU-Vogelschutzrichtlinie, alle Arten in einen guten Erhaltungszustand zu bringen, sind wir weiterhin meilenweit entfernt.
Auch in Deutschland ist die Lage kritisch. Der Agrarvogelindex der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zeigt einen Rückgang der wichtigsten Feldvögel um über 20 Prozent zwischen 1990 und 2015. Für den Zeitraum ab 1980 wird von einem Verschwinden von deutlich über 40 Prozent der Feldvögel ausgegangen. Der aktualisierte Index für Deutschland wird im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht.
Forderungen nach einer Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik
Eine Trendwende ist nach Ansicht des NABU nur durch eine grundlegend umweltverträglichere Ausrichtung der EU-Agrarpolitik möglich. Aktuell verhandeln die EU-Mitgliedstaaten über die Verteilung der Agrar-Subventionen ab 2021.
Für Landwirte muss es sich finanziell lohnen, auf ihren Flächen Lebensraum für Feldlerchen oder Kiebitze zu erhalten. Bislang bewirkt die EU das Gegenteil: Durch die Förderung von Flächenbesitz, ohne Rücksicht auf die Art und Weise wie auf den Flächen gewirtschaftet wird, sind Landwirte zu einer immer stärkeren Ausräumung ihrer Felder gezwungen. Damit muss Schluss sein, im Interesse von Natur, Verbrauchern und Landwirten.
Eine Umverteilung des EU-Haushaltspostens könnte Mittel freisetzen, um eine Agrarpolitik zu schaffen, die sowohl für Landwirte als auch für die Natur vorteilhaft ist. Dies könnte die finanzielle Attraktivität von Schutzstreifen für Feldlerchen oder Kiebitze, den Erhalt von Hecken, Brachen oder Feuchtflächen steigern. Ein verbesserter Feldvogelschutz würde auch anderen Arten wie Bienen und Hummeln zugutekommen, die für die Bestäubung in der Landwirtschaft essenziell sind.
Am 28. Januar verhandeln die EU-Agrarminister über konkrete Umweltmaßnahmen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Jahre 2021 bis 2028.
Frau Klöckner muss sich endlich für eine naturverträglichere Agrarpolitik einsetzen. Die Datenlage zum Niedergang der Natur in der Agrarlandschaft ist so eindeutig wie erdrückend. Sollte Frau Klöckner diese Fakten weiter in Frage stellen, macht sie sich mitschuldig am Verschwinden von Millionen Vögeln und dem Ausbluten des ländlichen Raums.
