Schutzmaßnahmen und Finanzierungsforderungen für den Kiebitz
Der Bestand des Kiebitzes in Deutschland ist seit 1992 um 88 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung, die der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bekannt gab, verdeutlicht die kritische Lage dieser Charakterart der Agrarlandschaft.
„Dem Kiebitz geht es noch deutlich schlechter als bislang befürchtet. Er teilt sein Schicksal mit Feldlerche, Rebhuhn und Co., deren Populationen sich ebenfalls in rasantem Sinkflug befinden“sagte Christoph Sudfeldt, Geschäftsführer des DDA, bei einer Veranstaltung zur zukünftigen EU-Agrarpolitik in Berlin.
Die Diskussion, an der unter anderem der NABU, die Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Landwirtschafts- und Umweltministerium Anke Erdmann sowie Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Deutschen Bauernverbands teilnahmen, konzentrierte sich auf die Notwendigkeit einer Umgestaltung der EU-Agrarpolitik. Ziel ist es, den Artenverlust auf Wiesen und Feldern zu stoppen. Jährlich werden rund 60 Milliarden Euro an Agrarsubventionen vergeben, die bisher hauptsächlich nach Flächenbesitz und unabhängig von umweltverträglichen Praktiken verteilt werden.
Der NABU hat in einem fünfjährigen Projekt mit Landwirten Maßnahmen zum Schutz von Kiebitzen erprobt. Als erfolgreich erwiesen sich sogenannte „Kiebitzinseln“, kurzzeitige Brachflächen innerhalb von Äckern, die bedrohten Vogelarten erfolgreiches Brüten ermöglichen. Auch das Markieren von Nestern trug dazu bei, die Vögel bei der Feldbearbeitung zu schützen. Im Grünland empfiehlt der NABU zudem die Vernässung von Flächen. Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt umgesetzt.
„Für den Schutz von Wiesenvögeln gibt es viele funktionierende Ansätze. Doch die besten Maßnahmen nützen nichts, wenn sie nicht auch entsprechend finanziert und umgesetzt werden. Die EU-Agrarpolitik muss jetzt grundlegend naturverträglicher werden. Sie muss Landwirte für ihren Schutz von Umwelt, Natur, Klima und Biodiversität besser entlohnen. Andernfalls droht der Kiebitz hierzulande bald auszusterben“mahnte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Er forderte, 15 Milliarden Euro im künftigen EU-Haushalt für Landwirte zu reservieren, die Naturschutzmaßnahmen umsetzen. Aus diesem Fonds könnten beispielsweise die Kiebitzinseln finanziert werden.
Des Weiteren sollen die Naturschutzverwaltungen bei der Ausgestaltung der Naturschutzförderung eine federführende Rolle übernehmen, um Steuergelder optimal für die Natur einzusetzen. Umweltschädliche Subventionen müssten abgeschafft und EU-weite Umweltstandards definiert werden, um einen nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft zu ermöglichen.
Regionale Perspektiven und Förderungen für den Kiebitzschutz
„Der markante Ruf des Kiebitzes ist auch bei uns in Schleswig-Holstein leider viel zu selten zu hören. Unser Ziel ist es, die Voraussetzungen für eine gesunde Kiebitzpopulation zu verbessern und die Zahl der Tiere nicht nur in den Schutzgebieten, sondern auch auf unseren Wiesen und Feldern zu vergrößern. Dazu müssen wir die gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten sowie den Naturschutzverbänden entwickelten Schutzmaßnahmen weiter intensivieren und vorantreiben und so einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt im Norden leisten“ergänzte Anke Erdmann, Staatssekretärin im schleswig-holsteinischen Landwirtschafts- und Umweltministerium.
Das Projekt „Sympathieträger Kiebitz“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie mit Mitteln des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein und der Hanns R. Neumann Stiftung gefördert.
