Neue Gefahr für Honigbienen: Tropilaelaps stellt Imkerei vor Herausforderungen

Allgemeines

Die Tropilaelaps-Milbe breitet sich in Richtung Europa aus und könnte Deutschland in drei bis sieben Jahren erreichen. Der Parasit schädigt die Brut von Honigbienen und vermehrt sich schneller als die Varroamilbe. Forschende fordern deshalb angepasste Strategien für Erkennung und Bekämpfung.

Der neue Bienenparasit erfordert angepasste Strategien für Früherkennung und Bekämpfung

Mit Tropilaelaps mercedesae breitet sich ein weiterer Parasit der Honigbiene in Richtung Europa aus. Die ursprünglich auf asiatische Riesenhonigbienen spezialisierte Milbe befällt seit mehr als 60 Jahren auch die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Funde in Westasien und Osteuropa zeigen, dass der Parasit inzwischen Regionen mit gemäßigtem Klima erreicht hat und dort überleben kann.

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Kirsten Traynor von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim geht davon aus, dass die Milbe Deutschland innerhalb der nächsten drei bis sieben Jahre erreichen könnte. Eine Übersichtsarbeit des Teams macht deutlich, dass sich Tropilaelaps in wesentlichen Punkten von der bekannten Varroamilbe unterscheidet. Für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung sind deshalb eigenständige Strategien erforderlich.

Die mögliche Ausbreitung betrifft auch den Gartenbau, da Honigbienen einen großen Teil der landwirtschaftlichen Bestäubung sichern. Eine Beeinträchtigung der Bienenvölker kann daher über die Imkerei hinaus Bedeutung für bestäubungsabhängige Kulturen haben.

Milbe verursacht schwere Schäden an der Brut

Tropilaelaps befällt die Brut der Honigbienen und kann bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden verursachen. Die Milben ernähren sich von der Hämolymphe der sich entwickelnden Bienen und hinterlassen zahlreiche Einstichstellen. Mögliche Folgen sind Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen sowie ein geringeres Körpergewicht.

Bei schlüpfenden Bienen können zudem Flug- und Lernfähigkeit eingeschränkt sein. Darüber hinaus überträgt Tropilaelaps verschiedene Krankheitserreger. Die Auswirkungen betreffen damit sowohl einzelne Tiere als auch die Entwicklung des gesamten Bienenvolkes.

„Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, beschreibt Dr. Traynor die Folgen. „Imker:innen aus bereits betroffenen Regionen Asiens und Russland berichten von erheblichen Völkerverlusten und einem andauernd hohen Aufwand für die Bekämpfung. Die neue Milbe erfordert eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten. Dies dürfte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf den Honigertrag haben, sondern auch den Arbeits- und Kostenaufwand für Imkerinnen und Imker deutlich erhöhen.“

Schnellere Vermehrung als bei der Varroamilbe

Eine besondere Herausforderung ist die Biologie von Tropilaelaps mercedesae. Im Unterschied zur weltweit verbreiteten Varroamilbe verbringt der Parasit nur eine kurze Zeit auf erwachsenen Bienen. Die Milben halten sich überwiegend in der verdeckelten Brut auf und wechseln bereits nach wenigen Tagen von einer Brutzelle in die nächste.

Dadurch kann Tropilaelaps neue Fortpflanzungszyklen schneller durchlaufen als Varroa destructor. Unter günstigen Bedingungen nimmt die Population innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7 zu. Die Population der Varroamilbe verdoppelt sich im gleichen Zeitraum etwa.

„Die Gefahr liegt nicht nur in den direkten Schäden an der Brut, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der sich dieser Parasit vermehren und ausbreiten kann“, sagt die Expertin: „Unter günstigen Bedingungen vermehrt sich Tropilaelaps innerhalb eines Monats etwa um den Faktor 2,7, während sich die Population der Varroamilbe im gleichen Zeitraum etwa verdoppelt.“

Ähnliche Symptome erschweren die Früherkennung

Zusätzlich erschwert die Ähnlichkeit der Symptome eine zuverlässige Diagnose. Ein Befall mit Tropilaelaps kann mit einem Varroabefall verwechselt oder erst spät erkannt werden. Da sich die Milben nur kurzzeitig auf erwachsenen Bienen aufhalten, sind sie dort kaum zu entdecken.

„Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Dr. Traynor.

Diese kurze Aufenthaltszeit erschwert nicht nur die Überwachung, sondern auch die Bekämpfung. Als besonders geeignete Verfahren zur Kontrolle gelten deshalb Untersuchungen der verdeckelten Brut und das Sammeln natürlich abgefallener Milben auf Bodeneinlagen. Zusätzlich arbeiten Forschende an Nachweisverfahren auf Basis von Umwelt-DNA (eDNA), die insbesondere in tropischen Regionen vielversprechende Ergebnisse liefern.

Überwachung und Bekämpfung frühzeitig vorbereiten

Warum sich Tropilaelaps in den vergangenen Jahren so schnell ausgebreitet hat, ist bislang nicht geklärt. Das internationale Forschungsteam befürchtet jedoch, dass der Parasit in der europäischen Imkerei größere Schäden als die Varroamilbe verursachen und dadurch auch die Bestäubungsleistung beeinträchtigen könnte.

Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt Dr. Traynor.

Die frühzeitige Erkennung wird damit zu einem wesentlichen Baustein im Umgang mit dem neuen Parasiten. Gleichzeitig müssen Bekämpfungsmaßnahmen an dessen spezifische Biologie angepasst und international abgestimmt werden, bevor sich Tropilaelaps mercedesae in weiteren Regionen etablieren kann.

Weitere Informationen

Die Übersichtsarbeit von Williams GR, Aurell D, Gill MC, Khongphinitbunjong K, Tokach R und Traynor KS trägt den Titel „Tropilaelaps mercedesae: rapid geographic expansion in a novel honey bee host“. Sie erschien am 5. August 2026 online in „Trends in Parasitology“ und ist unter doi.org/10.1016/j.pt.2026.07.002 abrufbar.

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