Schattierung, Lüftung und moderne Energietechnik sichern das Klima unter Glas
Der Sommer 2026 brachte in Europa Rekordtemperaturen, die in einigen Regionen auf mehr als 40 Grad Celsius stiegen. Für Gewächshausbetriebe stellt solche Hitze eine besondere Herausforderung dar. Ohne geeignete Maßnahmen können die Temperaturen unter Glas schnell kritische Werte erreichen.
Ursache ist der Glashauseffekt: Einfallendes Sonnenlicht wird in Wärme umgewandelt und bleibt im geschlossenen Raum. Der niederländische Gartenbau verfügt über langjährige Erfahrungen damit, das Klima auch auf großen Gewächshausflächen zu steuern. Im Unterglas-Zierpflanzenbau spielen dabei Schattierung, Lüftung und die Verdunstungsleistung der Pflanzen zusammen.
Sonnenschutz und Verdunstung gegen hohe Temperaturen
Gerbera United, ein Zusammenschluss von drei Gerbera-Gärtnereien in Moerkapelle, Zevenhuizen und Nootdorp, setzt bei hohen Temperaturen auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen. Dazu gehören eine sichere Schattierung, automatisierte Lüftung und die Nutzung der Verdunstungsleistung der Pflanzen.
„In den heißen Tagen hatten wir tagsüber in unseren Gewächshäusern regelmäßig Temperaturen von ca. 33 Grad Celsius, während es draußen 37 Grad Celsius und heißer war. Hier zeigt sich, wozu Pflanzen fähig sind."
Für die Schattierung wurden die Glasflächen von außen mit einer speziellen Kreide besprüht. Zusätzlich zog der Betrieb die Energieschirme in den Gewächshäusern zu. Dadurch konnte deutlich weniger Sonnenlicht in die Anlagen einfallen.
Auch der Topfpflanzenbetrieb VDE plant aus Woubrugge kombiniert Schattierung und Lüftung. Auf mehr als zwölf Hektar Gewächshausfläche kultiviert das Unternehmen tropische Zimmerpflanzen. Trotz der extremen Außentemperaturen ließ sich das Klima in den Gewächshäusern stabil halten.
Die hohen Temperaturen wirken sich dabei nicht nur auf die Pflanzenproduktion aus. VDE plant passte während der heißen Wochen auch die Arbeitsorganisation für seine 80 Mitarbeitenden an.
„Die Temperatur zu steuern ist nicht nur wichtig für die Pflanzen, sondern auch für unsere 80 Mitarbeitenden. So haben wir in den heißen Wochen die Arbeitszeiten in die kühleren Morgenstunden verlegt und zusätzliche Trinkpausen eingeführt."
Klimatisierung ist eine ganzjährige Aufgabe
Der Umgang mit sommerlicher Hitze ist nur ein Teil der Anforderungen an die Klimatisierung im Zierpflanzenbau. Steigende Energiekosten und das Ziel, nachhaltige Technologien zu etablieren, haben niederländische Gewächshausbetriebe in den vergangenen Jahren zu umfangreichen Investitionen veranlasst. Zum Einsatz kommen unter anderem Wärmepumpen, Geothermie und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).
Sowohl VDE plant als auch Gerbera United betreiben KWK-Anlagen. Diese liefern Wärme und CO₂ für die Pflanzenproduktion und tragen zugleich zur Stabilisierung des Stromnetzes bei. Damit ist die technische Klimatisierung eng mit der Energieversorgung der Betriebe verbunden.
Klimaneutrale Produktion bis 2040 angestrebt
Die niederländische Gewächshausbranche hat sich im Rahmen des „Convenant Energietransitie Glastuinbouw“ das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu produzieren. Initiativen wie „Kas als Energiebron“ – auf Deutsch „Das Gewächshaus als Energiequelle“ – begleiten die Entwicklung nachhaltiger Energie- und Klimatisierungssysteme.
Die Erfahrungen aus dem Hitzesommer 2026 zeigen zugleich die Bedeutung abgestimmter Maßnahmen im Unterglas-Zierpflanzenbau. Schattierung, automatisierte Lüftung und pflanzliche Verdunstung können dabei ebenso eine Rolle spielen wie langfristige Investitionen in die Energie- und Klimatechnik der Gewächshausbetriebe.


