Die Bäume machen ganzjährig den Charme der 45 ha großen Insel im Bodensee aus und könnten sie sprechen, hätten sie viel zu erzählen von ihrer zum Teil langen Geschichte. Es war der badische Großherzog Friedrich I., der die Baumsammlung 1853 begründete. Seine Vorliebe galt seltenen Gehölzen aus aller Welt. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die Sammlung ständig bereichert und gepflegt. Besonders gewaltig sind heute einige Exemplare des Riesenmammutbaumes (Sequoiadendron giganteum). Die Samen dieser Bäume kamen 1853 aus Kalifornien. 1864 ließ Friedrich I. zahlreiche Bäume auf der Mainau pflanzen. Damit gehören sie zu den ältesten ihrer Art in Europa. Heute umfasst die Baumsammlung der Mainau mehr als 500 verschiedene Arten von Laub- und Nadelgehölzen. Darunter befindet sich einer der „ältesten" Urweltmammutbäume (Metasequoia glyptostroboides) Deutschlands. Der aus China stammende Baum war 1952 als 70 Zentimeter großes Bäumchen im Ufergarten ausgepflanzt worden.
Mit Sachverstand
Neben den riesigen Mammutbäumen befinden sich kostbare Zedern, Metasequoien und Tulpenbäume. Könnten die Bäume sprechen, würden sie aber nicht nur von einer bewegten Geschichte erzählen, sondern auch von gewaltigen Stürmen, Wind und Wetter und von zunehmenden Schwierigkeiten mit den Bedingungen, die mit dem Klimawandel einhergehen. Gerade letztere erfordern zunehmend großen Aufwand einer Profession, die man als Parkbesucher*in selten wahrnimmt, auch wenn sie gelegentlich mit schwerem Gerät und abenteuerlich hoch im Baum ihre Arbeit machen. Wenn wir die Bäume heute erhaben und sattgrün wahrnehmen, dann wäre das ohne ständigen fachlichen Beistand der professionellen Gärtner*innen und Baumpfleger*innen, die sie gut im Auge behalten, nicht möglich. Bei tausenden Besucherinnen und Besuchern, die jährlich zur Mainau reisen, ist die Baumpflege essentiell, sonst könnte die Verkehrssicherheit nicht garantiert werden.
Pflanzt Bäume! Die Richtigen, richtig!
Der Ruf nach mehr Grün und mehr Bäumen ist derzeit so laut wie selten. Der extrem heiße und trockene Sommer rückt das Grün vor allem im urbanen Raum ins Blickfeld und Bürgerinnen und Bürger, die von ihren Städten mehr lebendiges Grün einfordern, werden laut. Die europaweite Junihitze hat es wieder einmal deutlich gemacht. Bäume kühlen, spenden Schatten, produzieren lebenswichtigen Sauerstoff und sorgen für Aufenthaltsqualität im bebauten Raum. Aber Baum ist nicht Baum und nicht jeder Standort eignet sich. Mit den Klimaextremen verändern sich auch die Sortimente: So manche Exoten kommen mit Trockenheit und Hitze einfach besser zurecht als beispielsweise die heimische Buche. Im Arboretum der Mainau stehen heimische Gehölze neben exotischen Bäumen, das günstige Bodenseeklima lässt hier sogar Palmen und andere mediterrane Pflanzen gedeihen.
Gartendirektor Markus Zeiler, der seit über 20 Jahren auf der Mainau arbeitet, kennt seine Bäume und deren Zustände bestens. Sorgen macht er sich vor allem um die heimischen Buchen, die Trockenschäden zeigen und deren Äste absterben. Auch die Eschen leiden hier. Den Scheinzypressen fehlt es an Luftfeuchtigkeit. Das Thema der Klima- oder Zukunftsbäume ist auch auf der Mainau Diskussionsgegenstand. Zeiler: „Wir müssen die Zukunftsbäume, die sich gerade gut hervortun, in den nächsten Jahren gut im Blick behalten. Ich will nicht ausschließen, dass solch eine Baumart in 50 Jahren das Potenzial zum Neophyten hat." Unter Neophyten werden Pflanzen verstanden, die nach 1492, dem Jahr der Ankunft Christoph Kolumbus in Amerika, vom Menschen in Gebiete eingeführt wurden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkamen. Das kann sowohl direkt oder indirekt, bewusst oder unbewusst geschehen sein. In den letzten 500 Jahren gelangten viele Pflanzen in unsere Breiten und konnten sich bestens etablieren. Viele davon betrachten wir heute längst als heimisch, führen zu teils schwierigen Diskussionen und werden auch für das Artensterben verantwortlich gemacht.
Die sicht- und hörbare Artenvielfalt auf der Bodenseeinsel wäre noch einmal ein ganz anderes Thema - ebenso die vielen Anregungen und Inspiration, die die Mainau neben den Bäumen zu sehr vielen Aspekten liefert. Sei es jetzt im Sommer der Rosengarten mit rund 500 Sorten, der Dahliengarten mit 20.000 Pflanzen in 250 Sorten, das Schmetterlingshaus ... Bei einer aufmerksamen Wanderung über die Insel findet man zahlreiche solcher botanischen und zoologischen Superlative. Und wer es in diesem Sommer nicht auf die Mainau schafft, dem sei die Frühlingsallee mit Millionen Zwiebelblühern im März und April des kommenden Jahres in den Kalender geschrieben..


