Naturschutz

Artenvielfalt in der Agrarlandschaft: NABU-Studie fordert Kurswechsel in der EU-Agrarpolitik

Eine neue NABU-Studie beleuchtet Wege zur Rettung der Artenvielfalt auf Äckern und Wiesen. Sie fordert eine Umverteilung der EU-Agrargelder, um das Artensterben aufzuhalten und Landwirte für naturverträgliche Bewirtschaftung zu belohnen.

Wege zur Rettung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft

Eine aktuelle Studie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), durchgeführt vom Institut für Agrarökologie und Biodiversität (ifab Mannheim), beleuchtet Wege zur Rettung der Artenvielfalt auf Äckern und Wiesen. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass eine Umverteilung der EU-Agrargelder entscheidend ist, um das Artensterben in der Agrarlandschaft aufzuhalten.

Die Agrarökologen empfehlen, 50 Prozent der aktuellen Direktzahlungen an Landwirte künftig für eine naturverträgliche Bewirtschaftung von Lebensräumen zu verwenden. Für Deutschland wird hierfür ein jährlicher Finanzbedarf von etwa 2,4 Milliarden Euro veranschlagt. Diese Mittel sollen sicherstellen, dass Arten wie Feldlerchen und Wildbienen wieder ausreichend Lebensraum finden.

Der NABU appelliert an Bundesagrarministerin Julia Klöckner und die Agrarminister der Länder, sich für einen naturverträglicheren Kurs in der Agrarpolitik einzusetzen. Insbesondere wird gefordert, dass Deutschland konkrete Pläne zur nachhaltigeren Gestaltung der EU-Agrarförderung vorlegt. Hintergrund ist die Entscheidung des EU-Agrarausschusses, ab 2021 weniger Mittel für nachhaltig wirtschaftende Landwirte bereitzustellen.

Nochmal zehn Jahre eine solch zerstörerische Agrarpolitik und Insektensterben können wir uns nicht erlauben. Wir brauchen jetzt einen Kurswechsel. Für Landwirte muss es sich lohnen, unsere Lebensgrundlagen zu schützen.

Dies betont NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Er warnt vor einer Wiederholung vergangener Fehler, die zu Vertragsverletzungsverfahren und wachsendem Unmut in der Bevölkerung führen könnten.

Die Studienautoren heben hervor, dass in den letzten Jahrzehnten zu wenig für die Artenvielfalt in der Landwirtschaft getan wurde. Sie analysierten die Anforderungen zur Sicherung und Förderung typischer Arten der Agrarlandschaft, darunter Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn, Wiesenpieper sowie Acker- und Grünland-Wildkräuter. Auf dieser Basis wurden notwendige Maßnahmen, deren Flächenumfang und das erforderliche Budget abgeleitet.

Ein zentraler Fokus der Studie liegt auf den sogenannten Eco-Schemes, einem neuen Instrument der EU-Agrarpolitik. Diese werden als besonders geeignet angesehen, die Artenvielfalt flächendeckend zu erhöhen. Nach den Plänen der EU-Kommission sollen diese Maßnahmen von jedem Mitgliedstaat angeboten werden, freiwillig, einfach umsetzbar und attraktiv entlohnt sein. Sie sind als Teil der "Ersten Säule" vollständig von der EU finanziert.

Um die Wirksamkeit der Eco-Schemes für Agrarvögel und Insekten zu gewährleisten, müssen effektive Maßnahmen auf einem ausreichend hohen Flächenanteil umgesetzt und finanziell attraktiv gestaltet werden. Die Studie schlägt vor, hocheffektive Maßnahmen auf mindestens 18 Prozent der Ackerfläche und 28 Prozent der Wiesen und Weiden umzusetzen, was in Deutschland rund 3,5 Millionen Hektar entspricht. Zusätzlich soll der Ökolandbau auf 1,7 Millionen Hektar gefördert werden.

Konkret empfehlen die Studienautoren für das Ackerland:

  • Anlage von Extensivgetreide oder Lichtäckern auf 15 Prozent der Fläche mit einer Förderung von 400 Euro pro Hektar.
  • Anlage von über- oder mehrjährigen Blüh- und Brachestreifen auf weiteren drei Prozent der Fläche mit einer Förderung von bis zu 750 Euro pro Hektar.

Im Grünland sollen artenreiche und extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden sowie Streuobstwiesen mit 350 bis 500 Euro pro Hektar unterstützt werden. Der Ökolandbau soll 300 Euro pro Hektar erhalten. Der Gesamtfinanzbedarf für die Eco-Schemes beläuft sich auf rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr, was etwa der Hälfte der derzeitigen Direktzahlungen an Deutschland entspricht.

Darüber hinaus soll verpflichtend sein, dass alle Landwirte, die Direktzahlungen erhalten, Landschaftselemente wie Hecken, Pufferstreifen und Brachflächen erhalten oder neu anlegen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen könnte Deutschland helfen, seine Biodiversitätsziele in der Agrarlandschaft zu erreichen.

Der NABU sieht sich durch die Studienergebnisse in seiner Forderung bestätigt, dass im künftigen EU-Agrarhaushalt insgesamt mindestens 15 Milliarden Euro für den Naturschutz bereitgestellt werden müssen und mindestens 50 Prozent der Ersten Säule dieses Ziel verfolgen sollten. Dies soll eine Umwandlung der pauschalen Flächenprämien in Anreize für mehr Umweltschutz ermöglichen.

09.04.2019

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