Aus- und Weiterbildung

Neue Studiengänge begegnen Fachkräftemangel in der Bioenergiebranche

Die Universität Hohenheim und die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg starten zwei neue Bachelor-Studiengänge, um dem Fachkräftemangel in der Bioenergiebranche entgegenzuwirken. Diese einzigartigen Angebote sind eine Reaktion auf den wachsenden Bedarf an Spezialisten.

Hervorragende Berufsaussichten in der Bioenergie

Die Berufsaussichten in diesem Bereich gelten als vielversprechend. Die EU-Kommission beschloss bereits 2005 im Biomasse-Aktionsplan, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2010 zu verdoppeln, wobei Bioenergie 75 Prozent dazu beitragen soll. Dieser Markt hat bereits 170.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und wird voraussichtlich weiter wachsen. Das bisherige Ausbildungsangebot in dieser Branche wird jedoch als unzureichend angesehen.

Der neue Boom verlangt nach Spezialisten mit breitem Hintergrund.

Dies erklärte Professor Dr. Hans-Peter Liebig, Rektor der Universität Hohenheim. Er betonte, dass viele klassische Disziplinen betroffen seien, von der Züchtung neuer Energiepflanzen über die Produktion bis hin zur ingenieurwissenschaftlichen Konstruktion.

Inhalte der neuen Studiengänge

Der Hohenheimer Bachelor-Studiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie konzentriert sich auf diese Disziplinen. Professor Dr. Joachim Müller vom Fachgebiet Agrartechnik der Universität Hohenheim und Leiter der Arbeitsgruppe zur Einrichtung des Studiengangs, erläuterte:

Über sechs Semester vermitteln wir eine praxisnahe Ausbildung in Pflanzenbau, Technik oder Ökonomie.

Peter Hauk, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, hob das Potenzial Baden-Württembergs hervor:

Baden-Württemberg hat wegen seiner Strukturen ein besonderes Potenzial für die Gewinnung von Energie aus land- und forstwirtschaftlicher Biomasse sowie in der Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor. Die Erfordernis nach einer ökologisch vertretbaren und ökonomisch sinnvollen Nutzung von Biomasse misst der guten Qualifikation der Akteure und einem dabei funktionierenden Netzwerk einen immer höheren Stellenwert bei.

Das Ministerium wird im Rahmen der Bioenergieforschungsplattform Baden-Württemberg interdisziplinäre Forschungsprojekte bis voraussichtlich September 2007 bewilligen, an denen auch die Universität Hohenheim beteiligt sein wird.

Der Bachelor-Studiengang der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg fokussiert sich auf den Wald als Energiequelle. Professor Dr. Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, führte aus:

Hier haben wir über die Jahre eine besondere Kompetenz hinsichtlich der Mobilisierung und Nutzung vorhandener, weitgehend unangetasteter Nutzungsreserven, insbesondere im kleinen Privatwald, aufgebaut, die nun das Scharnier zwischen unseren bereits bestehenden Studiengängen (Forstwirtschaft und SENCE - Sustainable Energy Competence) darstellt und das Fundament für unser neues Angebot bildet.

Kooperation der Hochschulen für Synergien

Die Zusammenarbeit zwischen Universität und Hochschule ist darauf ausgelegt, Synergien zu schaffen, anstatt Konkurrenz. Studierende können Lehrveranstaltungen an beiden Standorten belegen, und Gastvorlesungen sollen das Angebot bereichern.

Die Kooperation ist etwas Besonderes, da zwei Hochschularten in einem zukunftsweisenden Forschungsfeld zusammenarbeiten.

Dies betonte Professor Dr. Bastian Kaiser. Ein Rahmenkooperationsabkommen der Hochschulen in der Region Tübingen-Hohenheim, das sechs Hochschulen umfasst, bildet die Grundlage dieser Zusammenarbeit in Lehre und Forschung. Obwohl Lehrveranstaltungen bereits zuvor gegenseitig offenstanden, erreicht die Kooperation im Rahmen der neuen Bachelor-Studiengänge eine neue Dimension.

Hintergrund der Studiengänge und Forschung

Mit dem Studiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie integriert die Universität Hohenheim einen langjährigen Forschungsschwerpunkt in die Lehre. Seit 2005 verfügt die Universität über das größte Forschungslabor für Biogas in Europa. Aktuell entsteht auf einer Versuchsstation eine Biogasanlage im Praxismaßstab, die als Forschungsplattform Bioenergie alle Forschungsaktivitäten in Baden-Württemberg bündelt.

Der neue Studiengang BioEnergie in Rottenburg ergänzt das Lehrangebot der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR). Dies fördert den Austausch zwischen den Studiengängen und innerhalb der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim. Der Studiengang ergänzt zudem die Forschungsaktivitäten der Hochschule zur optimierten Produktion, Bereitstellung und Wertschöpfung aus der stofflichen und energetischen Nutzung von Holz und anderer Biomasse aus der Waldwirtschaft. Die Hochschule gilt in diesen Bereichen als Kompetenzzentrum und wurde 2006 von der UNESCO für ihre Arbeit im Sinne der Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

05.03.2007

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