Bestandsaufnahme und Prognosen für Bayern
Der aktuelle Klima-Report Bayern 2021 liefert eine umfassende Bestandsaufnahme der Klimawandelfolgen im Freistaat. Er dient als Grundlage für die Weiterentwicklung von Klimaschutzmaßnahmen und die Anpassung an zukünftige klimatische Bedingungen.
Der Bericht prognostiziert, dass die mittlere Temperatur in Bayern bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,8 Grad Celsius gegenüber dem Zeitraum von 1971 bis 2000 ansteigen könnte, sofern keine Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Dies hätte eine Zunahme von bis zu 36 zusätzlichen Hitzetagen zur Folge, definiert als Tage mit mindestens 30 Grad Celsius. Zum Vergleich: Zwischen 1971 und 2000 gab es durchschnittlich vier Hitzetage pro Jahr. Auch die Anzahl der Tropennächte, in denen die Temperatur über 20 Grad Celsius bleibt, könnte auf bis zu 18 Nächte ansteigen.
Ein anderes Szenario ergibt sich, wenn das Pariser Klimaabkommen weltweit erfolgreich umgesetzt wird. In diesem Fall würde die Temperatur in Bayern spätestens ab 2050 nicht mehr signifikant steigen und sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf einen durchschnittlichen Anstieg von 1,1 Grad Celsius beschränken.
"Der Klima-Report ist ein Fenster in die Zukunft. Er zeigt klar: Wir müssen handeln. Die Weichen sind bereits richtig gestellt. Spätestens 2050 soll ein klimaneutrales Bayern Säule eines klimaneutralen Kontinents sein. Nachdem die EU ihre Klimaziele nochmals nach oben schrauben will, werden auch wir unsere Ziele entsprechend anpassen. Neue Ziele erfordern neue Maßnahmen. Ich will ein Klima-Paket II schnüren. Das Klima-Paket II soll ein Turbo für unsere Klimaschutzoffensive werden. Kern sind unsere aktuell rund 100 konkreten Maßnahmen, die wir kraftvoll erweitern wollen", so Glauber.
Neue Schwerpunkte sollen in den Bereichen natürlicher Klimaschutz, wie dem Schutz von Mooren, sowie im kommunalen und internationalen Klimaschutz gesetzt werden. Auch die Förderung erneuerbarer Energien spielt eine zentrale Rolle.
"Herzkammer der Klimaneutralität ist die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien. Unverzichtbarer Baustein, um den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen, ist die Ausstattung staatlicher Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen. Nur so können wir unserer Vorbildfunktion gerecht werden. Private Dachphotovoltaik-Anlagen sollen mit einer neuen Förderung passender Speicher im Keller den Klimaschutz zum Mitmach-Projekt machen", betonte Glauber.
Zur Unterstützung der rund 2.000 Kommunen auf ihrem Weg zur Klimaneutralität soll die Landesagentur für Energie und Klimaschutz gestärkt werden.
Der Report betont zudem die Bedeutung einer sicheren Wasserversorgung. Obwohl sich die gesamte Regenmenge in Zukunft kaum verändern wird, ist mit längeren Trockenperioden zu rechnen. Dies ist auf häufigere und intensivere Starkregenereignisse zurückzuführen. Gleichzeitig führen höhere Lufttemperaturen zu einer verstärkten Verdunstung, was die Trockenheit zusätzlich verstärkt. Starkregenereignisse tragen auch zu einer erhöhten Abschwemmung wertvoller Böden bei. Aktuell werden durchschnittlich 3,5 Tonnen Oberboden pro Jahr und Fußballfeldfläche weggeschwemmt. Bis 2050 könnte sich das Ausmaß der Bodenerosion verdoppeln oder verdreifachen.
"Fakt ist, dass mit dem voranschreitenden Klimawandel nach derzeitigem Kenntnisstand eine Zunahme von wetterbedingten Extremereignissen zu erwarten ist, wie beispielsweise die Sturzflut in Simbach am Inn im Juni 2016 oder massive Stark- und Dauerschneefälle im Januar 2019, von denen auch Bayern betroffen war. Daher ist es wichtig und dringlich, bevorstehende klimatische Veränderungen genau im Auge zu behalten", ergänzte Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt des Deutschen Wetterdienstes.
Der Klima-Report Bayern 2021 ist kostenfrei zum Download verfügbar.
