Der Klima-Report für Bayern: Eine umfassende Analyse
Der aktuelle Klima-Report für Bayern beleuchtet die bereits eingetretenen und zukünftig erwarteten Veränderungen durch den Klimawandel im Freistaat. Die Analyse zeigt eine Verschiebung der Jahreszeiten, eine Erwärmung der Gewässer und weitere Folgen für Natur und Gesellschaft.
Der neue Klima-Report ist unsere Enzyklopädie der Klimaveränderung in Bayern. Der Klima-Report schaut erstmals in einer Gesamtsicht mit der Lupe auf Bayern. Ein weiterer, ungebremster Klimawandel wird das Gesicht des Freistaats verändern.
Die Vegetationsperiode hat sich in den letzten 50 Jahren um 26 Tage verlängert, wobei der Frühling neun Tage früher beginnt. Die Anzahl der heißen Tage mit mindestens 30 Grad Celsius, die zwischen 1971 und 2000 durchschnittlich fünf pro Jahr betrug, könnte bis Mitte des Jahrhunderts um bis zu 14 Tage und bis 2100 um bis zu 30 Tage ansteigen. Dies könnte einen Temperaturanstieg von bis zu 4,5 Grad Celsius in Bayern bedeuten.
Die mittlere Jahrestemperatur der bayerischen Fließgewässer ist seit 1980 um etwa 0,5 Grad Celsius pro Dekade gestiegen. Bis 2050 wird eine weitere Zunahme um 0,6 Grad Celsius erwartet. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für Tier- und Pflanzenarten, wie den Rückzug der Bachforelle in den Oberläufen der Flüsse. Zudem wird in allen Höhenlagen ein Rückgang der mittleren Schneedeckendauer um 30 bis 60 Tage prognostiziert.
Um touristischen Regionen wie Alpengemeinden bei der Anpassung an diese neuen Bedingungen zu unterstützen, werden in Mittenwald und Schwindegg in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften München klimarobuste Tourismuskonzepte entwickelt. Die Ergebnisse, die Ende 2016 vorliegen sollen, dienen als Handlungsempfehlungen für weitere Gemeinden.
Die Erderwärmung hat auch direkte Auswirkungen auf die bayerische Bevölkerung. Hitzewellen stellen eine Belastung für Risikogruppen dar. Steigt die Außentemperatur von einem auf den nächsten Tag um mehr als fünf Grad Celsius, erhöht sich das Herzinfarktrisiko für Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 60 Prozent. Allergiker leiden unter der Verschiebung der Jahreszeiten, da Gräser und Pollen früher blühen, länger fliegen und in größerer Menge vorhanden sind. Seit 1980 sind Pollen 24 Tage länger in der Luft.
Gemeinsam mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium werden wir 2016 einen Schwerpunkt Gesundheit und Klimawandel setzen. Wir wollen in den nächsten Jahren ein leistungsfähiges Pollenflug-Monitoring aufbauen, um die Effekte des Klimawandels besser vorhersehen und abfedern zu können.
Auch die bayerische Wirtschaft steht vor Herausforderungen durch steigende Temperaturen. Im Rahmen des Umweltpakts soll ein Netzwerk aus betrieblichen Klima-Anpassungsmanagern Unterstützung bieten. Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels wird als entscheidend für die Zukunft angesehen.
Wir wollen Bayern klimasicher machen. Das wird ein gemeinsames Großprojekt. Wir werden im Frühjahr 2016 unsere Klima-Anpassungs-Strategie fortschreiben.
Diese Strategie umfasst 15 Handlungsfelder mit konkreten Maßnahmen, die vom Waldumbau über den Hochwasserschutz bis zum Städtebau und Tourismus reichen. Die aktuellen Klimaprojektionen werden weiter regionalisiert, um die Klimaentwicklung in den einzelnen Regionen Bayerns detailliert darzustellen.
Wir wollen in den kommenden Jahren zeigen, wie sich das Klima in den einzelnen Regionen Bayerns entwickelt. Wissen ist die Grundlage unseres Handelns.
Der Klima-Report wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt und der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus erstellt und ist online verfügbar.
